Aufstieg der I. Herrenfußballer stellt Verein vor Herausforderungen

Lichtenberg 47 vor großen Aufgaben

27.07.2019, Volkmar Eltzel

Fotos: Anne Gründer (1,4), Volkmar Eltzel (3,5), BA Lichtenberg (2). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Am heutigen Sonnabend, 27. Juli, starten um 13.30 Uhr die I. Herren Fußballer von Lichtenberg 47 auswärts im Vogtland gegen den VfB Auerbach in die neue Saison. In der Regionalliga! Schon am kommenden Mittwoch, 31. Juli, um 18 Uhr folgt das erste Heimdebüt gegen den FSV Optik Rathenow in der Howoge-Arena Hans-Zoschke-Stadion.

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Nachdem beim traditionsreichen Sportverein Lichtenberg 47 der große Mai-Jubel über den Aufstieg der Herren-Fußballmannschaft in die Regionalliga verklungen ist, wird den Fußballern, Funktionären und Fans die Größe der damit verbundenen Aufgaben wohl erst so richtig bewusst. Nicht nur fußballerisch.

„15.000 Euro Sicherheitsgebühr muss Lichtenberg 47 beim Nordostdeutschen Fußball-Verband (NOFV) hinterlegen. Und noch einmal 2.000 Euro, um überhaupt an der Spielklasse teilnehmen zu dürfen“, erklärt Geschäftsführer Henry Berthy.

Mit Oberliga-Etat in die Regionalliga

„Ob die Fußballmannschaft in der 4. Liga bestehen kann, hängt auch davon ab, ob es uns gelingt, die baulichen Voraussetzungen für Regionalliga-Spiele im Stadion Rusche-/ Normannenstraße zu schaffen“, sagt der Präsident des SV Lichtenberg 47, Dr. Andreas Prüfer. Man habe sich entschieden, mit dem Oberliga-Etat von bislang jährlich 240.000 Euro in die höhere Spielklasse zu starten. „Andere Mannschaften haben das Zehnfache.“

Vorher Flatterband – künftig Sicherheitszaun

Der NOFV hat strenge Richtlinien, was die Ausstattung der Spielstätten betrifft. Lichtenberg 47 hat ein Jahr „Schonfrist“ um die wesentlichen Sachen umzusetzen. Einiges muss schneller gehen. Eine wichtige Forderung ist, dass der Gästeblock vom Rest der Zuschauertribünen durch einen Sicherheitszaun getrennt sein muss. Der wird extra angefertigt und soll bis zum November 2019 stehen. Rechnete man dafür zunächst mit Kosten von 100.000 Euro, hat sich diese Summe inzwischen verdoppelt. Es gibt bestimmte Anforderungen an die Statik. „Bislang hatten wir ein Flatterband“, sagt der Präsident. Der neue Außenzaun um das Stadion ist bereits aufgestellt. Der Bezirk, dem die Sportanlage gehört, hat die Kosten dafür übernommen.

Flutlicht, Kunstrasen und Tribünendach

„Weitere bauliche Veränderungen sind geplant“, sagt Stadtentwicklungsstadträtin Birgit Monteiro (SPD). So solle 2020 die Installation einer Flutlicht-Anlage in Angriff genommen werden. Bislang kann in der dunklen Jahreszeit nur während der ersten Tageshälfte trainiert werden. Da gehen die Amateurfußballer aber ihren Berufen nach. Auch den Spielfeld-Rasen wolle man im kommenden Jahr ersetzen. Er wurde seit über 25 Jahren nicht erneuert und ist bei Schlechtwetterperioden unbespielbar. Das natürliche Grün soll von einem Kunstrasen abgelöst werden. Der ist strapazierfähiger. „Wenn wir schon so einen Schatz in Lichtenberg haben, dann wollen wir ihn auch zur erweiterten Nutzung für das Quartier öffnen“, erklärt die Stadträtin. Vom Berliner Senat gibt es für das Stadion eine Zusage von 1,8 Millionen Euro aus Stadtumbau-Mitteln. Der Bezirk erwägt einen Aufstellungsbeschluss für ein Bebauungsplanverfahren, um die Arena vor Begehrlichkeiten des Wohnungsbaus zu schützen.

Die Zuschauertribünen sollen später eine Überdachung erhalten, noch fehlen VIP-Bereich sowie Park- und Fahrradstellplätze. Die Toiletten sind unzureichend, sodass man derzeit bei Spielen Dixi-Klos anmieten muss. Außerdem braucht es geeignete Räumlichkeiten für Doping-Kontrollen und ärztliche Behandlungen.

September-Heimspiel gegen Babelsberg im Poststadion

Wie Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke) sagt, wolle Sport- und Umweltstadtrat Wilfried Nünthel (CDU) den jährlichen Zuschuss für das Stadion um 5.000 Euro auf dann 8.700 Euro erhöhen. „Für mich ist es trotz der überwindbaren Unzulänglichkeiten jetzt schon das zweitschönste Fußballstadion Berlins“, erklärt Michael Grunst. – „Nach der Alten Försterei“, fügt der bekennende Fan des 1. FC Union augenzwinkernd hinzu.

Im Durchschnitt rechnet Lichtenberg 47 mit 500 bis 600 Zuschauern pro Spiel. „Bei spielerischen Highlights, etwa gegen den BFC, Energie Cottbus, Rot-Weiß Erfurt oder Babelsberg 03 könnten es jedoch auch wesentlich mehr werden“, sagt Andreas Prüfer. Inzwischen war die Polizei da und hat sich die Spielstätte im jetzigen Zustand unter Sicherheitsaspekten angeschaut. Entscheidung: Das Heimspiel gegen Babelsberg 03 am Sonntag, 15. September, wird im Sportpark Poststadion in Moabit stattfinden.

Die nächsten sogenannten sicherheitsrelevanten Heimspiele finden erst am Sonntag, 10. November, gegen Rot-Weiß Erfurt – und am Sonntag, 1. Dezember, gegen den FC Energie Cottbus statt. Dann hoffentlich auch Zuhause auf Lichtenberger Rasen und mit vorgeschriebenem Fanblock-Zaun.

Lichtenberg 47 fest im Kiez verwurzelt

Der SV Lichtenberg 47 ist der bekannteste Kiezverein des Bezirks Lichtenberg. Er feiert 2022 sein 75-jähriges Bestehen. Man setzt auf Breitensport und will vor allem Jugendliche ansprechen. Insgesamt hat der Verein 1.300 Mitglieder. Sie boxen, sie kegeln, spielen Tischtennis oder betreiben Sportakrobatik, Gymnastik und Line Dance. In neun Abteilungen wird Sport getrieben, vom vierten bis zum neunzigsten Lebensjahr. Die rund 600 Fußballer – Männer, Frauen, Mädchen und Jungen, Jugendliche aller Altersklassen stellen die größte Abteilung.

Die Lichtenberg 47er Leute sind nicht zuletzt deshalb im Bezirk so beliebt, weil sie sich im Kiez engagieren. Die Sportlerinnen und Sportler unterstützen obdachlose Menschen, bieten Geflüchteten Sportmöglichkeiten an und helfen bei Kindergarten-Sportfesten und Martinsumzügen.

Das Hans-Zoschke-Stadion an der Rusche-/ Ecke Normannenstraße heißt deshalb auch Howoge-Arena, weil das ortsansässige Wohnungsunternehmen der größte Sponsor ist. Gerade wurde der Vertrag darüber mindestens für die nächsten vier Jahre verlängert. Weitere Sponsoren aus dem Bezirk, auch mit kleinen Beträgen, sind willkommen. Das Stadion hat fast 9.000 Stehplätze und 900 Sitzplätze mit Schalensitzen aus dem Olympiastadion.


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