Ein Park mit Früchten für jedermann

Naschen erlaubt

15.08.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Friedrichsfelde-Süd. Genüsslich steckt Wilfried Nünthel (CDU), Lichtenbergs Stadtenwicklungs-Stadtrat, am Mittwoch, 13. August, eine Erbeere in den Mund. Sie ist zwar noch ein wenig sauer, der Kommunalpolitiker freut sich dennoch. Die Frucht stammt von einem Hochbeet im neuen Grünzug Hönower Weg. Dort ist auf ehemaligem Schulgartengelände vor den elfgeschossigen Plattenbauten der Dolgenseestraße ein kleiner Park entstanden, in dem Vorbeikommende kostenlos ernten können. Denn das Gelände erhielt nicht nur neue Wege, sieben neue Bänke und einen kleinen, eingezäunten Tonteich, sondern auch viele Pflanzen, Bäume und Sträucher, an denen essbare Früchte wachsen. In Hochbeeten, die durch eine Klinkermauer eingefasst werden, gibt es Erd-und Heidelbeeren. Auf Rasenflächen wurden Kornelkirschen, Haselsträucher und Schlehen gesetzt, auch Birnenquitten und Felsenbirnen. Apfel -und Pflaumenbäume ergänzen zudem bereits vorhandene Kirschbäume.

Projekt “Essbarer Bezirk”
Der neue, öffentliche Früchtegarten, bisher in Lichtenbergs städtischen Wohnlagen einmalig, sei ein guter Einstieg ins Thema “Essbarer Bezirk”, sagt der Stadtrat. Erst am Dienstag habe der Umweltausschuss des Bezirksparlaments dafür votiert, dass die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) einen solchen Antrag stellt. Auch im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf will die BVV über einen “Essbaren Bezirk” diskutieren. Das Konzept dafür fußt auf Erfahrungen der rheinischen Stadt Andernach, die bereits im Jahr 2010 beschlossen hatte, im öffentlichen Raum essbare Nutzpflanzen anzubauen. Inzwischen folgen 51 Kommunen in Deutschland diesem Beispiel, darunter als bisher einziger Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Dabei pflanzen die kommunalen Verwaltungen statt Ziergewächsen vermehrt essbare Pflanzen, wie Beerensträucher, Obstbäume, Tomaten und Bohnen. “Es geht um Biodiversität, aber auch um Umweltbildung”, sagt der Stadtrat. “Nicht jeder hat einen Garten, viele Kinder kennen Obst und Gemüse nur aus dem Supermarkt.”

Azubis sammelten Erfahrungen
Der neue Abschnitt des Grünzuges Hönower Weg kostete rund 50.000 Euro. Das ist für den Um- und Neubau eines Parks vergleichsweise wenig Geld. Zurückzuführen ist das insbesondere auf den Einsatz von Auszubildenden des Bezirksamtes, Fachrichtung Garten-und Landschaftsbau. Den jungen Leuten verschiedener Lehrjahre dankte der Stadtrat deshalb am Mittwoch auch ganz besonders: “Es ist gut geworden, eine prima Sache.” Der Lichtenberger Vincent Scholz (25), Azubi im 1. Lehrjahr, sagt: “Es hat wirklich Spaß gemacht und man konnte viel lernen.”

Pfleglich behandeln
Die Pflege sowohl der essbaren als auch der für Menschen ungenießbaren Pflanzen übernimmt nun das Revier Süd des bezirklichen Straßen- und Grünflächenamtes. Conrad Masius, im Amt zuständig für alle Lichtenberger Grünanlagen, hofft, dass auch die Anwohner und Passanten darauf achten, den kleinen Park pfleglich zu behandeln: “Er ist doch wirklich schön geworden.”

 

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