Neue Ausstellung im Bezirksmuseum

Menschen, die Geschichte machten

08.09.2015, Linna Schererz

Foto: Linna Schererz

Marzahn. Zwar liegt die Gründung des Bezirks Marzahn gerade einmal 36 Jahre zurück (29 Jahre Bezirk Hellersdorf, seit 2001 Marzahn-Hellersdorf). Doch in den 10.000 Jahren der Besiedlung des Gebietes gab es viele Menschen, die in den einstigen Dörfern – Mahlsdorf, Kaulsdorf, Hellersdorf, Marzahn und Biesdorf – ihre Spuren hinterließen. Mit einer neuen Ausstellung des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf soll einigen von ihnen gedacht werden. Die Exposition „MenschenLeben“ im Haus 1 des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf wird am Freitag, 11. September, eröffnet. Die Porträts mit Fotos und Texten sind bis zum 2. Oktober 2016 dort zu sehen.

Bedeutendster Kanzler der Mark Brandenburg
Vorgestellt werden unter anderem Menschen aus dem Mittelalter, deren Biografie bekannt ist wie beispielsweise die von Lampert Distelmeyer und seinem Sohn Christian, die im 16./17. Jahrhundert über mehrere Jahre Mahlsdorf besaßen. Beide waren wichtige Hofbeamte, Lampert gilt sogar als bedeutendster brandenburgischer Kanzler seiner Zeit. Über die sogenannten „einfachen Leute“ aus den Dörfern gab es weniger Informationen in den Archiven. Dennoch können die Ausstellungsgestalter einige vorstellen – Carl und Julius Bausdorf beispielsweise, die im Kaulsdorfer Dorfkern im 19./20. Jahrhundert einen Lebensmittelladen betrieben. Aber auch an Pfarrer und Lehrer, Gastwirte, Hebammen, Schmiede und Müller aus den fünf Dörfern wird erinnert.

Das Sandmännchen und sein Vater
Die meisten Porträtierten lebten jedoch im 20. Jahrhundert. Um die Jahrhundertwende veränderten sich die Dörfer durch massenhaften Zuzug. Auch prominente Künstler  wie der Schriftsteller Ludwig Renn, der Schauspieler Eduard von Winterstein und die Illustratorin Ingeborg Meyer-Rey zogen nun an den Stadtrand. Das Sandmännchen, das den Kindern jeden Abend seinen Abendgruß im Fernsehen bringt, ist Millionen Menschen bekannt. Nicht jeder aber weiß, dass sein Schöpfer Gerhard Behrendt in Mahlsdorf lebte, wo am Hultschiner Damm über lange Zeit auch das Sandmännchenstudio ansässig war. Und Charlotte von Mahlsdorf richtete im ehemaligen Gutshaus Mahlsdorf ihr bekanntes Gründerzeitmuseum ein, das heute international bekannt ist. Unternehmer und Betriebsleiter, die viele Jahre lang das wirtschaftliche Leben des Bezirks prägten, wie Frieda Hirsekorn, Sergei A. Schilkin und Fred Dellheim werden ebenfalls vorgestellt, ebenso die Architekten Hermann Blankenstein, Paul Tarruhn und Günter Peters. Gedacht wird auch Widerstandskämpfern gegen das NS-Regime, die ihr Engagement wie der Optiker Arthur Weisbrodt mit ihrem Leben bezahlten. Andere halfen wie Pfarrer Heinrich Grüber Juden bei der Emigration oder versteckten sie in ihren Wohnungen wie Elsa Ledetsch und Gisela Reissenberger, die in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt werden – als einzige Bürger aus Marzahn-Hellersdorf.

Mehr als 60 Personen aus allen Ortsteilen, die zu unterschiedlichen Zeiten die Geschichte des Bezirks geprägt haben, werden vorgestellt. Vielfach wurde die Ausstellung von Familienangehörigen unterstützt, die persönliche Objekte und bisher unbekannte und unveröffentlichte Fotos der Porträtierten beigesteuert haben.

Die Ausstellung „MenschenLeben“ wird am Freitag, 11. September, um 16 Uhr im Haus 1 des Bezirksmuseums, Alt-Marzahn 51, feierlich eröffnet. Bereits am Mittwoch, 9. September, findet dort um 18 Uhr ein begleitender Vortrag „Franz Carl Achard und Kaulsdorf“ statt, am  Mittwoch, 14. Oktober,  der Vortrag mit Lesung „Erich Knauf ‚Der unbekannte Zille’“. Beide Veranstaltungen gehören zur Reihe „Marzahn-Hellersdorfer Gespräche zur Geschichte“. Eintritt frei.

 

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