Nach der Entschärfung der Weltkriegsbombe auf Gut Hellersdorf

Was ist noch in der Erde?

12.11.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Am gestrigen Montag, 11. November, wurde eine 250 Kilogramm schwere Fliegerbombe US-amerikanischer Bauart in Hellersdorf durch Spezialkräfte der Polizei Berlin entschärft, LiMa+ berichtete. Es war nicht der erste Munitionsfund im Bezirksgebiet – und wird wahrscheinlich auch nicht der letzte sein.

Auch über dünn besiedeltem Gebiet fielen Bomben

Denn durch die Alliierten wurden im Zweiten Weltkrieg Millionen Tonnen Bomben über deutschen Städten abgeworfen. Doch sehr viele Bomberbesatzungen fanden ihre Ziele nicht und luden ihre tödliche Last über unbewohntem oder wenig besiedeltem Gebiet ab. Sie hatten nicht genug Treibstoff, um mit den Bomben an Bord zurückzufliegen. So erklären sich auch Bombenfunde im wenig besiedelten oder landwirtschaftlich genutzten Berliner Randgebiet wie in Hellersdorf.

1943 auch die Dörfer betroffen

Im Winter 1943 hatten die Alliierten ihre Luftangriffe auf Berlin intensiviert. Auch auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Marzahn-Hellersdorf gab es Ende März 1943 flächendeckend Bombenangriffe, wie Harry Ritter in der Berliner Woche berichtete. Das Gebiet des Bezirks gehörte damals zu Lichtenberg. Von den Bombenangriffen der britischen Air Force in der Nacht vom 29. zum 30. März 1943 waren auch die ehemaligen Dörfer Marzahn, Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf betroffen. In allen Ortsteilen gab es schwere Schäden. Insgesamt gingen allein in jener Nacht auf Berlin über 5.000 Bomben nieder. Davon waren 4.550 Brandbomben.

Über eine Million Stück Munitionsfunde

Beim Bau der Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf in den Jahren 1976 bis 1990 wurden insgesamt 1 068.240 Stück Munitionskörper gefunden und beseitigt, schreibt Dr. Günter Peters in seinem Buch „Hütten, Platten, Wohnquartiere“. Darunter waren mehr als 900.000 Stück Handmunition, 68.479 Granaten, 2.579 Brandbomben, 22 Sprengbomben und 97 Raketen/Minen. Nur ein geringer Teil davon konnte Luftangriffen zugeordnet werden. Der Großteil der Funde entstammte dem Kampf um Berlin im April 1945, so Peters.

Weltkriegsschrott bei Arbeiten für IGA beseitigt

Auch bei den Vorbereitungen auf die IGA Berlin 2017 wurde noch viel Munition aus dieser Zeit im Boden gefunden. Unter einer Tonne Weltkriegsschrott befanden sich an einer Stelle des Geländes rund 350 Kilogramm Munition. Wie Christoph Schmidt, Chef der Grün Berlin GmbH damals gegenüber LiMa+ sagte (Beitrag vom 27. Nov. 2014), wurden am Grenzgraben und am Wuhleteich teilweise pro Tag mehr als 150 Kilogramm Munition gefunden.  Auch auf dem Erweiterungsgelände der „Gärten der Welt“ war der Boden durch Experten untersucht worden: „Dort lagen große Mengen Ziegel, Schutt und Müll.“

Brandenburg höchsten Anteil an Kampfmitteln

Anzunehmen ist, dass auch bei weiteren Bauarbeiten Weltkriegsmunition zu Tage kommen kann. Denn erst mit dem Ankauf von historischen Luftbildern der Alliierten können Orte lokalisiert werden, an denen noch scharfe Bomben liegen. Den bundesweit höchsten Anteil an Gebieten mit Kampfmitteln hat das Land Brandenburg. Etwa 350.000 Hektar gelten dort noch als belastet. Rund 347 Millionen Euro hat die Beseitigung von Munition seit 1991 das Land gekostet. Am meisten betroffen ist bekanntlich die Stadt Oranienburg, wo bereits rund 180 Blindgänger entschärft wurden. Fast alle hatten einen chemischen Langzeitzünder. Solche Bomben können ohne ersichtlichen Grund jederzeit hochgehen.

Die Hellersdorfer Bombe war von den LKA-Experten mittels eines Roboters entschärft worden, der den Zünder mit einem Wasser-Sandgemisch aus der Bombe herausschnitt. Die Bombe selbst wurde von den Experten nach der knapp 90 Minuten dauernden Entschärfung zum Sprengplatz Grunewald gebracht.

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