Steffen Buchal spielt im Erpetal auf der schottischen Sackpfeife

Mit Dudelsack und Schottenrock

21.08.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Mahlsdorf. Es war diese eine Szene, die sich bei Steffen Buchal tief und fest einprägte: Als Kind sah er im Fernsehen einen Dudelsackspieler in voller Montur: Mit kariertem Kilt und Jackett, passenden Socken und der besonderen Kopfbedeckung. „Der Schotte spielte Amazing Grace, eines der beliebtesten Kirchenlieder der Welt“, sagt der Mahlsdorfer. „Niemals werde ich das vergessen und es hat mich auch nie losgelassen.“

Dudelsackspielen will gelernt sein

Als er vor ungefähr zwölf Jahren mit seiner Frau nach Schottland reiste und dort mehrere Dudelsackspieler live erlebte, war es wieder da, dieses besondere Gefühl und der große Wunsch, selbst einmal so ein Instrument zu spielen. Steffen Buchal besuchte in Glasgow einen Dudelsackbauer und bestellte seinen Dudelsack. Der Handwerksmeister gab ihm schon mal eine Übungspfeife mit nach Hause.

Theoretisch war also alles klar: Einige Songs hatte sich der Mahlsdorfer bereits aus dem Internet rausgesucht und auch Spielanleitungen. „Doch wenn ich etwas anfange, dann richtig“, betont der studierte Außenhandelsökonom. Und deshalb suchte er einen erfahrenen Lehrer, der ihm das Dudelsackspielen beibringt. Den fand er in Gunther Hausknecht, der an der Musikschule Schöneberg unterrichtet. „Anfangs dachte ich, da gehe ich zwei-, dreimal hin und dann hab ich es drauf“, erzählt der sympathische Rentner amüsiert. Aber da hatte er sich geirrt: Ganze acht Jahre ist er immer wieder nach Schöneberg gefahren und könnte nach eigener Aussage noch mehr dazulernen.

Pusten, drücken, pusten…

Vielleicht liegt es auch ein wenig daran, dass Steffen Buchal zu Beginn seiner Dudelsack-Ausbildung keine Ahnung von Noten hatte. Aber wahrscheinlich ist dieses alte Instrument, was sich die Spieler praktisch unter den Arm klemmen, schwierig zu beherrschen. „Man muss ständig pusten – drücken, pusten – drücken“, beschreibt der 66-Jährige den Vorgang. Dazu komme ausgefeilte Fingertechnik, um eben die richtigen Töne zu erwischen.

Mit der Zeit wurde der begeisterte Dudelsack-Fan jedenfalls sicherer, kann mittlerweile Noten lesen und verändert sogar manchmal Titel ganz nach seinem Geschmack. Am meisten gefallen ihm ruhige, getragene Melodien: Halleluja (youtube), Amazing Grace (youtube) oder auch Klassisches wie Nabucco von Verdi und Kompositionen von Antonín Dvořák. Und das Tolle: Steffen Buchal kann diese Werke alle aus dem Kopf spielen.

Im Einklang mit der Natur

Jetzt, im Sommer, ist er mehrmals in der Woche ab 11 Uhr im Freien zu hören. Er hat seinen Dudelsack dabei, ein Baguette mit Käse und etwas zum Trinken. Meistens zieht es ihn in das nahegelegene Erpetal bei Hoppegarten, an den Lehrpfad zwischen Ravensteiner- und Heidemühle. Passend zu seiner Musik gekleidet, steht er in schottischer Dudelsackspieler-Montur vor einem Pavillon und pustet und drückt und lässt dabei herrliche Töne in der Umgebung verhallen. Schon von weitem sind die typischen Sackpfeifen-Klänge zu hören. „Für mich ist das ein wunderbares Gefühl, im Einklang mit der Natur zu spielen“, schwärmt der Mahlsdorfer. Er ist immer wieder von dieser Musik begeistert: Er mag diese gleichbleibenden Klänge, die lang und weit hinaus getragen werden.

Was ist unterm Rock?

Auch Wanderern und Spaziergängern gefallen seine Aufführungen. Oft bleiben sie stehen, winken und manchmal kommen sie gezielt vom anderen Ufer der Erpe zu ihm gelaufen. Dass er schon einige Male wegen der Gespräche, die sich ergaben, nicht so richtig weiterspielen konnte, sieht er locker. Auch auf die zumeist von Damen gestellte Frage, was er denn unter dem Schottenrock trägt, hat er die passende Antwort parat: „Gucken sie doch nach“, sagt er dann mit verschmitztem Lächeln. Getraut hätte sich das aber noch keine.

Übung macht den Meister

Für den Hobby-Dudelsackspieler ist das Musizieren im Freien eine Art „positiver Stimmungsmacher“. Egal, wie er sich vor dem Auftritt fühlt, danach geht es ihm richtig gut. Auf die Idee gekommen, gerade an diesem Pavillon Musik zu machen, ist er nach gemütlichen Picknickrunden mit Freunden und der Familie.

Steffen Buchal ist auch schon mit einer Band aufgetreten. Aber das war nicht so sein Ding, macht er deutlich. „Ich spiele am liebsten für mich und auch die Titel suche ich mir gerne selber aus.“ Hin und wieder wird er zu Hochzeiten gebucht oder geht in Senioreneinrichtungen.

Üben muss er täglich – schon um die Fingerfertigkeit, die Rhythmen und die Noten zu behalten. Verreist er gemeinsam mit seiner Frau Ursula, hat er stets den Dudelsack im Gepäck. Dieses Jahr geht es noch nach Polen und in die Schweiz. Dort will er auch auf der Straße musizieren.

Insgeheim hofft er, dass ebenso eines seiner fünf Enkel das Spielen auf der lauten schottischen Sackpfeife für sich entdeckt. Von ihm könnte die junge Generation auf  jeden Fall viel lernen. Außerdem träumt Steffen Buchal davon, etwas Außergewöhnliches zu machen: Vielleicht eine Wanderung mit Dudelsack durch die Alpen.


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