Bezirk präsentiert neue Wandertouren

Lichtenberg sehen – und fühlen

11.09.2018, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding

Lichtenberg. Industriegeschichte hier, dörfliches Flair dort – keine Frage, Lichtenberg gehört zu den facettenreichen Bezirken Berlins. Nachdem das Bezirksamt gemeinsam mit dem Umweltbüro erfolgreich Wanderkarten herausgebracht hat, wird das Informationsangebot nun um drei interessante Broschüren unter dem Titel „Lichtenberg entdecken“ ergänzt. Darüber hinaus entstanden in Zusammenarbeit mit einem Beschäftigungsträger elf Wanderkarten für blinde Menschen beziehungsweise Menschen mit Sehbehinderungen.

Auf historischen Spuren

Auf historischen Spuren können die Nutzer der neuen Broschüren mit dem Titel „Lichtenberg entdecken“ wandeln. Das Team um Thomas Thiele, Leiter des Museums Lichtenberg, hat sehr praktische, informative, vor allem aber gut aufbereitete Touren durch den Bezirk zusammengestellt, die man sowohl mit dem Rad als auch zu Fuß absolvieren kann. Heft 1 nimmt Interessierte mit nach Hohenschönhausen in den Norden des Bezirks. Es geht zu kleinen Wohnsiedlungen, in den alten Dorfkern mit Gutshaus, Dorfschule und Kirche, aber auch zum Sportforum und Wohnanlagen, die in den 1930er-Jahren Schwung in die urbane Entwicklung der Stadt brachten. Heft 2 widmet sich dem alten Teil Lichtenbergs mit Rathaus, Sana-Klinikum, dem Industriegebiet Siegfriedstraße/ Herzbergstraße und den zahlreichen Kommunalbauten aus der Zeit, als Lichtenberg zur Großstadt heranwuchs. Im dritten Teil der Reihe steht Karlshorst im Fokus mit seinen Villen, der legendären Trabrennbahn und den Hinterlassenschaften aus Kaiserzeit, Nachkriegsära und DDR. Neben kurzen Texten liefern die Broschüren auch Angaben über die jeweiligen Kilometer zwischen den Sehenswürdigkeiten. In jeder Heftmitte ist zudem eine Karte mit allen Orten abgedruckt. „Insgesamt haben wir 60 Objekte dargestellt“, erklärt Museumsleiter Thomas Thiele. „Ein Angebot für Menschen, die Lichtenberg entdecken wollen.“ Pro Region sind zunächst 1.000 Exemplare gedruckt worden. Im Herbst sollen die Touren auch online gehen. Die Broschüren sind kostenlos unter anderem im Museum Lichtenberg, Türrschmidtstraße 24, erhältlich.

Wanderkarten für Blinde und Sehbehinderte

Allerdings kommt nicht jeder in den Genuss, solche Rad- und Wanderkarten zu nutzen – wie etwa die rund 2.000 Lichtenberger, die entweder gar nicht sehen können oder eine stark eingeschränkte Sehkraft haben. Im Rahmen eines Beschäftigungsprojekts mit dem sperrigen Titel „Taktile Orientierung Lichtenberg“ sind nun auch Wanderkarten erhältlich, die Blinden und Sehbehinderten Touren durch den Bezirk ermöglichen. Grundlage bilden die Wanderkarten vom Umweltbüro, die quasi übersetzt wurden: Über spezielle Verfahren erhielten die Klappkarten tastbare Informationen in Blindenschrift, auch Details wie Straßen, Parks oder Gewässer lassen sich mit den Fingern fühlen. Zwei Jahre dauerte die Umsetzung, wie Sarah Korup-Schulz von der Beschäftigungsgesellschaft Atina berichtet. Das Projekt erfüllte gleich einen doppelten Zweck: Zum einen erhielten sogenannte arbeitsmarktferne Menschen die Chance auf einen neuen Job. Zum anderen ist Lichtenberg auf seinem Weg zu einem inklusiven Bezirk einen Schritt weiter. Vom 1. Oktober an sollen die Karten zum Ausleihen unter anderem im Rathaus Lichtenberg erhältlich sein.

Mit Bürgermeister und Vize spazieren

Die Bewährungsprobe für die Wanderkarten steht am 13. September an: Dann laden Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Die Linke) und seine Stellvertreterin Birgit Monteiro (SPD) zu einem inklusiven Kiezspaziergang ein. Dieser startet um 13 Uhr im Rosengarten am Wasserturm, Waldowstraße 20, und führt durch den Oberseepark und zum Orankesee.

 

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