Studie zu möglichen Standorten für Freibad – CDU prescht vor

Park, Brache oder See?

24.02.2020, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Ja, ist denn schon Wahlkampf? Das Vorpreschen der CDU bei der Auswahl eines möglichen Standortes für ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf hat die drei anderen demokratischen Fraktionen im Bezirksparlament verärgert. Kritisiert wird der Kreisvorsitzende der CDU Wuhletal, der in Mahlsdorf/Kaulsdorf direkt gewählte Abgeordnete Mario Czaja. Denn dieser hat durch eine Veröffentlichung am Freitag, 14. Februar, der offiziellen Präsentation einer Machbarkeitsstudie durch den zuständigen Stadtrat Gordon Lemm (SPD) am Montag, 17. Februar, vorgegriffen. Inzwischen lässt auch der CDU-Fraktionsvorsitzende in der BVV, Alexander J. Herrmann, per Facebook im Internet Bürger über die Standorte abstimmen. In einer gemeinsamen Pressemitteilung bemängeln das die Vertreter von SPD (Klaus Mätz), Bündnisgrünen (Nickel von Neumann) und Linke (Bjoern Tielebein) in der „AG Freibad“. Sie werfen den Christdemokraten vor, so die gemeinsame Arbeit von Bezirksamt und BVV zu untergraben.

Zuerst waren es 20 Vorschläge

Denn erstmals hatten sich in dieser Legislaturperiode alle in der BVV vertretenen Parteien zusammengeschlossen, um gemeinsam einen geeigneten Standort für ein Freibad auszuloten, LiMa+ berichtete. Die „AG Freibad“ wurde eigens dafür gegründet, insgesamt 20 Standortvorschläge zusammengetragen. Sieben davon kamen in eine engere Prüfung. Für die Machbarkeitsstudie, deren Ergebnisse das beauftragte Büro Topos am Montag vorgestellt hat, flossen aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung 100.000 Euro.

Zwei Standorte geeignet, ein dritter als Ergänzung

Laut Topos erweisen sich zwei Standorte (Jelena-Santic-Friedenspark und eine Brachfläche am Biesdorfer Friedhofsweg) sowohl als geeignet für Freibad als auch für ein sogenanntes Kombibad, also einer Halle mit Außenbereich für den Sommer. Auf dem Biesdorfer Baggersee sei ein Badeschiff, ähnlich dem an der „Arena“ in Treptow, denkbar. Alle Standorte sind verkehrstechnisch günstig gelegen. Der Jelena-Santic-Friedenspark liegt nahe der U-Bahnstation Kienberg – Gärten der Welt, dort verkehren auch (noch) die Seilbahn und Busse. Auch der Biesdorfer Baggersee befindet sich in U-Bahnnähe (Biesdorf-Süd). Allerdings hat ein Badeschiff am Baggersee, das sowieso nur als Ergänzung dienen könnte, großes Konfliktpotenzial wegen Lärmbelastung des angrenzenden Eigenheimgebietes. Im Jelena-Santic-Friedenspark gibt es dazu noch Probleme mit dem Landschaft- bzw. Grünanlagenschutz.

Ziel: Einigung bis zur Sommerpause

Nach der bislang geltenden Verabredung, so Bjoern Tielebein, Fraktionsvorsitzender der Linken, sollte bis zur Sommerpause die Einigung auf einen Standort gelungen sein. Und dann ein entsprechender BVV-Beschluss gefasst werden. „Diesen gemeinsamen Standort vertritt der Bezirk dann gegenüber dem Senat.“ Die Vertreter von SPD, Bündnisgrünen und Linken forderten die CDU auf, sich der gemeinsamen Arbeit wieder anzuschließen „und auf kontraproduktive Alleingänge zu verzichten“.

Lehre aus der Vergangenheit

Denn eine Lehre der vergangenen Jahre müsste sein, dass uneinheitliches Vorgehen nicht gerade hilfreich wirkt: Während die Linke lange an einem einst geplanten Freibad am Elsensee festhielt, hatte die SPD zunächst für die Wiedereröffnung des 2002 geschlossenen Wernerbads gekämpft. Dann brachte der damalige Bürgermeister Stefan Komoß (SPD) ein Kombibad der Berliner Bäderbetriebe als Wunsch ins Spiel, das am Rande des Tierparks zwischen Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg entstehen sollte. Denn für ein Freibad hatte sich nach einer ersten Machbarkeitsstudie im Jahr 2013 keine Fläche finden lassen. Doch auch der Wunsch nach einem Kombibad für den Bezirk blieb unerfüllt. Der damalige Sportsenator Frank Henkel (CDU) wollte zwar vier neue Kombibäder errichten lassen, die ersten beiden sollen in Mariendorf und Pankow entstehen. Doch bisher sind auch sie noch nicht realisiert. Marzahn-Hellersdorf ging damals leer aus, obwohl der Bezirk der einzige in Berlin ohne Freibad ist.

CDU schreibt an Seehofer und Bundestag

Der Senat habe sich bisher „vor einer klaren Zusage von finanziellen Mitteln“ für den Bau eines Freibades gedrückt, schreibt Mario Czaja auf seiner Internetseite. Daher habe er gemeinsam mit dem Abgeordneten Christian Gräff (CDU), bis 2016 Stadtentwicklungs-und Wirtschaftsstadtrat in Marzahn-Hellersdorf, nun eine Initiative gestartet, „um durch den Bund Unterstützung für den Bau eines Freibades zu erhalten“. Beide wandten sich diesbezüglich mit einem Brief an Bundesinnenminister Seehofer, den Ost-Beauftragten der Bundesregierung sowie die Berichterstatter bzw. Sprecher der Ausschüsse für Inneres, Bau und Heimat sowie Haushalt. Eine entsprechende Pressemitteilung versandten der CDU-Kreisverband und die CDU-Fraktion in der BVV gemeinsam.
Tielebein dagegen sieht durchaus, dass der Bezirk „in vielen Fragen eine gute Unterstützung durch die Landesregierung erfährt, auch wenn manche politische Mitbewerber das gern anders darstellen“.

Abwarten, ob und wann aus Wunsch Realität wird

Bleibt also abzuwarten, welcher Standort für Frei- oder ein Kombibad auserkoren wird. Und ob (und auch wann) danach aus dem Wunsch Realität wird. Eins ist jedenfalls sicher: In diesem und bestimmt auch in den nächsten Sommern wird weiterhin nur in den Kaulsdorfer Seen (Trinkwasserschutzgebiet) und im Biesdorfer Bagersee (Regenrückhaltebecken) gebadet werden können.

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