Senat zieht B-Plan an sich – Binnenhafen für Kreuzfahrten geplant

Leinen los Richtung Rummelsburg

01.04.2019, Volkmar Eltzel

Foto: Volkmar Eltzel

Ostkreuz/Rummelsburg. Was das Bezirksamt Lichtenberg, Politiker der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) und Bewohner befürchtet hatten, ist nun eingetroffen. Nachdem das bezirkliche Bebauungsplanverfahren XVII-4 Ostkreuz nach 27 Jahren Bearbeitung immer noch nicht entschieden wurde (LiMa+ berichtete), hat der Senat von Berlin das Verfahren an sich gezogen. Wie es aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung heißt, werden nun am Standort nördlich des Paul & Paula-Ufers bis zur Hauptstraße im Schnellverfahren Wohnhäuser und das geplante Wasserhaus Coral World gebaut.

Als dessen touristische Ergänzung ist am Rummelsburger See die Errichtung eines Hafens geplant. Dafür wurde kürzlich bereits das ehemalige Jugendfreizeitschiff “Freibeuter” am Friedrichshainer Ufer entfernt und verschrottet. Denn ein Dresdener Investor plant Großes: Flusskreuzfahrten mit Schaufelrad-Schiffen. Vom jetzigen Steg am nördlichen Ufer soll dazu als Schiffsanleger eine neue schwimmende Mole hinüber zum südlichen Seeufer gebaut werden. Das so abgetrennte westliche Seestück soll beruhigt und der schadstoffbelastete Seegrund schrittweise ausgetauscht werden. Eine Spezialtankstelle für die Binnenkreuzfahrt-Schiffe ist ebenfalls an der Westseite der Bucht, hinter dem Anleger vorgesehen.

Schaufelräder lassen Sedimente am Boden

„Die großzügigen Hafen- und Empfangsgebäude mit Gastronomie sind dann fußläufig am Paul & Paula-Ufer zu erreichen“ informiert Ronald Danbausch, Marketingchef der Sächsischen Dampf- und Elbschifffahrt GmbH (SDES). Das traditionsreiche Dresdner Unternehmen bietet schon seit 1896 auf der Elbe touristischen Ausflugsverkehr an. Heute mit elf Schaufelrad-Dampfern, die von Erdgas- und Dieselmotoren angetrieben werden. SDES will expandieren. „Wir planen schon längere Zeit neue, attraktive Angebote für unsere Gäste“, sagt Danbausch. So wie auf anderen Flüssen schon Usus, will das Unternehmen nun mit zunächst drei Luxus-Linern der Mississippi-Klasse auch Touren mit Übernachtungen und Vollverpflegung auf dem Schiff anbieten. Höchstens 14 Kabinen verschiedener Größe je Schiff sind vorgesehen. Sie werden mit allem Komfort ausgestattet sein, versichert die Binnenreederei in einem Schreiben.

Nostalgie mit Zukunft

„Der Schaufelrad-Antrieb vereint dabei mehrere Vorteile“, erklärt der Urdresdner Ronald Danbausch auf telefonische Nachfrage. Er sei leise, umweltfreundlich und lasse die Sedimente dort, wo sie hingehörten: auf dem Seegrund. Für die in moderner Leichtbauweise konstruierten Schiffe sei auch Niedrigwasser, wie im trockenen Sommer 2018, kein Problem. „Da fahren wir noch Wasserski“, scherzt der PR-Manager.

Folgende gut 500 Kilometer lange Tour mit vier Übernachtungen soll angeboten werden: Eingeschifft wird in Elbflorenz am Alberthafen Dresden-Friedrichstadt. Von dort geht es über Meißen (Station mit Übernachtung und Besichtigung einer Porzellanmanufaktur), über Torgau (Museumspfad, hier reichten sich Rote-Armee- und US-Soldaten am 25. April 1945 die Hand), Magdeburg. Bei Hohenwarte wird abgebogen in den Elbe-Havel-Kanal. Es folgt Potsdam (Station mit Übernachtung, Besichtigung Sanssouci und Schloss Cecilienhof, Ort der Potsdamer Konferenz). Am nächsten Morgen geht es hinein in die deutsche Hauptstadt (Station Rummelsburger See, Stadtbesichtigung, Übernachtung,). Schließlich am vierten Tag zurück zur Elbe und nordwestwärts ohne weiteren Stop über Tangermünde, Wittenberge, schließlich bis zum Fischmarkt in Hamburg-Altona (Stadtbesichtigung, Übernachtung). Zurück nach Dresden geht es am nächsten Tag in gut 4 Stunden mit dem Intercity. Die Rücktour des Schiffes erfolgt dann mit neuen Gästen von Hamburg aus.

Binnenkreuzfahrten ab 2022 möglich

An allen anderen Stationen gebe es bereits die erforderliche Infrastruktur zum Anlegen, versichert der Unternehmenssprecher. Der Rummelsburger See könne jedoch „eine Art Zentrale“ werden, von wo es künftig auch möglich sei zu starten. Die Lage am Verkehrsknoten Ostkreuz sei perfekt. Über die Preisgestaltung wolle man noch keine Auskunft geben. „Aber es kann immer nur die volle Tour gebucht werden“, sagt Danbausch. „Wir wollen keine Unruhe auf dem Schiff.“ Auszusteigen sei natürlich an jeder Station erlaubt. „Unser Schiffsservice kann in dringenden Fällen auch ein Shuttle organisieren, das die Gäste zum Ausgangspunkt zurückbringt.“

Das Genehmigungsverfahren für das Vorhaben läuft bereits. „Wenn wir bald grünes Licht bekommen, könnten die ersten Kreuzfahrer schon 2022 am Rummelsburger See an Land gehen“, freut sich Ronald Danbausch.

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