Zähfließender Verkehr und lange Parkplatzsuche um die Treskowallee

Leben mit der Dauerbaustelle

26.02.2019, Pamela Schmuhl

Fotos: Pamela Schmuhl. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Karlshorst. Seit über einem Jahr ist die Treskowallee eine Großbaustelle, stockt der Straßenverkehr, gibt es Lärm und Staub. Am meisten leiden die Gewerbetreibenden. Während die Bauarbeiten zeitlich wie geplant verlaufen und die Dorotheastraße wieder teils geöffnet ist, sind Anlieger dennoch weiter genervt.

Bis zum Jahr 2021 wird die Treskowallee zwischen der Dorotheastraße nördlich sowie dem Traberweg südlich des Bahnhofs Karlshorst neugestaltet. Für die Planung des Großbauprojekts sind die Berliner Wasserbetriebe (BWB) zuständig. Diese bauen zuerst auf der südlichen und anschließend auf der nördlichen Seite der Treskowallee. Auf Anfrage sagt Stephan Natz, Sprecher der BWB: „Zum gegenwärtigen Stand sind alle Leitungsbauarbeiten für das Bauvorhaben der südlichen Seite abgeschlossen.“ Rund 1,5 Kilometer neue Trink- und Abwasserdruckleitungen sowie Kanäle seien in dieser Zeit errichtet worden. In das gesamte Bauprojekt investieren die BWB rund 10 Millionen Euro. Am Ende werden 2,3 Kilometer Trink- und Abwasserdruckleitungen sowie Kanäle erneuert. Die Arbeiten der BWB sollen im Jahr 2020 abgeschlossen sein. Erst danach beginnt der Neubau der Straßenbahngleise sowie der Straßen, Fuß- und Radwege unter der Bahnbrücke des Bahnhofs Karlshorst.

Parken erlaubt oder verboten?

Seit September 2018 ist ein Teil der Ecke Dorotheastraße / Treskowallee wieder befahrbar. Eigentlich hätten Autofahrer damit Grund zum Aufatmen. Doch Anwohner an der Treskowallee, zwischen Dorotheastraße und Dönhoffstraße, fühlen sich nun neben den bisherigen Einschränkungen zusätzlich irritiert. Denn unklar ist, in welchem Bereich zwischen der Dorotheastraße und Dönhoffstraße das Parkverbot aufgehoben ist. So zum Beispiel für die Geschäftsfrau Annett Liebers, die seit 30 Jahren einen Friseursalon an der Treskowallee betreibt. „Meine Kunden und ich wissen bis heute nicht, ob das Parken legal oder illegal ist. Schließlich müssen in diesem Bereich auch Krankentransporte und die Feuerwehr passieren können. Das ist für jeden von uns ein Gefahrenrisiko.“ Die Problematik mit den Parkplätzen bekommt insbesondere ihr Nachbar Holger Schröder, Betreiber einer Autowerkstatt, zu spüren. Denn wegen der Absperrungen muss er die zu reparierenden Autos von Kunden aus sämtlichen Seitenstraßen zu sich in die Werkstatt fahren. „Mit den Baustellen habe ich einen erheblichen Mehraufwand. Es ist eine Katastrophe.“ Umsatzeinbußen hatten die beiden Gewerbetreibenden bisweilen noch nicht. Dennoch sind sich beide in ihrer Grundstimmung zur Dauerbaustelle einig: „Wir sind wütend und genervt.“

Verwaltung zeigt Verständnis

Die Senatsverkehrsverwaltung kann die ärgerliche Stimmung nachvollziehen. „Die Unzufriedenheit mit der Verkehrssituation ist verständlich“, sagt Sprecherin Dorothee Winden. „Leider lassen sich Baumaßnahmen für später herausragende Verbesserungen der Infrastruktur oft nicht ohne Einschränkungen des Straßenverkehrs umsetzen.“ Bereits vor den Arbeiten gab es Abstimmungen. Dabei seien verschiedenste Varianten geprüft und abgewogen worden. „Die jetzt vorliegende Verkehrsführung ist das Ergebnis dieser intensiven und komplexen Abstimmungsgespräche“, sagt Winden.

Ansprechpartner bei Problemen unbekannt

Für Annett Liebers besteht das Problem insbesondere in der schlechten Kommunikation zwischen den Projektbeteiligten und den betroffenen Karlshorstern. So staunte sie nicht schlecht, als sie am Tag des Baubeginns plötzlich nicht mehr mit dem Auto auf den Abschnitt der Treskowallee, zwischen der Dorotheastraße und Dönhoffstraße, kam. „Ich musste zwei Monate außerhalb parken. Auch die Kunden konnten in dieser Zeit ihr Fahrzeug nicht vor meinem Geschäft abstellen“, sagt die Unternehmerin. Zwar wusste sie langfristig über das Großbauprojekt Bescheid, jedoch sei sie über den weitreichenden Umfang der Baustellen nicht informiert worden. Mit dem Parkplatz-Dilemma stand Liebers gleich vor der nächsten Hürde: Wem von den am Bauprojekt Beteiligten sollte sie das Problem melden? Das dazu verteilte Informationsblatt mit den entsprechenden Kontaktdaten von der BWB hat sie bis heute nicht bekommen. Unklar ist für sie auch, an welche zuständige Stelle sie sich bei anderen Komplikationen wenden soll.

Fertigstellung 2021 geplant

Mit den abgeschlossenen Bauarbeiten der BWB für den südlichen Teil der Treskowallee beginnt die BVG mit ihren Baumaßnahmen. Dabei wird zunächst die zukünftige Tramhaltestelle „Traberweg“ aufgebaut. Dafür verlegen die BWB für diese Seite zuletzt einen zwei Meter mächtigen Regenwasserkanal. Da dieser Kanal nicht unter der neuen Straßenbahnlinienführung liegen darf, wird er in einer platzsparenden halboffenen Bauweise errichtet und ist damit eines der anspruchsvollsten Vorhaben für die Wasserbetriebe innerhalb des Bauprojekts. Mit den Bauarbeiten für die neue Verkehrsgestaltung auf der Nordseite ist nun begonnen worden. Bis Anfang 2021 sollen voraussichtlich alle Maßnahmen beendet sein.

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