Am 2. Juli beginnt die Kinozeit wieder

Neustart für die „Kiste“

16.06.2020, Regina Friedrich

Fotos: Regina Friedrich

Hellersdorf. Die Pandemie hat die Kultureinrichtungen in den vergangenen Monaten schwer gebeutelt. Nun kommt der Neustart mit vielen Auflagen. Auch im Kino „Kiste“ flimmern demnächst wieder Filme über die Leinwand. Das Café hat schon geöffnet.

Es ist Sonntag, 14. Juni, der Tag der offenen Ateliers, Werkstätten und Galerien in Marzahn-Hellersdorf. Auch die „Kiste“, etwas versteckt hinter grünen Büschen am U-Bahnhof Hellersdorf, hat ihre Türen geöffnet. Auf dem Rasen vor dem Kino sind Tische und Bänke aufgebaut, im erforderlichem Abstand. Daneben steht ein Imbisswagen mit Eis und frischem Kuchen. Doch noch bleiben die Bänke leer. Eine gute Gelegenheit, von Fred Schöner, dem langjährigen Leiter der Einrichtung, zu erfahren, wie es nun weitergeht.

Filme mit Abstand

„Das Café ist ja schon offen, Dienstag bis Sonntag von 14 bis 20 Uhr“, erklärt er, „und ab 2. Juli gibt es auch wieder Kino.“ Kino – das heißt einmal in der „Kiste“ und in der Parkbühne im Schloßpark Biesdorf. In der „Kiste“ muss das Publikum selbstverständlich Abstand halten, was einem Kinoabend als Paar oder Familien aber nicht im Wege steht. Je nachdem können maximal elf oder zweiundzwanzig Plätze besetzt werden. Drinnen ist kein Maskenzwang, auf dem Weg zur Toilette jedoch schon.
Fred Schöner macht sich keine Illusionen, was den zu erwartenden Besucherandrang angeht. Der wird sich eher zur Parkbühne bewegen, im Sommer ist nun mal Open Air angesagt. Für die Freilichtbühne steht zwar noch eine technische Probe aus, aber da sieht er kein Problem. Ihm macht etwas anderes zu schaffen. Die Stärke der „Kiste“ war es bisher, vom Spatzenkino für die Jüngsten bis zur Seniorenmatinee ein breites Spektrum an Veranstaltungen präsentieren zu können. Das wird zunehmend schwerer, die Stendaler Straße ist nicht der Kudamm. „Uns fehlen hier drei Dinge gegenüber den Innstadtbezirken“, zählt er auf, „es kommen so gut wie keine Touristen und wir haben keine Flaniermeile mit Clubs, Restaurants und so weiter. Zudem kommen wir als Kulturort in den Medien kaum vor.“ Und nun noch die besonderen Bedingungen und Beschränkungen. Da muss er eben flexibel sein. Auf der Freilichtbühne wird es in den Ferien einen festen Tag geben, an dem ein Familienfilm gezeigt wird und in der „Kiste“ läuft in der Woche jetzt nur ein Kinderfilm, der aber wöchentlich wechselt.

Seniorenbrunch mit „Enkel für Anfänger“

Besonders die älteren Kinobesucher wird es freuen – es gibt wieder den Seniorenbrunch. Der wurde von einigen Gäste schon sehr vermisst. „Wir starten wie gewohnt am Donnerstag, diesmal also am 2. Juli, um neun Uhr mit dem Film, danach können alle noch gemütlich beieinandersitzen. Allerdings müssen wir die Teilnehmerzahl auf 20 begrenzen, deshalb bitte vorher anmelden.“ Der erste Film ist übrigens die schwarzhumorige Familienkomödie „Enkel für Anfänger“ mit Heiner Lauterbach und Maren Kroymann.

Die Puhdys und ein Elefant

In der „Kiste“ werden nicht nur Filme gezeigt, es gibt auch Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen, denn für Fred Schöner ist das, was er und sein Team machen „gemeinwesenorientierte Kulturarbeit“. Das begann schon zu DDR-Zeiten mit dem 1989 gegründeten Jugendclub, wo Gerhard Gundermann zur Eröffnung spielte. Später machte Regisseur Andreas Dresen über Gundermann einen Film, der auch in der „Kiste“ lief, LiMa+ berichtete. Schöner holte für die nicht mehr ganz Jungen die Pudhys ins Haus und brachte für die Jüngsten sogar einen Elefanten in die Heidenauer Straße.

Ab August wieder Konzerte

In Zeiten von Corona muss auch der Kisten-Chef Abstriche machen. „Ab August soll es wieder Konzerte geben“, sagt er zuversichtlich, „aber im kleineren Rahmen, vielleicht mit Solokünstlern. Anders kriegen wir das mit den Abständen nicht hin, wenn die Leute bei einer Band aufspringen und tanzen.“ Das wäre bei der Parkbühne nicht so problematisch. Deshalb sind dort Filmkonzerte zu bestimmten Themen geplant mit Bands, die das dazu passende Repertoire haben.
Nicht erst seit der Pandemie mit ihren vielen Vorschriften und Regularien ist Fred Schöner gefordert, das Beste aus einer Situation zu machen. „Wir als Kino ‘Kiste’ haben uns zum großen Teil immer selbst getragen“, betont er. „Jahrelang sind wir mit 35.000 Euro gefördert worden, damit haben wir die Betriebskosten bezahlt. Wir mussten also Angebote machen, die auch nachgefragt wurden, denn Hellersdorf war und ist ein Bezirk im Wandel.“

Eintritt soll erschwinglich bleiben

Aktuell beschäftigt sich Fred Schöner mit Prog-Rock – Progressive Rock. Der greift Merkmale verschiedener Musikstile bis hin zur Klassik auf. „Das gibt es derzeit in Berlin noch wenig. Mich reizt daran besonders, dass es auf europäische Musik zurückgeht.“ Es wird sich zeigen, ob es ihm gelingt, Bands nach Hellersdorf zu bringen, die das spielen. Und ob er sie bezahlen kann, denn die Eintrittspreise sollen erschwinglich bleiben.

Kinoprogrammpreis 2019 gewonnen

Sein Credo: Was ich den Leuten anbiete, muss mich selbst interessieren, sonst kann ich sie nicht überzeugen. Dass ihm und seinen Mitarbeitern das sehr gut gelungen ist, beweist die Auszeichnung mit dem Kinoprogrammpreis Berlin-Brandenburg für das herausragende Jahresprogramm 2019, der auch mit einer Prämie von 10.000 Euro verbunden ist. „Im Kino Kiste rappelt’s immer wieder besonders dank der Kinder-und Familienfilme, denn der Junge muss an die frische Luft, sprengt das System und heißt eigentlich Alfons Zitterbacke. So geht gutes Kino am Rande von Berlin und deshalb wird es ausgezeichnet“, heißt es in der Begründung der Jury. Für die Marzahn-Hellersdorfer Kulturstadträtin Julia Witt (Linke) bedeutet der Preis Anerkennung für die hohe Qualität des Kinos und gleichzeitig Ermutigung, den Standort weiter zu führen.

Inzwischen ist es früher Nachmittag. Drei Frauen kommen ins Kino, sie wollen sich die aktuelle Ausstellung mit Konzertfotografien von Rudolf Hölscher ansehen. Sabine Schwarz ist beeindruckt. Vor allem aber ist sie froh, dass es weitergeht mit der „Kiste“. „Ich komme oft her, habe hier schon viele Filme gesehen. Aber ganz besonders freue ich mich über die Auszeichnung.“

Weitere Informationen über die Kiste hier…

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