Sanierung von Schloss Hohenschönhausen

Neonlampen statt Kronleuchter

01.11.2018, Marcel Gäding

Fotos Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Alt-Hohenschönhausen. Seit 20 Jahren engagieren sich Hohenschönhausener dafür, dass das alte Gutshaus im Ortskern von Hohenschönhausen saniert wird. Zum Jahrestag der Vereinsgründung ziehen die gut 40 Mitglieder des „Fördervereins Schloß Hohenschönhausen e.V.“ eine positive Bilanz. Viel wurde inzwischen erreicht. Doch die Arbeit, die noch vor ihnen liegt, will kein Ende nehmen…

Über den Nebeneingang hinein

Der Haupteingang zum Gutshaus wirkt schmucklos: Eine grau verputzte Treppe führt zu einer Metalltür. „Betreten der Baustelle verboten“, steht dort auf einem Schild, dessen Aussage so nicht ganz richtig ist. Wer will, kommt doch ins Haus – über einen Nebeneingang, durch das herrschaftliche Treppenhaus in repräsentative Räume mit großen Fenstern.

Dass je wieder Tageslicht in das Gutshaus dringt, ist den engagierten Mitgliedern des „Fördervereins Schloß Hohenschönhausen e.V.“ zu verdanken. Vor 20 Jahren hatten die Initiatoren im inzwischen geschlossenen Heimatmuseum Hohenschönhausen eine Ausstellung über das historische Gebäude, seine Geschichte und seine Bewohner besucht. Schnell war klar, dass sie das Kleinod im Zentrum von Alt-Hohenschönhausen retten wollen. Ohne Geld, aber mit vielen Ideen gründeten sie ihren Verein – nichts ahnend, wie schwer es werden wird, wieder Leben ins Gutshaus zu bringen.

Historisches Zentrum von Hohenschönhausen

Das Gutshaus befindet sich in der Hauptstraße. Gleich nebenan steht noch die alte Dorfschule, wenige Meter weiter die im 13. Jahrhundert erbaute Taborkirche. Die Gebäude sind, gemeinsam mit einigen alten Gehöften, die letzten baulichen Zeugnisse des einstigen Dorfes, das der späteren Großsiedlung Hohenschönhausen den Namen gab. Das Wohnungsbauprogramm der DDR zerstörte den ländlichen Charakter bis in die 1980er-Jahre, als die Elfgeschosser und Wohnhochhäuser immer näher rückten. Heute blickt man vom Schloss Hohenschönhausen aus auf Plattenbauten und ein architektonisch anspruchsloses Einkaufszentrum. Das Gutshaus selbst hat eine wechselvolle Geschichte (siehe Kasten unten). Zuletzt diente es als Außenstelle des Städtischen Krankenhauses Weißensee: Von 1957 bis 1972 kamen in der Hauptstraße fast 11.000 Kinder zur Welt. Mit der Wende geriet das Haus in Vergessenheit. Der Garten verwilderte, die Fenster wurden zugemauert. Erst nach dem Fall der Mauer erregte das Gutshaus das Interesse von Denkmalschützern und Anwohnern. Der Verfall war weit vorangeschritten.

Rettung für das Schloss Hohenschönhausen in letzter Minute

Fast in der sprichwörtlichen letzten Minute kam Rettung – in Form der Vereinsmitglieder. Sie entrümpelten das Grundstück, nahmen erste Sicherungen am Haus vor und kauften die Immobilie schließlich 2008 vom Bezirk. Parallel bemühten sie sich auf Landes- und Bundesebene, aber auch beim Bezirk selbst um Geld – mit Erfolg. „Bis heute wurden in die bauliche Instandsetzung des Gebäudes 2,5 Millionen Euro investiert“, sagt Dr. Rüdiger Schwarz, der Vereinsvorsitzende. Die Mittel stammen vom Bund, aber auch aus Lotto- und Fördermitteln. Am Ende werden es rund 3,5 Millionen Euro sein, die in die bautechnische Instandsetzung des Gebäudes fließen. Sichtbar ist davon schon viel: Neue Fenster in beiden Etagen, von alten Krankenhaus-Fliesen befreite Wände, neue Elektroleitungen, etc. Im Laufe der vergangenen Jahre wurden auch so manche Schätze freigelegt: Neben wertvollen Wandmalereien gehören dazu das „Kaiser-Parkett“ aus der Zeit um 1880, das Eichenholzgeländer im Treppenhaus.

Bürgerschloss als Identitätsort

Obwohl noch nicht genau absehbar ist, wann die Arbeiten abgeschlossen sein werden, gibt es wieder Leben im Haus, das nun als „Bürgerschloss“ fungiert. Zum einen wurde dort ein Daimon-Museum eröffnet, das an das Wirken des Unternehmers, Daimon-Gründers und Taschenlampen-Erfinders Paul Schmidt, der letzte private Besitzer des Gutshauses, erinnert. Zum anderen finden im Schloss regelmäßig Ausstellungen mit historischem Bezug und Veranstaltungen statt – darunter der Tag der offenen Tür anlässlich des 20-jährigen Vereinsbestehens. Daran nahmen neben Abgeordneten und Bezirksverordneten auch Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) teil, der bereits als Bezirksbürgermeister von Lichtenberg die Schloss-Sanierung unterstützte, und der Lichtenberger Bezirksstadtrat Wilfried Nünthel (CDU). Geisel lobt die Beharrlichkeit des Vereins, dessen bürgerschaftliches Engagement „Ausdruck lebendiger Demokratie“ sei. Er bezeichnet das Schloss als einen Identitätsort.

Und doch ist der Verein auch im 20. Jahr nach seiner Gründung nicht am Ziel. Die nächste Etappe ist bereits konkret geplant: Nun sollen die einzelnen Räume und Objekte im Haus wie Geländer, Decken und Wände denkmalgerecht restauriert werden. Künftig sollen in den Räumen die verschiedenen Bauetappen anhand der architektonischen Zeugnisse sichtbar werden.

 

Geschichte von Schloss Hohenschönhausen: Rittergut und Herrensitz

Das heutige Guthaus Hohenschönhausen wurde vermutlich bis Ende des 17. Jahrhunderts erbaut und gehörte lange Zeit der Familie von Röbel. Diese besaß ab Anfang des 16. Jahrhunderts an gleicher Stelle einen Herrensitz nebst Rittergut. 1817 ging das massiv gebaute Haus an den preußischen Agrarreformer Christian Friedrich Scharnweber (1770-1822) über.

Letzter privater Eigentümer war Paul Schmidt (1868-1948), der sich als Erfinder, Unternehmer und Gründer der Firma DAIMON einen Namen machte. Von ihm stammen unter anderem die Trockenbatterie und die Taschenlampe. An Schmidt und Scharnweber erinnern Gedenktafeln am Haus.

Das einstige Gutshaus wurde 1920 Eigentum der Stadt Berlin. Es wurde unterschiedlich genutzt, zuletzt als Außenstelle des Städtischen Krankenhauses Weißensee.

2003 konnte der Verein mit den ersten Bauarbeiten am Haus beginnen. Im Februar 2018 eröffnete dort ein Bürgertreff mit Unterstützung des Bezirksamtes. Im März 2018 wurde von der ProDenkmal GmbH das denkmalpflegerische Gesamtkonzept fertiggestellt. Es ist Grundlage für die Restaurierung des Gebäudeinneren.
Weitere Informationen zum Bürgerschloss gibt es im Internet unter www.schlosshsh.de

 

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