Interkultureller Treff an der Marzahner Promenade 38 eröffnet

Nähen, Stricken, Kennenlernen

11.08.2016, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Marzahn. Wer gerne Handarbeiten macht und dabei auch mit anderen Menschen ins Gespräch kommen möchte, findet dafür jetzt im neu eröffneten Interkulturellen Nähcafé einen gemütlichen Ort im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte.

Ein wenig sieht es dort aus wie in einem Museum, noch ziemlich unberührt. Alle 18 Nähmaschinen wurden gespendet, ebenso die Strickmaschine, die Wolle, die Stoffe und die erforderlichen Utensilien, erzählt Martina Polizzi ganz begeistert. Sie ist Projektleiterin des Cafés, das am Dienstag, 9. August, in der Marzahner Promenade 38 eröffnet wurde. Polizzi zeigt den ersten interessierten Gästen den hellen, freundlich eingerichteten Raum. Überall stehen Gläser mit Knöpfen und zartrosa Kartons mit großen Bildern von Näh- und Sicherheitsnadeln oder Reißverschlüssen. Denn die Einrichtung ist ein interkultureller Treffpunkt, auch offen für Menschen, die die deutsche Sprache bisher noch wenig verstehen wie beispielsweise Bewohnerinnen und Bewohner aus den umliegenden Flüchtlingsunterkünften.

Diese kamen auch recht zahlreich zur Eröffnung und brachten Selbstgebackenes mit für das Büffet, sodass am Ende Spezialitäten aus zehn Ländern auf den Tischen standen. Zu den Gästen gehörten auch viele Seniorinnen und Senioren, die das Stadtteilzentrum regelmäßig besuchen. Sie probierten die Pasteten und das Gebäck und so mancher hat wahrscheinlich zum ersten Mal orientalischen Tee aus einem Teekocher getrunken.

Miteinander reden, nicht übereinander
Träger des Nähcafés und des Stadtteilzentrums ist die Volkssolidarität, Landesverband Berlin. Geschäftsführer André Lossin freute sich besonders über die neue Einrichtung. Er wünsche sich, dass das Café zu einem Ort im Kiez wird, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenkommen und miteinander reden, nicht übereinander, sagte er. Die Volkssolidarität betreut einige Flüchtlingsunterkünfte in Marzahn-Hellersdorf. Im Nähcafé haben die dort untergebrachten Menschen, von denen die meisten noch nicht arbeiten dürfen, Gelegenheit, sich zu betätigen. Übrigens nicht nur die Frauen. Es gibt einen ausgebildeten Schneider unter den Geflüchteten, der Anleitungen geben wird. Auch alteingesessene Marzahner, die ihre Handarbeitstipps und -tricks weitergeben wollen, sind willkommen.

Treffpunkt für Alt- und Neu-Marzahner
Die Idee zum Nähcafé hatten Cordula Bienstein vom bezirklichen Migrationssozialdienst und Martina Polizzi, die Nachbarschaftsprojekte in Marzahn-Mitte betreut. „Es gibt ja schon eine Handarbeitsgruppe, die sich regelmäßig im Stadtteilzentrum trifft“, erklärt Martina Polizzi. „Wir wollten aber, dass alte und neue Marzahnerinnen und Marzahner zusammenkommen, die Menschen aus den Massenunterkünften und diejenigen, die ganz allein in ihrer Wohnung leben.“ Bei Kaffee, Tee und Gebäck könne dann geplaudert und dabei gehäkelt, gestrickt, genäht, repariert oder neu gestaltet werden. Auch Schulklassen könnten dort Projekttage verbringen.

Wer kann Kurse anbieten?
Martina Polizzi denkt aber schon weiter. Sie würde gerne zu Weihnachten einen Basar mit den im Nähcafé kreierten Dingen veranstalten und mit dem Erlös andere Einrichtungen unterstützen. Sie könnte sich auch vorstellen, zur Aktion „Schöner leben ohne Nazis“ im September auf dem Hellersdorfer Alice-Salomon-Platz gehäkelte oder genähte Handytaschen anzubieten oder im Dezember die Weihnachtstanne im Freizeitforum mit handgefertigtem Baumschmuck zu verschönern. Später einmal, so hofft sie, soll sich das Projekt selber tragen. Vielleicht könnten im Nähcafé künftig auch Praktikanten beschäftigt werden oder Menschen eine Ausbildung erhalten.

Wer selbst Kurse oder Workshops anbieten kann, kann sich bei Martina Polizzi und Cordula Bienstein unter Tel.: 030-93 02 38 15 oder per E-Mail melden.

Interkulturelles Nähcafé im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte:
Marzahner Promenade 38, 12679 Berlin
Geöffnet: Mo, Di 10 bis 16.30 Uhr; Do, Fr 10 bis 18.00 Uhr
Der Eintritt ist frei.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden