Im Hellersdorfer „Baukasten“ erwerben Kinder Medienkompetenz

Lernen für den digitalen Alltag

02.04.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel Zum Vergrößern und für die Bildunterschriften bitte auf das Beitragsbild klicken!

Hellersdorf. Am Whiteboard stehen Begriffe wie Youtube und Instagram, Google, WhatsApp und Twitter – soziale Medien, die längst in unser Leben eingezogen sind. Doch haben wir immer die Kompetenz, mit ihnen sinnvoll umzugehen? Was ist erlaubt, was nicht?

Bereits Dritt- und Viertklässler haben Handys

Die Jungen und Mädchen der Klasse 6a der Ebereschen-Grundschule in Marzahn-NordWest sind heute mit ihrer Klassenlehrerin  Diana Steuer zu Gast im „Baukasten“ am U-Bahnhof Hellersdorf. Dort betreibt der Helliwood media & education im fjs e.V. seit 2007 sein Lernzentrum. Helliwood, einst aus einem Hellersdorfer Jugendclub hervorgegangen, ist inzwischen ein deutschlandweit bekannter Bereich des Fördervereins für Jugend und Sozialarbeit e.V. (fjs e.V.) und Spezialist für die Entwicklung innovativer Lerntechniken und Unterrichtsmaterialien. Im „Baukasten“ geht es vor allem um die digitalen Medien, die noch bis vor kurzem als „die neuen“ bezeichnet wurden. Bei der Gründung des Lernzentrums waren elektronische Medien noch etwas Besonderes, sagt  Jacqueline Graf, die Leiterin. „Damals ging es vor allem darum, die Technik und ihre Möglichkeiten vorzustellen. Nun stehen das mobile Internet und seine Folgen im Mittelpunkt“, sagt die studierte Erziehungswissenschaftlerin (35). Denn inzwischen sind Handy, Tablet und Computer in nahezu jedem Haushalt zu finden, bereits Kinder der dritten und vierten Klassenstufen verfügten über eigene Smartphones. Auch die Marzahner Sechstklässler sind mit solchen Geräten ausgerüstet.

Medienkompetenzzentrum mit vielen Angeboten

Der „Baukasten“ ist das offizielle Medienkompetenzzentrum von Marzahn-Hellersdorf. Vor allem  Grund- und Oberschüler machen sich dort mit den Grundlagen der Mediennutzung und -arbeit vertraut. Sie werden von drei Medienpädagoginnen und einer Mitarbeiterin im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) betreut. Doch auch darüber hinaus gibt es vielfältige Angebote für Menschen aller Altersgruppen. Diese treffen sich zu Projekttagen und Workshops, es gibt Fachtagungen und Selbstlernangebote. Auch in den Ferien wird im Lernzentrum ein umfangreiches Programm geboten. Steif geht es nie zu – in kleinen Gruppen werden Fotoapparate, Diktier- oder GPS-Geräte, Kameras, Handys, Tablets oder PC genutzt, Plakate gestaltet oder Kurzfilme gedreht. Viele Veranstaltungen sind bereits wochenlang im Voraus ausgebucht.

Welche Bilder darf man posten?

„Denkt nach, was Ihr postet“, rät Julia Reuter (25), ausgebildete Erzieherin, die einst im Lernzentrum ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvierte, den Schülerinnen und Schülern der 6a. Diese haben auf Stühlen, die in U-Form vor dem Whiteboard angeordnet sind, Platz genommen. Es sei beispielsweise schon häufig vorgekommen, dass ein Mädchen ihrem Freund ein Foto von sich im Bikini geschickt habe, erzählt Julia Reuter. Und als es vorbei mit der Freundschaft war, sei dieses Foto dann in ganz anderen Zusammenhängen im Netz aufgetaucht. Welche Fotos dürfe man überhaupt für eigene Posts verwenden? Alle, manche oder nur eigene? Das ist Bestandteil eines Fragebogens, den die Kinder ausfüllen. Nicht alle Resultate sind richtig, ergibt die Auswertung. Julia erklärt, warum – Urheberrecht und andere Formen der Netzdisziplin werden dabei jugendgerecht aufbereitet.

Kinder bekommen Denkanstöße

Diana Steuer, die Klassenlehrerin, sagt, dass der Berliner Rahmenplan Medienerziehung beinhalte. So hätten ihre Schülerinnen und Schüler beispielsweise alle zwei Wochen zwei Stunden Computerunterricht. Doch auch darüber hinaus seien die Schulen verpflichtet, sich weitere Formen der Medienerziehung zu überlegen. Den Ausflug in den „Baukasten“ bezeichnet sie als „sehr wichtig“, denn die Kinder bekämen hier viele Denkanstöße für die alltägliche Mediennutzung.

Eine kleine Praxislektion

Inzwischen haben die Mädchen und Jungen Vierergruppen gebildet und sich überall in den Räumen verstreut. Jede Gruppe hat ein Tablet bekommen und wird damit ein Plakat gestalten. Das soll die Eltern, falls diese einmal zu lange auf Smartphone schauen, daran erinnern, lieber etwas gemeinsam mit ihren Kindern zu unternehmen. Kleine Texte werden formuliert, Fotos gemacht. Doch kann jedes der Bilder genutzt werden? „Nein, das nicht“, ruft ein Junge aufgeregt. „Da sehe ich ja so komisch aus.“ Julia Reuter schmunzelt: „Er hat Recht. Wenn er das Foto nicht veröffentlicht haben will, darf es nicht genommen werden.“ Eine kleine Praxislektion in puncto Medienrecht.

“Mach die Robbe!”

Dann aber ist erst einmal Pause – und Action. Einige Jungen legen sich auf den Fußboden und bewegen ihre Körper zum Takt des millionenfach geklickten Youtube-Streifens „Mach die Robbe!“ Lernen muss schließlich nicht steif erfolgen, sondern soll Spaß machen.

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden