Menschen verschiedener Herkunft und Religion begehen Mitzvah Day

Der Tag der guten Taten

18.11.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern bitte auf das Startbild klicken!

Marzahn. Hebräisch und Deutsch, aber auch Arabisch und Russisch war am Sonntag, 17. November, auf dem Abenteuerspielplatz „Wicke“ an der Schorfheidestraße zu hören. Auf dem Gelände mit der Umweltstation Alpha II fand der Mitzvah Day statt – erstmals überhaupt in Marzahn. Dieser „Tag der guten Taten“ wird jährlich weltweit von den jüdischen Gemeinden veranstaltet. Allein in Deutschland beteiligten sich in diesem Jahr in 45 Städten mehr als 3.300 Menschen. Das Motto: Die Welt ein bisschen besser machen. Für kleine gute Taten wird Zeit gespendet – beispielsweise werden alte Menschen besucht, Bäume gepflanzt oder Geschenke für arme Kinder gepackt. Das Konzept des Mitzvah Days entstand 1999 in Los Angeles und breitete sich danach schnell aus.

Jüdische Suppe, arabisches Brot und russische Blinis

Auf dem Platz an der Schorfheidestraße wurden beim Gastgeber Spielplatzinitiative Marzahn e.V. gemeinsam ein Komposthaufen umgeschichtet und ein Backofen aus Lehmziegeln gebaut. Zudem wurden kleine Kugeln mit Sonnenblumensamen vorbereitet, die im nächsten Frühjahr erblühen sollen. Das Besondere an dieser Aktion: Juden und Geflüchtete aus arabischen Ländern arbeiteten dabei gemeinsam. Und nach der Arbeit wurde zusammengesessen und gegessen – jüdische Suppe und arabisches Brot. Auch leckere Blinis gab es – gebacken von Spätaussiedlern des Vereins Vision e.V., die ebenfalls beim Mitzvah Day mitmachten. Auch alteingesessene Marzahner, die sich in der Spielplatzinitiative engagieren, packten mit an.

Integrationsprojekt R.future TV als Partner

Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, in Deutschland, und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau (Linke), in Marzahn-Hellersdorf direkt gewählte Abgeordnete, nahmen ebenfalls teil. Denn die Veranstaltung diente im besten Sinne der Völkerverständigung: gemeinsam arbeiten, miteinander reden und danach noch zusammensitzen. Partner war in diesem Jahr das mehrfach ausgezeichnete Film- und Integrationsprojekt  „R.future-TV: Flüchtlinge für Demokratie und Menschenrechte“ . Gegründet wurde es 2015 von der Berliner Filmemacherin Nina Coenen und dem gebürtigen Syrer Sami Alkomi, der als Flüchtling nach Deutschland kam. Aufgrund seiner Geschichte dient er als Vorbild und Vertrauensperson für die Projektteilnehmer. Diese machen sich in verschiedenen Kurzfilmen für eine erfolgreiches Miteinander stark und kommunizieren das in unterschiedlichen Themen. So sprechen sie beispielsweise über Gleichberechtigung, Homosexualität, religiöse Vielfalt und Selbstbestimmung.

Sami Alkomi: “Etwas zurückgeben”

Sami Alkomi erinnerte daran, dass im Jahr 2015 Vertreter des Zentralrats der Juden in Deutschland in die Notunterkunft (NUK) Wichertstraße kamen und ihm und den anderen dort Untergebrachten ihre Hilfe anboten: „Heute können wir hier etwas zurückgeben.“ Er sagte, mit einem Tag sei es aber nicht getan: „Wir müssen gemeinsam gegen Antisemitismus und Extremismus kämpfen.“

Der Zentralrat der Juden hatte im Rahmen der sogenannten Flüchtlingskrise zu Projekten für Geflüchtete aufgerufen. Dabei wurde auch mit R.future-TV zusammengearbeitet, die u.a. einige ihrer Filme bei der Spielplatzinitiative Marzahn gedreht hatten. Hannah Dannel vom Zentralrat der Juden erzählte, dass sie schon im Sommer gemeinsam beschlossen hatten, den diesjährigen Mitzvah Day in Marzahn zu begehen.

Ort der Vielfalt

Petra Pau dankte den Ideengebern und allen, die sich am Mitzvah Day in Marzahn  engagierten: „Das bringt wieder ein Stückchen mehr für eine gute Nachbarschaft im Bezirk.“ Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke)  sagte, dass solche Aktionen Marzahn-Hellersdorf als Ort der Vielfalt beleben, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Religionen und Hautfarben zu Hause sind. Jugendstadtrat Gordon Lemm (SPD) würdigte auch den Einsatz der Spielplatzinitiative, die am vergangenen Sonnabend, 16. November, ihren 29. Gründungstag feierte: „Auf dem Abenteuerspielplatz mit seiner Umweltstation ist ein interkultureller Treffpunkt entstanden, der allen Bürgern offensteht.“

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