Bäcker in vierter Generation

Meister der Goldenen Brezel

02.01.2014, Andrea Scheuring

Foto: Andrea Scheuring

Alt-Hohenschönhausen. Matthias Rauch sieht ein wenig müde aus. Ob das am Stress der vergangenen Vorweihnachtszeit liegt oder einfach daran, dass er wie an jedem Arbeitstag um Mitternacht aufgestanden ist, lässt sich nicht genau sagen. Geschäftig steht er in der hinteren Backstube am Steinofen und schaut nach den Kastenbroten. Auf insgesamt 12,5 Quadratmetern Backfläche erblicken hier jeden Tag bis zu 150 Brote und 1.000 Semmeln und Schrippen das Licht der Welt. Der Duft von frischem Brot und feinem Gebäck zieht durch alle Räume und bleibt einer Glocke gleich über dem Ladentresen hängen.

Dort stellt Verkäuferin Christiane Stein – eine von drei Kolleginnen – gerade belegte Brötchen für die Kunden zusammen. Heute Morgen sind es vor allem Bauarbeiter, die seit geraumer Zeit in den benachbarten „Sandino Hofgärten“ nahe der alten Zuckerwarenfabrik am Werkeln sind. Die Mittdreißigerin, die schon seit 1997 in der Bäckerei Rauch arbeitet, ist besonders von der familiären Atmosphäre im Geschäft angetan. Diese weiß auch die Stammkundschaft zu schätzen, zu der neben Jugendlichen aus der gegenüber liegenden Schule, Arbeitern und jungen Müttern mit Kindern auch viele ältere Leute aus der Umgebung gehören. „Ich kaufe schon seit 13 Jahren in der Bäckerei Rauch ein, am liebsten Vollkornbrot und Kuchen“, erzählt Rentnerin Marianne Geiß, die in der Nähe wohnt. „Man wird hier gut beraten und erfährt auch, was in den einzelnen Produkten enthalten ist.“

1927 eröffnet
Kundenfreundlichkeit und Qualitätsarbeit bilden in der Bäckerei Rauch seit nunmehr vier Generationen die Grundlage einer Erfolgsgeschichte. Bereits 1927 wurde der Traditionsbetrieb von Matthias Rauchs Urgroßvater in der Berliner Allee 77, der heutigen Konrad-Wolf-Straße, eröffnet. Später wurde das Geschäft jeweils vom Vater an den Sohn weitergegeben. Seit 1949 befindet sich die Bäckerei in der Sandinostraße 14 (ehemals Lüderitzstraße). Auch Bäckermeister Matthias Rauch lernte Anfang der 90er Jahre in der Bäckerei der Eltern seinen Beruf. 2009 übernahm er selbst das Geschäft. Anfangs hatte er noch überlegt, Kraftfahrer zu werden und einen Reisebus durch ferne Länder zu steuern, entschied sich dann aber doch, in den Familienbetrieb einzusteigen. So geht der 38-Jährige, der mit Leib und Seele Bäcker ist, heute eher kulinarisch auf Reisen. Denn der Beruf bringt auch Nachteile mit sich. „Ich darf nie krank werden und in den Urlaub fahren kann ich auch nicht”, so Matthias Rauch. Um ein bisschen mehr Freizeit zu haben, wird ihn – neben einer neu eingestellten Konditorin – bald auch ein weiterer Bäckermeister entlasten.

Ausgezeichnet von der Innung
Die Produktpalette in der Bäckerei Rauch ist ebenso vielfältig wie lecker. Sie reicht von Misch-, Roggen- und Körnerbroten über die unterschiedlichsten Brötchen bis hin zu Gebäck, Pralinen, Kuchen, Torten und Petit Fours. Die verwendeten Zutaten kommen aus der Region, u.a. von der Spreewaldmühle. Einen Teil der Arbeit übernehmen moderne Backgeräte wie etwa eine Knetmaschine oder eine computergesteuerte Gährmaschine für den Teig. „Mit den Preisen der großen Ketten können wir als kleine Bäckerei natürlich nicht mithalten“, erklärt Matthias Rauch, „deshalb ist die Originalität unserer Bäckerei und die Qualität und Frische unserer Produkte das Entscheidende.“ Nicht zuletzt deshalb wurde dem Familienbetrieb auch das Qualitätssiegel „Goldene Brezel’ verliehen. Die Bäckerinnung Berlin zeichnet damit Geschäfte für „überdurchschnittliche  Qualität und Beratung“ aus.

Gerne würde Bäckermeister Rauch im kommenden Jahr auch einen Lehrling als Bäcker/in ausbilden. „Die Noten sind mir egal. Wichtig sind vielmehr Zuverlässigkeit und Spaß am Beruf. Das sollte jemand unbedingt mitbringen, der Bäcker oder Bäckerin werden will“, sagt Matthias Rauch.

 

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