Bezirksamt stellt Kindertagesstätten-Entwicklungsplan 2018 vor

Mangel trotz hoher Steigerung

09.10.2018, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Per 30. Juni 2018 gab es im Bezirk 15.207 Kitaplätze mit Betriebserlaubnis. Das sind 434 Plätze mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Tatsächlich angeboten werden konnten davon aber nur 318 zusätzliche Plätze, denn es besteht ein Mangel an Kita-Erzieherinnen und Erziehern. Insgesamt können in Lichtenberg etwa 1.000 vorhandene Kita-Plätze wegen zu weniger Fachkräfte nicht belegt werden (LiMa+ berichtete). Dennoch: Im Jahr 2012 wurden nur 11.565 Kitaplätze gezählt. Die Anzahl ist seitdem um 30 Prozent gestiegen.

Seit 2009 schreibt der Bezirk den Lichtenberger Kindertagesstätten-Entwicklungsplan (KEP) jährlich fort. Er bildet die Entwicklungen im Bereich der vorschulischen Kindertagesbetreuung ab. Neben der Darstellung der Ist-Situation werden Prognosen und Maßnahmen für die folgenden Jahre erstellt. Den KEP für 2018 hat das Bezirksamt kürzlich beschlossen.

Über 3.700 neue Kitaplätze anvisiert

Das Bezirksamt, die Kita-Träger und der Senat seien, trotz aller Probleme, sehr erfolgreich bei der Schaffung neuer Kitaplätze, erklärt der Leiter des Jugendamtes, Rainer Zeddies. Klar, die derzeitige Zahl an Plätzen reiche noch nicht aus. „Zum Ende dieses Jahres fehlen rechnerisch 1.770 Kitaplätze“, so der Jugendamtsleiter. Ein Grund dafür sei auch die dynamische Entwicklung der Einwohnerzahlen.

Wie Familien- und Jugendstadträtin Katrin Framke (parteilos für Die Linke) in einer Pressemitteilung informiert, sind deshalb weitere 3.703 Kitaplätze in den nächsten drei bis sechs Jahren geplant. Davon 1.885 in Lichtenberg und 1.818 in Hohenschönhausen. „111 Millionen Euro werden dafür vom Bezirk, vom Land und von Trägern investiert“, sagt Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke). Die Schaffung eines neuen Kitaplatzes koste rund 30.000 Euro. Rainer Zeddies ergänzt, dass die Grundlage der Planungen nicht die aktuellen Anmeldungen für einen Kitaplatz seien. Denn viele Eltern meldeten ihren Bedarf mehrfach an. Deshalb errechne man den Bedarf anhand der vom Bezirk überarbeiteten Bevölkerungsprognose des Berliner Senats. In Lichtenberg gab es per 31. Dezember 2017 insgesamt 21.319 Kinder unter 7 Jahren. Das sind 923 Vorschulkinder mehr als vom Senat prognostiziert.

Bessere Bezahlung könnte Erzieherinnen-Mangel entgegenwirken

Man gehe davon aus, dass für 75 Prozent der Kinder im Alter unter sieben Jahre, ein Kitaplatz beantragt werde. Derzeit seien 57 Kita-Baumaßnahmen in der Planung. Auch wenn der Bürgermeister die Schaffung neuer Kita-Plätze zur Chefsache erklärt hat, „tritt der Bezirk größtenteils doch nur koordinierend auf“, so Rainer Zeddies. „Denn – außer beim Kita-Eigenbetrieb – sind die freien Träger die Bauherren.“

Was die Erzieherinnen und Erzieher betrifft, will das Bezirksamt seinen Einfluss beim Senat geltend machen, damit erstens mehr ausgebildet werden, zweitens eine bessere Bezahlung nach Tarif erfolgt und drittens die Zugangsvoraussetzungen für den Beruf gesenkt werden.

Nach Auskunft des Eigenbetriebs Kindergärten NordOst gibt es laut Tarif-Vertrag des Landes für Erzieherinnen im Berufseinstieg ein Bruttogehalt von 2.583,21 Euro mit Steigerungsstufen nach der Berufserfahrung bis auf 3.279,70 Euro. Hinzu kämen jeweils eine Entgeltgruppenzulage in Höhe von 81,88 Euro brutto.

Ob die freien Träger ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nach Tarif bezahlten und wie sie behandelt würden, darüber gebe es keine gesicherten Erkenntnisse. „Wir sehen nur, dass es dem einen Träger leichter fällt, neues Personal zu bekommen und anderen halt nicht“, sagt der Jugendamtsleiter. “Wir sind mit vielen Eltern in Kontakt, denn es gibt kein Patentrezept dafür, dass am Ende jedes Kind auch den passenden Kitaplatz bekommt.”

SPD-Fraktionsvorsitzender sagt: „Der Mangel ist weiter gestiegen.“

Den SPD-Fraktionsvorsitzenden in der Lichtenberger BVV, Kevin Hönicke, stellen die Zahlen im KEP nicht zufrieden: „Die 3.700 neuen Plätze sind überhaupt nicht gesichert“, teilte er dem Bezirks Journal Lichtenberg mit. „Von den meisten Planungen sind noch nicht mal Bauanträge gestellt bzw. genaue Planungen terminiert.“ Hier sei man also meist im Bereich der Wünsche, anstelle der verlässlichen Planung, so Hönicke.

Die Betreuungsquote wäre im Vergleich zum letzten Jahr weiter gesunken. Während der Bedarf an Plätzen im Jahr 2017 um 500 Plätze gestiegen sei, hätten gerade mal rund 370 Plätze neu belegt werden können. „Der Mangel aus dem letzten Jahr ist also noch weiter gestiegen“, erklärt der Fraktionsvorsitzende. „Also, anstatt nur das Land in die Pflicht zu nehmen, sollte der Bezirk seine Hausaufgaben erledigen, bevor er auf andere zeigt“, sagt Kevin Hönicke (Senatorin für Bildung, Jugend und Familie ist Sandra Scheeres, SPD). Hönicke möchte “die gewaltigen Anstrengungen, von denen im KEP die Rede ist, vom Bezirksamt näher erörtert bekommen.”

Auf der Bezirksverordnetenversammlung am Donnerstag, 18. Oktober, soll der KEP den Verordneten zur Kenntnis gegeben werden. Hier die PDF.

 

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