Museum Lichtenberg erhält dank Fielmann-Stiftung Gemälde von 1830

Missverständnis mit Folgen

29.08.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Malchow. Das Museum Lichtenberg ist seit dieser Woche im Besitz eines ganz besonderen Kunstwerks. Es handelt sich um ein Gemälde aus dem frühen 19. Jahrhundert, das Friedrich Welle, einen der letzten Gutsbesitzer des Lichtenberger Ortsteils Malchow, zeigt. Über Umwege und ein Missverständnis gelangte das Ölbild nach Lichtenberg.

Im Vordergrund ein älterer Herr mit weißem Haar, feinem Zwirn und ernstem Blick – dahinter die sattgründen Wiesen von Malchow und ganz klein Bauernhäuser und die Kirche: Gut 190 Jahre ist das Bild alt, das vor Dr. Thomas Thiele und Dr. Dirk Moldt liegt – und den Leiter des Museums Lichtenberg sowie seinen Kollegen hoch erfreut. Denn aus der Zeit des frühen 19. Jahrhunderts finden sich bislang im Museum Lichtenberg keine Gemälde. „Alles, was wir aus dieser Zeit haben, sind Reproduktionen“, sagt Museumsleiter Thiele. Und so sind die beiden Museumsmacher außerordentlich froh, dass das Ölbildnis von Friedrich Welle nun zum Fundus des Hauses gehört – und das ihnen kostenlos überlassen wurde.

Firmengründer fördert kleine und größere Museen

Gönner des geschenkten Gemäldes ist die Fielmann-Stiftung, eine soziale Einrichtung des gleichnamigen Augenoptikers: mehr als 700 Niederlassungen und fast 20.000 Mitarbeiter, dazu die einprägsame Werbung für Brillen zum Nulltarif. Doch Firmengründer Günther Fielmann hat auch ein soziales Herz, unterstützt die Pflanzung von Bäumen, stiftet Schulgärten, finanziert Forschungsprojekte für die Landwirtschaft und sponsert zahlreiche Sportvereine. Was jedoch nur wenige wissen: Fielmanns engagiert sich auch für die regionale Geschichte. Seit 25 Jahren kauft der Kunsthistoriker Jürgen Ostwald in seinem Auftrag Bilder, Kunstwerke, antike Möbel, alte Landkarten und Briefe, die er dann an die Museen vornehmlich im nord- und ostdeutschen Raum verschenkt. „Wir fördern 250 Museen, vom kleinen Heimatmuseum bis hin zum Goethe-Nationalmuseum“, sagt Ostwald. Denn diese Einrichtungen verfügen für den Kauf historisch wertvoller Exponate meist nur über einen kleinen Etat. Eine sechsstellige Summe ist die Fielmann-Stiftung die Unterstützung jedes Jahr wert.

Samuel Ludwig Friedrich Welle (1760-1841)

Das Weller-Gemälde entdeckte Jürgen Ostwald beim Besuch eines ihm bekannten Kunsthändlers in Kiel. Der hatte es auf einer Auktion in Niedersachsen ersteigert. Beim Blick auf die Rückseite des Ölgemäldes fand der Kunsthistoriker eine handschriftliche Notiz, auf der unter anderem Malchow zu lesen war. Ostwald ließ sich auf den Kauf ein, weil er das Bild dem Kunstmuseum Malchow in Mecklenburg-Vorpommern schenken wollte. Erst im Nachhinein stellte sich das als Missverständnis heraus, weil das Bild einen Gutsbesitzer aus Malchow bei Berlin zeigt – jener Ortsteil, der heute zu Lichtenberg gehört. Und auch andere wichtige Informationen konnten aus der etwas verwaschenen Handschrift herausgelesen werden. Neben den Geburts- und Sterbedaten (1760-1841) steht dort auch der komplette Name (Samuel Ludwig Friedrich Welle) und etwas zum gesellschaftlichen Stand: „Gutsbesitzer in Malchow (königliche Domäne)“. Ostwald rief daraufhin im Frühjahr im Museum Lichtenberg an, um von dem Gemälde zu berichten. Bevor es in den Museumsbestand wechselte, ließ die Fielmann-Stiftung das Werk noch vom Grauschleier der vergangenen Jahrzehnte befreien und den vermutlich aus der Originalzeit stammenden Holzrahmen fachgerecht aufbereiten. „Jetzt glänzt es wieder wie früher“, sagt Jürgen Ostwald.

Einer der letzten Gutsherren von Malchow

„Das ist ein schönes, anschauliches Bild der Zeit“, sagt Museumsleiter Dr. Thomas Thiele. Er schätzt dessen Entstehung auf etwa 1830. Allerdings hat das geschenkte Werk auch die Neugier der Heimathistoriker ausgelöst. Denn der Name Welle tauchte bislang in keinem Papier zur Geschichte Malchows auf. Viele Exponate fielen den Wirren des Zweiten Weltkriegs zum Opfer, andere verblieben in Privathaushalten. Inzwischen wissen Thiele und Moldt jedoch, dass Welle einer der letzten Gutsherren von Malchow war, bevor das Gut Malchow Ende des 19. Jahrhunderts an die Stadt Berlin fiel. Weitere Recherchen stehen aus.

Andrea Jokiel, die Leiterin der Fielmann-Filiale im Linden-Center, ist ganz begeistert, dass ihr Unternehmen nun auch etwas zur Geschichtsforschung in Lichtenberg beitragen kann. „Wir engagieren uns ja bereits vielfältig in der Region“, berichtet sie – dazu gehört das Sponsoring des Wartenberger SV und des Weißenseer SV ebenso wie Projekte mit der Verkehrswacht für Grundschüler. Erst im vergangenen Jahr wurden auf Jokiels Initiative hin zwei Bäume an das Berliner Tierheim gespendet.

Gemälde bekommt besonderen Platz

Das Weller-Gemälde wird nicht im Depot des Museums Lichtenberg verschwinden, sondern bekommt für alle sichtbar einen festen Platz. Im Zuge der Neukonzeption des Hauses in der Türrschmidtstraße ist ein Ausstellungsraum geplant, in dem an bekannte und weniger bekannte Persönlichkeiten aus dem Bezirk erinnert werden soll. Weller findet sich dann zwischen Heinrich Zille und Marie Elisabeth von Humboldt (Mutter der Gelehrtenbrüder) wieder. Und auch die Fielmann-Stiftung will das Museum weiter unterstützen. Jürgen Ostwald hat bereits zugesagt, ein Gemälde von Karl August von Hardenberg (1750-1822), dem einstigen preußischen Außenminister, zu besorgen. Dieser war von 1804 bis 1814 Besitzer des Gutes Lichtenberg.


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