Multifunktionsbad mit Freibadgefühl

09.10.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/ Marzahn-Hellersdorf. Schon lange wird in Lichtenberg und in Marzahn-Hellersdorf über den Bau von mindestens einem zusätzlichen Bad diskutiert. LiMa+ berichtete u.a. am 28. Februar 2019, und am 3. Juni 2019. Die Berliner Bäderbetriebe stellten klar, dass nur ein Multifunktionsbad als Neubau infrage kommt.

In Lichtenberg legte die Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (BSM) bereits im Dezember 2018 das Ergebnis eines Flächenscreenings vor. Es sollte die Grundlage der Standortwahl für den Bau eines öffentlichen Kombibades bilden. Das Bezirksamt hatte die Studie nach Aufforderung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) in Auftrag gegeben.

Drei Lichtenberger Standorte scheinen geeignet

Von 17 infrage kommenden Vorschlägen blieben nach einem Grobcheck drei als geeignet erscheinende Standorte übrig: Erstens das Gelände des Zwischenpumpwerkes an der Landsberger Allee; zweitens die Freifläche an der Landsberger Allee, westlich des Höffner-Marktes bis zu der Kleingartenanlage an der Siegfriedstraße; drittens die Fläche auf und am Wirtschaftshof des Tierparks Berlin, Alt-Friedrichsfelde B1/B5.

Untersuchungsergebnis geht ins Portfolio der Analyse ein

Nachdem die Ergebnisse der Untersuchung mit der Bitte um Berücksichtigung an die Berliner Bäderbetriebe (BBB) geschickt wurden, kam nun die Antwort:

„Wir werden das aufschlussreiche Ergebnis im Rahmen unseres Projektes Bäderportfolio – Entwicklung Wachsende Stadt mit in die Untersuchungen der Makro- und Marktanalyse einbeziehen. Ziel der BBB ist es, bis Ende dieses Jahres berlin-  und bezirksgenau die Bedarfe für Schwimmen, Schwimmkurse und Sauna zu analysieren.“

Heißt ohne Beamtendeutsch: Die landeseigenen BBB machen ihre eigene Analyse, um zu erfahren, wo der Mangel am größten ist. In diesem Oktober wollen die Bäderbetriebe dazu Umfragen und Einzelgespräche in allen zwölf Berliner Bezirken führen. Denn: Im „BäderKonzept 2025“ von 2015 sind nur vier neue Bäder für Berlin vorgesehen. Zwei im Westteil, zwei im Ostteil der Stadt. Derzeit ausfinanziert und in Planung sind für zusammen 85 Millionen Euro lediglich ein Bad in Mariendorf (Fertigstellung bis 2024) im Süden sowie eines in Pankow (Fertigstellung 2025) im Norden Berlins. Bei den anderen beiden wird noch überlegt wo, wie und wann. Ziemlich fest scheint indes zu stehen: Es werden nur noch Multifunktionsbäder gebaut.

Was ist eigentlich ein Multifunktionsbad?

LiMa+ hat bei den Bäderbetrieben nochmal nachgefragt. Vereinfacht ausgedrückt, ist damit eine Schwimm- und Badehalle mit folgenden besonderen Merkmalen gemeint:

1. Mindestens eine Fassadenseite lässt sich in der warmen Jahreszeit bei schönem Wetter öffnen, sodass ein Freibad-Gefühl entsteht. Ein Außenbereich ist denkbar.

2. Es gibt in der Halle mehrere Schwimmbecken mit verschiedenen Wassertiefen und Temperaturen, zum Beispiel für das Sport- und Vereinsschwimmen, den Schwimmunterricht, Seniorenschwimmen sowie für Spiel- und Spaß. Ein Saunabereich ist ebenfalls mit integriert.

3. Verschiedene Nutzungen können gleichzeitig stattfinden. Es gibt das ganze Jahr über ein gleichbleibendes Angebot (abgesehen von der Fassadenöffnung).

Ziel: 40 Prozent tiefes Wasser, 60 Prozent flaches

Wie Dr. Matthias Oloew, Unternehmenssprecher der Berliner Bäderbetriebe, informiert, sind in den meisten derzeit vorhandenen Schwimmhallen etwa 80 Prozent der Wasserflächen den Schwimmern mit Wassertiefen von mindestens zwei Metern vorbehalten. Nur 20 Prozent haben eine geringere Wassertiefe von etwa 1,30 Meter. Auch dort kann man schwimmen, doch Stehpausen sind möglich. „In den Multifunktionsbädern wollen wir ein Verhältnis von 40 zu 60 hinbekommen“, sagt der Unternehmenssprecher.

Favorit Tierpark

Die Nachbarbezirke Lichtenberg mit 290.000 Einwohnern und Marzahn-Hellersdorf mit 268.000 hatten verabredet, dass man eng zusammenarbeiten will, um von den vier Tortenstücken wenigstens eines abzubekommen. Ein zusätzliches Bad müsste an einem Standort errichtet werden, der für die Bewohner beider Bezirke gut zu erreichen ist. Wie Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) LiMa+ gegenüber äußerte, gebe es diesen Abstimmungsprozess. „Mein Standort-Favorit ist nach wie vor der Wirtschaftshof des Tierparks“, sagt Michael Grunst. Denn er sei verkehrsmäßig für alle relativ gut erreichbar. „Im Berliner Senat muss man endlich mal begreifen, dass es auch außerhalb des S-Bahn-Ringes eine Infrastruktur mit technischen und sozialen Einrichtungen braucht“, bekräftigt der Bürgermeister.

Sechs mögliche Bäderstandorte in Marzahn-Hellersdorf

In Marzahn-Hellersdorf arbeitet man nach 2013 heute schon an einer zweiten Studie für ein Bad. Dort ist die Bäder-Not noch frappierender. Seit der dummen Schließung des Freibades am Wernersee im Jahr 2002 gibt es nicht ein einziges Freibad, mal abgesehen von der Kinderplantsche in der Max-Herrmann-Straße! Zudem sind von drei öffentlichen Schwimmbädern aktuell zwei aufgrund technischer Mängel und sich ewig hinziehender Reparaturarbeiten geschlossen! Im Bezirk liebäugelt man immer noch mit einem Freibad. Bei der Standortsuche gab es 20 Vorschläge, sechs Freiflächen kamen in die engere Wahl: am U-Bahnhof Hönow, am Biesdorfer Friedhofsweg, an der Golliner Straße, in den Gärten der Welt. In Betracht gezogen werden nach wie vor auch eine Erweiterung des Kinderbades Platsch im Bürgerpark Marzahn sowie ein Badeschiff im Biesdorfer Baggersee.


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