Schwere Schäden am Gebäude der NABU-Wildvogelstation

Muss das Haus abgerissen werden?

27.10.2017, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-11), André Hallau, Nabu (12).

Biesdorf-Nord. Das Gebäude der Nabu-Wildvogelstation am alten Forsthaus 7 weist so schwere Schäden auf, dass es möglicherweise abgerissen werden muss. Das geht aus dem Gutachten eines vom Bezirksamt beauftragten Sachverständigen vor, der das Haus, das zahlreiche Risse an der Fassade und den Wänden zeigt, gründlich untersuchte. Laut der Expertise, die LiMa+ vorliegt, ist das 1950 errichtete Gebäude, das aus einem Erdgeschoss und einem ausgebauten Dachgeschoss besteht, nur teilweise unterkellert. Baugrundbedingte Schäden durch nachträgliche Setzungen und damit einhergehende Sackungen und Nachsetzungen des Fundaments haben zu Rissbildungen und zu gefährlichen Verkippungen geführt.

Sachverständiger: Sofortiges Handeln erforderlich

Nach Einschätzung des Sachverständigen ist sofortiges Handeln erforderlich. Er hat zunächst die Herstellung einer Horizontalumschnürung im Deckenbereich über dem Erdgeschoss durch das Anbringen eines Stahlrahmens einschließlich Horizontalverankerungen von Nord nach Süd zur Stabilisierung der Standfestigkeit empfohlen. Danach solle die Schadensbeseitigung an dem bis zur Wende als Forsthaus genutzten Gebäudes erfolgen, wobei auch die Fundamente abschnittsweise offen gelegt werden müssten.

Abriss und Neubau wirtschaftlicher?

Ob saniert wird oder ob das Haus, in dem der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bereits seit 15 Jahren seine Wildvogelstation unterhält, übrigens die einzige in Berlin, abgerissen werden muss, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen herausstellen. Aus dem Bereich Facility Management, der Stadträtin Juliane Witt (Linke) untersteht, hieß es bereits, dass Abriss und Neubau wirtschaftlicher wären. Frank Vettel, Leiter der Serviceeinheit Facility Management beziffert die Abbruchkosten mit etwa 700.000 Euro, dazu kämen dann noch die Kosten für einen Neubau.

Martin: Sache des Landes

Johannes Martin (CDU), der zuständige Umweltstadtrat von Marzahn-Hellersdorf, sagt, dass der Bezirk kein Geld für Abriss und Neubau habe. Außerdem sei die Finanzierung Sache des Landes, denn der Nabu werde vom Senat gefördert. Der Bezirk schätze aber die Tätigkeit der Wildvogelstation und die Arbeit des Nabu sehr. So möchte Martin nach Prüfung des erst in der vergangenen Woche bei ihm eingegangenen Gutachtens möglichst so lange mit der Sperrung des Gebäudes warten, bis eine vom Abgeordnetenhaus vorgeschlagene Container-Lösung für die Station realisiert wird. „Wenn aber Gefahr im Verzug ist, müssen wir handeln.“ Der Bezirk hatte dem Nabu das Haus kostengünstig zur Verfügung gestellt.

15.000 Euro für Zwischenlösung

Laut dem aus Marzahn-Hellersdorf stammenden Linken-Abgeordneten Kristian Ronneburg hat der Umweltausschuss des Abgeordnetenhauses bereits einer Zwischenlösung zugestimmt, 15.000 Euro wurden dafür in den Haushalt eingestellt. Container sollen auf dem Gelände Am Forsthaus aufgestellt werden, um die Arbeit der Wildvogelstation zunächst mittelfristig zu sichern. Stadtrat Martin hat zudem angeboten, dass das neben dem schadhaften Forsthaus liegende Gebäude, in dem jetzt noch Mitarbeiter des Grünflächenamtes sitzen, genutzt werden könne. Die BVV Marzahn-Hellersdorf hatte auch mehrheitlich beschlossen, den Erhalt der Station zu sichern.

Nicht nur Käfige und Volieren brauchen Platz

André Hallau, der Leiter der Wildvogelstation hält dieses als Ersatzdomizil allerdings nicht für besonders geeignet. Das eingeschossige Gebäude ist zwar von dem Gutachter als standsicher bewertet worden, eine Sanierung sei jedoch auch dort erforderlich. Zunächst beschäftigt sich Hallau mit der Container-Lösung. Davon würde allerdings nicht nur einer benötigt. Denn nicht nur Vogelkäfige und Volieren müssen aufgenommen werden, sondern auch die Büros der drei Mitarbeiter mit dem Wildtier-Telefon und der Bürgerberatung. Die großen Kühltruhen, in denen die gefrostete Nahrung für Greif- und andere Vögel lagern, brauchen ebenfalls Platz. Noch laufen Gespräche mit dem Bezirk darüber. Hallau sagt, auch wenn er in Kürze den Auftrag ausschriebe, würden die Container allerfrühestens Mitte/Ende November stehen. Zu hoffen bleibt, dass bis dahin das Gebäude nicht wegen Baufälligkeit gesperrt werden muss.

Jährlich werden rund 300 Vögel gesund gepflegt

In der Nabu-Wildvogelstation werden jährlich etwa 300 verletzte Wildvögel, darunter Seeadler, Eulen und Bussarde, aber auch Möwen und Mauersegler, aus Berlin und Brandenburg gesund gepflegt und wieder in die Freiheit entlassen. Jedes Jahr werden zur Frühjahrssaison in ganz Berlin auch ca. 400 Stockenten von ungeeigneten Brutplätzen wie beispielsweise Balkonen geholt. Das Wildtier-Telefon nutzen in der Sommersaison täglich etwa 600 Anrufer. Erst im vergangenen Jahr hat der Nabu die Volieren auf dem Biesdorfer Außengelände für rund 26.000 Euro erneuert. Den Standort im Wuhletal bezeichnet André Hallau als ideal: „Es gibt genug Außenflächen im Grünen und es ist schön ruhig, so dass die Vögel nicht gestört werden.“

 

 

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