Ein Jahr lang feiern

Neu-Hohenschönhausen wird 30

11.02.2014, Birgitt Eltzel

Foto: Klaus Tessmann

Neu-Hohenschönhausen. Der dicke braune Band mit der eingeprägten Goldschrift dürfte wohl einige Kilogramm Gewicht auf die Waage bringen. Rolf Meyerhöfer (73) hat ihn am Montag, 10. Februar, ins Studio im Hochhaus an der Zingster Straße mitgebracht. In dem Wälzer sind die Erinnerungen an 30 Jahre Neu-Hohenschönhausen sorgsam dokumentiert – von der Zeit an, wo auf den früheren Berliner Rieselfeldflächen im raschen Takt Wohnungen, Kitas und Schulen montiert wurden, über den Einzug der neuen Mieter bis hin zu den Jahren, wo die Plattenbauten bunter wurden und Neues rund um den Prerower Platz entstand wie das Einkaufszentrum Linden Center oder das Großkino.

Heimatforscher und Ausstellungsmacher
Der promovierte Mathematiklehrer Meyerhöfer, der in den 1980er-Jahren aus Mecklenburg an die Akademie der pädagogischen Wissenschaften der DDR berufen wurde, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Geschichte des Stadtteils. Er ist Heimatforscher – gestaltete Ausstellungen mit, schrieb Bücher. Viele seiner gesammelten Dokumente stellte er dem Förderverein Schloss Hohenschönhausen zur Verfügung, in dem er Mitglied ist. In den nächsten Monaten wird sein Wissen wohl noch gefragter, denn bis zum Herbst 2015 wird in Neu-Hohenschönhausen gefeiert. Dazu soll es viele Veranstaltungen geben.

1985 wurde der Bezirk gegründet
Vor 30 Jahren, genau am 9. Februar 1984, wurde an der Barther Straße 3 der Grundstein für das Neubaugebiet gelegt. Bis 1989 entstanden auf rund 330 Hektar am nordöstlichen Stadtrand von Berlin etwa 30.000 Wohnungen für ca. 90.000 Menschen. Neben den vier Wohngebieten gehörten Schulen, Kindergärten, Gaststätten und Kultureinrichtungen zum damaligen Bauprogramm. Das Bevölkerungswachstum war der Grund, aus dem Neubaugebiet und Alt-Hohenschönhausen sowie den Dörfern Malchow, Wartenberg und Falkenberg einen eigenständigen Bezirk zu machen – am 1. September 1985 wurde Hohenschönhausen als zehnter Bezirk der DDR-Hauptstadt gegründet. Seit der Bezirksfusion 2001 gehört Hohenschönhausen zum Bezirk Lichtenberg.

Bezahlbare Wohnungen, gute Infrastruktur
Rolf Meyerhöfer zog genau am Tag der Bezirksgründung in seine Wohnung an der Rüdickenstraße. In dem Sechsgeschosser ohne Fahrstuhl wohnt der 73-Jährige noch heute: “Täglich 100 Stufen steigen, das hält fit”, sagt er. Und er fühle sich wohl in Neu-Hohenschönhausen. “Wir sind sehr zufrieden, wie es hier ist. Gute, bezahlbare Wohnungen, eine ordentliche Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, medizinischer Versorgung und anderen notwendigen Einrichtungen, ausgezeichnete Verkehrsverbindungen und viel Grün, das macht den Stadtteil aus”, so Meyerhöfer.

Zufriedene Mieter
Stefanie Frensch, die Geschäftsführerin der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Howoge, bestätigt, dass die Neu-Hohenschönhausener zufriedene Mieter sind. 22.500 Wohnungen besitzt das Unternehmen in Hohenschönhausen – etwa 41 Prozent des Bestandes. Andere Vermieter sind Genossenschaften und Private. “Der Leerstand in unserem Bestand in Neu-Hohenschönhausen liegt unter 0,6 Prozent”, sagt Frensch. Weil Wohnungen dort inzwischen kaum noch zu bekommen sind, plane das Unternehmen weitere Investitionen. So würden bis Herbst 2015 rund 850 Wohnungen und Gewerbeeinheiten, die die Howoge im vergangenen Jahr am Prerower Platz, in der Zingster und Ahrenshooper Straße erworben hat, umfassend saniert. “Wir glauben an diesen Stadtteil”, sagt sie. In Alt-Hohenschönhausen wird die Howoge Mietwohnungen bauen, so auf dem Gelände der alten Zuckerwarenfabrik an der Konrad-Wolf-Straße und an der Küstriner Straße. Bis 2018 will das Unternehmen insgesamt rund 3.000 neue Wohnungen errichten.

Dabei ist die “Platte” aus DDR-Zeiten durchaus wieder Vorbild. “Die Wohnungen haben sehr effektive Grundrisse”, sagt Frensch. “Das schauen wir uns bei unseren heutigen Neubauprojekten genau an.” Und noch etwas hebt Frensch hervor: Die Schnelligkeit, mit der seinerzeit gebaut wurde. 7.000 Wohnungen wurden in Neu-Hohenschönhausen allein im Jahr 1987 errichtet. “In ganz Berlin waren es im vergangenen Jahr nicht einmal 6.000.“

Selbsbewusste Hohenschönhausener
Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) sagt, dass in den Anfangsjahren die Zuzügler froh waren, Gebieten wie Prenzlauer Berg mit maroden Altbauten entkommen zu sein. “Heute haben sich zwar die Wertigkeiten in der Stadt etwas verschoben, was Prenzlauer Berg und Hohenschönhausen betrifft”, sagt er, ein wenig schmunzelnd. “Geblieben aber ist das Selbstbewusstsein der Hohenschönhausener. Hier gibt es einen sehr positiven Lokalpatriotismus.”

Mühlenbrunnen wird repariert
Ein Jahr lang werde jetzt gefeiert – bis zum Jubiläum der Bezirksgründung. Welche Feierlichkeiten es gibt, das werde das Bezirksamt allerdings nicht vorgeben, so der Bürgermeister. Denn dazu machten sich die Hohenschönhausener selbst Gedanken, alle Neuigkeiten werden im Internet unter www.hohenschoenhausen-kiezinfo.de veröffentlicht. Ein Termin steht bereits jetzt fest: Am 10. April soll im Mühlengrund, dem ersten fertiggestellten Viertel von Neu-Hohenschönhausen, eine Gedenktafel enthüllt werden. Die Heimatforscher um Rolf Meyerhöfer werden dazu auch eine Ausstellung gestalten. Und noch in diesem Jahr soll ebenfalls der seit langem kaputte Mühlenradbrunnen endlich wieder in Ordnung gebracht werden.

Foto 1-4: Blicke vom Hochhaus Zingster Straße 25
Foto 5: Rolf Meyerhöfer, Stefanie Frensch und Andreas Geisel
Foto 6: Rolf Meyerhöfer mit seiner Chronik

Lesen Sie dazu auch: Eine Zeitreise durch Hohenschönhausen

 

 

 

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