Manufaktur mit besonderen Formen, Farben und Kontrasten

Möbel aus Beton

10.04.2019, Angelika Giorgis

Fotos: Betonwerkstatt Clara Louise Lerch. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Er ist ein ganz besonderer Werkstoff. Seine Oberfläche kann man schleifen, polieren, imprägnieren und wachsen. Sie kann spiegelglatt, rau, uneben oder mit einem Relief versehen sein.“ Clara Louise Lerch (36), gelernte Tischlerin und studierte Architektin, spricht von Beton, den man früher eher mit Plattenbauweise in Verbindung brachte und der als kalt, hart und ungemütlich galt.

Beton – Ästhetisch, praktisch, gut

Doch daraus fertigen sie und ihr Partner Lukas von Schwanenflügel (42) unter anderem Küchenarbeitsplatten, Betonwaschtische und Waschbecken, Duschtassen, Badewannen Empfangstresen, Tische, Hocker, sogar Sessel, Verkleidungen und Möbel. „Beton besitzt nicht nur praktische, sondern vor allem auch ästhetische Qualitäten“, erklärt Clara Lerch. Er lässt sich nahezu in jede Form bringen und ist damit optimal geeignet, individuelle Objekte herzustellen – Einzelstücke ebenso wie Serien.

Glasfaser-Beton veredelt oder pur

Bei einer Küchenarbeitsplatte können beispielsweise Spüle und Abtropffeld mit der Platte in einem Guss hergestellt werden. Aber auch standardisierte Ausschnitte, Vertiefungen und das Einlassen unterschiedlicher Materialien sind möglich. „Durch ein spezielles Fertigungsverfahren wiegen unsere Arbeitsplatten aus Glasfaser-Beton, die einen Leichtbaukern enthalten, maximal die Hälfte herkömmlich gegossener Betonplatten und lassen sich so problemlos auf verschiedenste Küchenschränke montieren“, erklärt die Fachfrau. Normalerweise arbeitet man mit Beton im Verbund, zum Beispiel beim Stahlbetonbau. In der Betonwerkstatt übernehmen die Glasfasern die Bewehrung.

Bei Fu-Tung Cheng gelernt

Nach ihrem Abitur lernte Clara Tischlerin. Anschließend ging sie nach Kalifornien, wo sie auf Lukas traf und mit ihm in seiner Firma Quantum Construction arbeitete. Dort entdeckte Lukas Küchenarbeitsplatten aus Beton. 2001 baute er seine erste eigene. Später vertiefte er sein Wissen bei dem Homedesigner Fu-Tung Cheng. Nach den Bauhaus-Architekten und -Künstlern, die Beton vor allem wegen seiner Formbarkeit und Massivität schätzten und dessen konstruktive Möglichkeiten nutzen, gilt Cheng weltweit als einer der Vorreiter im Betondesign.

Zwei Jahre, nachdem Clara an der Beuth-Hochschule ihr Architektur-Studium aufnahm, folgte ihr Lukas nach Berlin. Die erste Werkstatt von zwei mal 40 Quadratmetern öffnete 2011 in der Pfarrstraße und wurde schnell zu klein. Die jetzt knapp 300 Quadratmeter große Werkstatt reicht bald auch nicht mehr. Darum schauen sich die Beiden nach einer Alternative um.

Kombination verschiedener Stoffe

Mittlerweile arbeiten Clara und Lukas in Vollzeit an ihren Projekten. Außerdem sind bei ihnen zwei Minijobber, ein Freiberufler und drei Teilzeitkräfte beschäftigt. In der Beton-Werkstatt legt man großen Wert auf gute Handarbeit, experimentiert aber auch viel.

Die Arbeit macht allen viel Spaß, weil sie besonders abwechslungsreich und interessant ist. „Die Kombination verschiedener Stoffe kann Kontraste erzeugen. Es lassen sich Bereiche herausarbeiten oder in den Hintergrund stellen. Einfache, funktionale Formen entwickeln so mehr Plastizität und werden auf besondere Weise visuell und haptisch erlebbar“, erklärt Clara. „Wir entwickeln unsere eigenen Beton-Rezepturen und wenden verschiedene Herstellungsverfahren an.“

Arbeitsintensiver Herstellungsprozess

Es werden sowohl Serien als auch Einzelstücke gefertigt. Bei Serien kann man mit Formen aus Silikon oder Polyurethan-Kautschuk arbeiten. Sie lassen sich sehr glatt und sauber halten. Das ist wichtig, denn Beton verzeiht kein unsauberes Arbeiten. „Er zeigt alles“, weiß die Expertin. „Wird die Oberfläche uneben, muss nachgearbeitet werden. Nachschleifen ist schwierig und aufwändig.“ Aber es wird nicht nur per Hand gearbeitet. CNC, 3D-Druck, Vakuum-Tiefziehen und andere technische Fertigungsmöglichkeiten haben in die Werkstatt Einzug gehalten.

Bei Einzelstücken muss man zweimal arbeiten. Zuerst entsteht eine Form aus Holz, in der schließlich der Faserbeton laminiert wird. Zwar ist der Ausgangsstoff Beton recht preiswert, aber der Herstellungsprozess ist sehr arbeitsintensiv. Das erklärt den Preis: Er liegt bei 850 Euro (brutto) pro Quadratmeter.

Kooperation mit Betonlampen-Hersteller

Die Beton-Künstler arbeiten mit privaten Kunden, aber auch mit Architekten, Designern und Künstlern zusammen. Dabei übernehmen sie entweder die reine Fertigung oder unterstützen technisch und/oder gestalterisch. Ein Kooperationspartner ist beispielsweise das Label GANTlights, das zeitlos designte Betonlampen anbietet. Aus Beton, Holz und Edelmetallen entstehen einzigartige Leuchten zur Gestaltung individueller Innenräume.

Weitere Informationen: Betonwerkstatt, Erich-Kuttner-Straße 31a
10369 Berlin, Tel.: 67 96 53 13
www.betonwerkstatt.com


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