Lang hat es gedauert, aber jetzt ist das Bezirksmuseum komplett

Mehr Platz für Ausstellungen

29.11.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Bilder zeigen Trabis, die im Schlamm stehen, riesige Rohre liegen auf dem Boden, die Häuser sind von niemandem mit sauberen Schuhen zu erreichen. Dennoch gibt es Grund zum Feiern, beispielsweise beim Bezirksfest Marzahner Frühling. Denn für viele Menschen, die in den Plattenbauten ihr neues Heim gefunden hatten, war ein Traum wahr geworden: Endlich eine für damalige Verhältnisse komfortable Wohnung. Bei vielen Gästen, die am Freitagnachmittag, 28. November, zur Eröffnung des Obergeschosses im Haus 2 des Bezirksmuseums kamen, wurden beim Betrachten der Fotos und Exponate Erinnerungen wach. Auch Gerd Cyske, erster Bürgermeister von Marzahn, war unter den Eingeladenen und unterhielt sich angeregt.

Stadträtin: Geschichtsbewusstsein entwickeln
In der neuen Museumsetage wird der zweite Abschnitt der bezirksgeschichtlichen Dauerausstellung unter dem Titel „Marzahn-Hellersdorf. Bezirk und Großsiedlungen“ gezeigt. Daneben sind in einer Sonderschau derzeit Fotos von Jürgen Nagel, der zehn Jahre lang den Aufbau der neuen Wohngebiete in Marzahn-Hellersdorf dokumentierte, zu sehen. Weitere Sonder-Expositionen sollen folgen.

Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) wies darauf hin, wie wichtig es ist, dass im Bezirksmuseum nicht nur Exponate gesammelt, archiviert und gezeigt -, sondern auch geschichtliche Erfahrungen weitergegeben werden: „Gerade die Aufmärsche, die gegenwärtig in Marzahn stattfinden, machen die Bedeutung der Entwicklung von Geschichtsbewusstsein deutlich.“ Damit spielte Witt auf die Demonstrationen von Rechtsextremisten und sogenannter „besorgter Bürger“ gegen ein geplantes Flüchtlingsheim in Marzahn an. Das Bezirksmuseum unter Leitung von Dorothee Iffland arbeitet schon lange mit Kindern und Jugendlichen, jetzt hat es in der zweiten Etage von Haus 2 auch neue Räume für die Museumspädagogik bekommen. Mit verschiedenen altersgerechten Projekten wird dort Schulklassen und Kitagruppen die Geschichte ihres Heimatbezirkes nahegebracht.

Im 35. Gründungsjahr
Die Neueröffnung findet im 35. Jahr nach der Gründung des Bezirkes Marzahn statt, das seit Januar begangen wird. Der Bezirk, dessen Territorium vorher zu Lichtenberg gehörte, wurde am 5. Januar 1979 gegründet. Doch schon 1975 hatten an der Marchwitzastraße die Tiefbauarbeiten für neue Häuser begonnen, zwei Jahre später zogen die ersten Mieter in das erste Wohngebiet. Mehr als 100.000 Wohnungen in Plattenbauweise wurden in den Großsiedlungen Marzahn und Hellersdorf bis 1990 errichtet. Mittlerweile sind die meisten Plattenbauten saniert, neue Wohnungen entstanden vor allem als Eigenheime in den ehemaligen Dörfern Biesdorf, Kaulsdorf und Mahlsdorf.

Ein langwieriger Prozess
Das Bezirksmuseum, dessen Haupthaus sich in der früheren Schule auf dem Dorfanger in Alt-Marzahn 51 befindet, besitzt nun eine komplette Dependance in der früheren Heinz-Lüdecke-Bibliothek in Alt-Marzahn 55. Die ehemalige Scheune, die in den 1980er-Jahren wie viele andere Gebäude im alten Dorf saniert worden war, sollte bald nach der Bibliotheksschließung für das Museum genutzt werden. Denn dieses hatte schon lange Platzmangel. Bereits 2008 beschloss das Bezirksamt die künftige museale Widmung des Bücherhauses. Weil das Geld für die Umbauarbeiten nicht auf einen Schlag zur Verfügung stand, realisierte man das Projekt nur schrittweise. Im Sommer 2012 wurde das Erdgeschoss eröffnet, wo sich der erste Teil der Dauerausstellung befindet, der sich mit der Zeit der Ur- und Frühgeschichte bis 1970 befasst. Seit Freitag können nun im Obergeschoss auch Dokumente, Fotos und andere Exponate der vergangenen mehr als 40 Jahre betrachtet werden.

Im Haupthaus auf dem Dorfanger finden weiterhin Sonderausstellungen zu verschiedenen Themen der Bezirksgeschichte statt, nach Absprache können Interessenten dort ebenfalls das regionalgeschichtliche Archiv nutzen.

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf: Haus 1 Alt-Marzahn 51, Haus 2 Alt-Marzahn 55, geöffnet Mo–Fr 10–17 Uhr, So 11–17 Uhr.

 

 

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