Personalmangel im Bezirksamt

Die Verwaltung gerät ins Stocken

13.02.2020, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (1, 3-5), Volkmar Eltzel (2). Zum vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf. Das Bezirksamt leidet zunehmend unter dem Mangel an Fachkräften: Weil wichtige Stellen nicht besetzt sind, verzögern sich unter anderem zahlreiche kommunale Bauvorhaben. Hinzu kommt ein hoher Krankenstand in der Bezirksverwaltung. Aktuell sind 335 freie Stellen unbesetzt. Es fehlt an Bauleitern, Fachärzten, aber auch Sachbearbeitern und Sekretärinnen.

Termine geplanter Bauprojekte ungewiss

Das Dach des Nachbarschafts- und Familienzentrums „Kiek In“ an der Rosenbecker Straße müsste dringend saniert werden. Doch die lang geplanten Arbeiten werden sich verzögern. Derzeit fehlt es im Bereich Facility-Management schlichtweg an Personal. Die Abteilung ist im Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf für alle Bezirksgebäude zuständig, kümmert sich um Reparaturen, die Reinigung oder eben um anstehende Sanierungsarbeiten. „Wir können die für die Dachsanierung erforderlichen Bauplanungsunterlagen nicht erstellen“, räumt die dafür zuständige Bezirksstadträtin Juliane Witt (Die Linke) ein. Und es ist längst nicht das einzige Bauprojekt, das sich seit Jahren hinzieht. Wie LiMa+ erfuhr, ist derzeit bei 26 Bauvorhaben ungewiss, wann sie umgesetzt werden. Also werden die eingeplanten Mittel anderweitig verwendet.

Verzweifelte Suche nach neuen Mitarbeitern

Der Mangel an Fachkräften trifft das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf mit voller Wucht. Zwar werden bis Ende der Wahlperiode im Jahr 2021 mehr als 1.850 Beschäftigte für die öffentliche Verwaltung arbeiten – und damit 250 mehr als im vergangenen Jahr. Doch es fehlt überall an Personal. „Berlinweit sind wir der Bezirk mit dem höchsten Durchschnittsalter der Beschäftigten“, sagt Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Die Linke). Allein im vergangenen Jahr seien 201 Beschäftigte aus dem Dienst geschieden – die meisten von ihnen, weil sie das Rentenalter erreicht haben. Pohle spricht von einer „hohen altersbedingten Fluktuation“. Aktuell werden für 335 freie Posten neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht. Die Rathaus-Chefin berichtet davon, dass allein für die demnächst vakante Leitungsposition im Gesundheitsamt keine einzige Bewerbung eingegangen ist. Und ihre Kollegin Juliane Witt sucht seit Monaten verzweifelt nach einer neuen Sekretärin. Im Jugendamt und im Amt für Soziales fehlt es an Sozialarbeitern. Und die Tiefbauabteilung, welche unter anderem den Straßenbau verantwortet, ist nur zur Hälfte besetzt. „Im Moment schaffen wir noch alles, auch dank unserer beiden sehr engagierten Bezirks-Ingenieure“, sagt Nadja Zivkovic (CDU), Bezirksstadträtin für Wirtschaft, Straßen und Grünflächen.

Lange Wartezeiten

Doch in anderen Abteilungen sind die Auswirkungen bereits zu spüren. So kommt es im Gesundheitsamt zu langen Wartezeiten, weil Arztstellen nicht besetzt sind. Das wirkt sich unter anderem auf die Anfertigung psychiatrischer Gutachten aus. Auch ein Facharzt, der die Hygiene in Arztpraxen kontrollieren soll, ist derzeit nicht zu finden.

Wirtschaft bietet bessere Konditionen

Das Problem: Früher galt eine Anstellung im Bezirksamt als sichere Bank. Doch längst konkurriert die öffentliche Verwaltung mit anderen Arbeitgebern, beispielsweise in der freien Wirtschaft. Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle hat selbst erlebt, dass Mediziner kurz vor ihrer Einstellung im Bezirksamt einen Rückzieher machten, weil sie in Krankenhäusern bis zu 1.000 Euro und mehr im Monat verdienen. Manche Stellen werden immer wieder ausgeschrieben – oftmals ohne Erfolg. Und wäre es nicht schon schlimm genug, dass es überall einen Mangel an Fachkräften gibt, kommen schlechte Rahmenbedingungen in Sachen Einstellungsvoraussetzungen und Besoldung hinzu. So fangen viele externe Angestellte zunächst in unteren Lohngruppen an, weil sie keine Verwaltungserfahrung besitzen. Und oft reiche ein Bachelorstudium nicht aus, um die Kriterien des Landes Berlin zu erfüllen, wie Dagmar Pohle sagt. Immerhin hat sich das Land bereits in Sachen Mediziner bewegt und sich mit den Beschäftigtenvertretungen auf außertarifliche Besoldungen verständigt. Ähnliches muss auch bei anderen Fachkräften wie Ingenieuren möglich sein, heißt es unisono aus dem Bezirksamt.

Bezirk tritt auf die Bremse

Bis dahin aber muss der Bezirk sein Tempo bei eigenen Bauprojekten drosseln. So wird sich die dringend notwendige Sanierung des Hauses der Befreiung an der Landsberger Allee 563 verzögern. Keine personellen Ressourcen hat der Bezirk zudem für den Neubau der Wildvogelstation des Nabu in der Straße Zum Forsthaus. Auch dieses Projekt bleibt zunächst nur ein Vorhaben auf dem Papier.

Offene Stellen sind übrigens im Internet zu finden: www.berlin.de/ba-marzahn-hellersdorf/karriere Dort heißt es in einem dreieinhalb minütigen Video: „Das Bezirksamt bietet beste berufliche Aussichten“.


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Leserkommentare

  1. Lange Bewerbungsverfahren
  2. Wenn Auswahlverfahren 5 Monate und länger dauern, ist es kein Wunder, dass sich die Stellen nicht besetzen lassen.

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