Made in Marzahn: Präzisionsmaschinen von Finetech

Passgenaue Entwicklung

11.11.2019, Angelika Giorgis

Fotos: Finetech

Marzahn. Elektronische Bauelemente müssen mit extrem hoher Präzision zueinander ausgerichtet und miteinander verbunden werden. Dafür entwickelt Finetech die Geräte. Wenn man hier von extrem hoch spricht, dann sind das 0,3 Mikrometer (µm). Zum Vergleich: Ein menschliches Haar hat einen Durchmesser von etwa 50 bis 70 µm, ein Sandkorn von rund 90 µm.

Patent aus 80-ern weiterentwickelt

Die Basis für diese Genauigkeit ist ein Patent, das bereits Ende der 80er-Jahre im Institut für Nachrichtentechnik in Berlin-Oberschöneweide entwickelt wurde. Es geht um das Prinzip des Ausrichtens und Platzierens einer Komponente zu einem Substrat. Nach der Wende ging es an die Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) über, die es aber nicht gebrauchen konnte. So kauften es drei ehemalige Mitarbeiter des Instituts auf und entwickelten es weiter. Zunächst in einer Berliner Mietwohnung.

Ihr erstes Platziergerät nannten sie FINEPLACER®. Das war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. In der Mikromontage wuchsen schon Anfang der 1990er-Jahre die Anforderungen an die Genauigkeit auf wenigstens fünf Mikrometer. Bereits Mitte der 90er konnte Finetech mit dem FINEPLACER® lambda einen „Die Bonder“ vorstellen, der Mikrochips mit einer Genauigkeit von mehr als 1 µm platzieren konnte.

Seit 2015 Firmensitz an Boxberger Straße

Im Jahr 1998 verkauften ihre Gründer Finetech an die Baumann GmbH in Amberg, die kompetent beim Einsatz von Robotertechnologie in der Automatisierung ist. Daraus ergaben sich für den Betrieb neue finanzielle Möglichkeiten. Bald darauf zog die Firma in den Gewerbepark an der Wolfener Straße in Marzahn. Im Jahr 2000 wurde eine Dresdner Firma gekauft und damit zusätzliche Kompetenz in der Automatisierung erworben. Heute befindet sich in Dresden ein Standort für Entwicklung und Prototypenbau. 2015 zog Finetech dann in ein eigenes Gebäude an der Boxberger Straße, das seitdem der Hauptsitz der Firma ist. „Marzahn hat eine günstige Lage und ist gut mit der S-Bahn zu erreichen. Man braucht nur etwa eine Stunde bis zum Flughafen und ist schnell auf der Autobahn“, erklärt Daniel Staubach, Leiter Marketing Communications. Das ist wichtig, denn mittlerweile gibt es eigene Niederlassungen auf drei Kontinenten und ein weltumspannendes Netzwerk von 32 Repräsentanten in mehr als 40 Ländern.

Auch für Luft- und Raumfahrt

Die Maschinen von Finetech werden sowohl in Entwicklungslaboren als auch in der industriellen Produktion eingesetzt. Um die Kunden über die Entwicklungsphase hinaus zu begleiten und ihnen die Überführung ihrer Prozesse in die Produktion zu ermöglichen, baut Finetech verstärkt den Bereich der automatisierten Bondsysteme aus.

Bedient werden unter anderem Unternehmen aus der Daten- und Telekommunikation, der Medizintechnik, der Luft- und Raumfahrt sowie dem Automobilbau. Auch in der universitären Forschung weiß man die Genauigkeit der Maschinen zu schätzen. Kunden von Finetech entwickeln beispielsweise die Datennetze von morgen, neuartiges Laserlicht für Autos, kraftvolle Schneidlaser für die Metallbearbeitung oder modernste Sensortechnologie für das Feld der erneuerbaren Energien.

Mehr als Hälfte der Beschäftigten mit akademischem Abschluss

„Die Konstruktion, die Software-Entwicklung und die Montage erfolgt in Marzahn, die Fertigungstiefe des Unternehmens ist sehr hoch“, berichtet Tobias Gleichmann, Manager Marketing Communications. Viele der 160 Mitarbeiter kommen aus Berlin oder dem Umland. Einer reist sogar täglich aus Frankfurt/Oder an, wo einst der größte Produzent von Mikroelektronik der DDR seinen Sitz hatte. Mehr als 50 Prozent der Angestellten besitzen einen akademischen Abschluss. Der Frauenanteil im Betrieb wächst. Und es werden immer gut ausgebildete Fachkräfte gesucht, so vor allem Software-Entwickler mit Delphi-Kenntnissen, aber auch Ingenieure und Mikrotechnologen, Maschinenbauer, Mechatroniker, Mikrosystemtechniker, Automatisierungstechniker sowie Industrie- und Zerspanungsmechaniker.

Finetech bildet in vielen Bereichen auch eigene Mitarbeiter aus. In diesem Jahr konnten alle Lehrstellen besetzt werden. Viele Lehrlinge kommen aus der direkten Umgebung der Firma.

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