Grüne fordern Sofortprogramm für Marzahner Brücke

Lebensgefahr für Radfahrer

29.10.2018, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding (1-3), Volkmar Eltzel (4-6)

Marzahn/ Lichtenberg. Die Bündnisgrünen von Marzahn-Hellersdorf fordern ein Sofortprogramm für die sogenannte Marzahner Brücke. Vor allem Radfahrer begeben sich derzeit in Lebensgefahr, weil es an dem Knotenpunkt von Landsberger und Märkische Allee keine sicheren Radwege gibt.

Unübersichtliche Kreuzung

Der Radfahrer, der an diesem Morgen Richtung Innenstadt fährt, ist mutig. Gut geschützt mit Helm und Regenkleidung strampelt er über die Marzahner Brücke – bis er hastig auf die Bremsen tritt. Geduldig wartet er, bis die von links kommenden Autos auf die Landsberger Allee einbiegen, um dann zügig über die unübersichtliche Einmündung zu fahren.

Stefan Ziller kennt solche Situationen, hat sie selbst erlebt. In der Regel meidet Ziller, bündnisgrünes Mitglied des Abgeordnetenhauses, den „Marzahner Knoten“, wie jenes Straßenbauwerk im Fachjargon genannt wird. Er besteht aus der Landsberger Allee, die an dieser Stelle nahe dem S-Bahnhof Marzahn die Märkische Allee kreuzt, die direkt unter zwei Brücken verläuft. Das Bauwerk, das in den 1970er-Jahren errichtet wurde, ist ein wichtiger Verkehrsknoten im Osten Berlins. Einerseits verbindet er das östliche Umland mit der Innenstadt. Andererseits biegen hier Autofahrer ab, die über die Bundesstraße 1 (Biesdorf) oder die B 158 (Ahrensfelde) nach Berlin fahren. Damals gaben die Verkehrsplaner den Autofahrern den Vorrang – womöglich auch deshalb, weil sich die Zahl der Radfahrer seinerzeit in Grenzen hielt.

Immer mal wieder geflickt

Über die Jahre wurde an dem komplexen Bauwerk immer wieder mal saniert, ausgebessert, geflickt. Dabei müsste der Marzahner Knoten dringend grundhaft instandgesetzt werden. LiMa+ berichtete bereits 2014 über entsprechende Planungen. Doch der Beginn entsprechender Arbeiten wurden immer wieder verschoben. Zwar steht die „Marzahner Brücke“, wie sie im Volksmund genannt wird, auf der Liste der Sanierungsvorhaben des Landes Berlin. Doch  schnell ist mit einer Erneuerung von Straßen und Zuwegungen nicht zu rechnen, schon gar nicht mit dem Bau neuer, sicherer Radwege.

Bislang enden die Radwege, von Lichtenberg beziehungsweise Marzahn kommend, vor der Brücke. Wer diese mit dem Rad überqueren will, muss auf die Auto-Fahrbahnen ausweichen – und riskiert mitunter sein Leben. Denn nur selten halten sich Kraftfahrer an das Tempolimit von 50 Stundenkilometern, donnern von der Märkischen Allee kommende Fahrzeuge auf die Marzahner Brücke. „Todespiste“, sagt Stefan Ziller. Kurz bevor der Abgeordnete darauf hinweist, dass es dort bislang seiner Kenntnis zufolge glücklicherweise noch keine tödlichen Unfälle mit Radfahrern gab. Allerdings ist es für ihn nur eine Frage der Zeit, bis auf der Marzahner Brücke etwas passiert. Vor wenigen Wochen lud er zu einer „bündnisgrünen“ Fahrradtour über Märkische und Landsberger Allee ein – um erneut festzustellen, in welche Gefahr sich jeder einzelne Radfahrer begibt.

Änderung der Situation seit Jahren gefordert

Seit Jahren mahnen die Bündnisgrünen, Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs und Bezirksverordnete, dass die derzeitige Verkehrssituation nicht weiter hinnehmbar ist. „Die sich aktuell häufenden Unfälle mit Radfahrer/innen in Berlin sollten uns allen Motivation sein, keine weitere Zeit zu verlieren“, sagt Stefan Ziller. Bis überhaupt einmal Bagger und Baukräne für die Sanierung der Marzahner Brücke bewegt werden, soll ihm zufolge eine „Notlösung“ her, ein Sofortprogramm. Damit beginnt das Problem: Die Senatsverkehrsverwaltung wartet auf eine Initiative des Bezirksamtes, entsprechende Anträge bei der zuständigen Verkehrslenkung Berlin zu stellen. Doch der im Bezirk für Verkehrsfragen verantwortliche Bezirksstadtrat Johannes Martin (CDU) zeigt Ziller zufolge „wenig Leidenschaft für den Radverkehr im Bezirk“.

Katalog für ein Sofortprogramm

Der Forderungskatalog der Grünen für ein Sofortprogramm ist lang. Dazu gehört unter anderem, Radstreifen an den Auffahrten von der Märkischen auf die Landsberger Allee zu markieren. Außerdem soll in Richtung Lichtenberg ein Fahrrad- und Gehweg markiert werden, der bis zum Gewerbezentrum „Pyramide“ führt und sowohl stadtein- als auch stadtauswärts genutzt werden kann. Vor der Einmündung auf die Landsberger Allee soll das Tempo auf 30 Stundenkilometer begrenzt werden. „Es kann nicht die Welt sein, einen Radweg zu markieren“, sagt Ziller.

Tempo 30 auf den Zufahrten

Das sehen auch die grünen Bezirksverordneten und deren Kollegen von der Linksfraktion so, deren Antrag „Radverkehr auf der Marzahner Brücke sicherer gestalten“ Ende September in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) angenommen wurde. Darin wird dem Bezirksamt empfohlen, sich bei den zuständigen Stellen dafür einzusetzen, dass Schilder mit dem Hinweis auf Radfahrer angebracht werden. Mehrheitlich sprach sich die BVV auch dafür aus, dass farblich markierte Radwege angelegt und Tempo 30 auf den Zufahrten zur Landsberger Allee angeordnet wird. Stefan Ziller glaubt, dass sich das jahrelange Engagement in der Sache lohnt. „Es wird sich in jedem Fall etwas bewegen.“

 

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