Ladestationen an Straßenlaternen sind eigentlich eine gute Idee

Laden, nicht bremsen!

11.03.2020, Volkmar Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Gibt es nun in Lichtenberg wie in Berlin so wenig elektrisch betriebene Kraftfahrzeuge, weil es so wenig Ladestationen gibt oder umgekehrt? Ein Mangel wird gern mit dem anderen begründet. Was soll zuerst her – das Huhn oder das Ei?

Auf seiner Sitzung vom November 2019 hatte die Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf Antrag der Fraktion Die Linke mehrheitlich und ohne Aussprache das Bezirksamt ersucht, „sich bei der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz dafür einzusetzen, dass in Lichtenberg das Angebot von Ladestationen für Elektrofahrzeuge durch die zusätzliche Nutzung von Straßenlaternen erweitert wird.”

Laternen-Ladesystem erfolgreich getestet

Der Energieversorger innogy SE hatte die vielversprechende Idee, Laternen auch zum Aufladen von Elektrofahrzeugen zu nutzen und war dafür 2019 vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur ausgezeichnet worden. In die Straßenleuchten wird dazu eine Ladestation integriert, über die Pkw und andere Kfz mittels eigenem Ladekabel ihre Elektromotoren in relativ kurzer Zeit aufladen können.

Die Berliner Gesellschaft für verteilte Energiesysteme mbH ubitricity hat ebenfalls ein Ladesystem für E-Autos an Straßenlaternen entwickelt und erfolgreich getestet. Es ist so simpel wie naheliegend. Straßenlaternen gibt es schließlich in Berlin zuhauf und an fast allen gibt es auch Strom.

20 Ladestationen in Lichtenberg

Unter www.standorttool.de findet man eine interaktive Karte zur deutschlandweiten Suche nach Ladestationen verschiedener Anbieter und mit unterschiedlichem Service. (Nicht alle der folgenden 20 Lichtenberger Adressen konnte LiMa+ auf ihre Richtigkeit hin prüfen):

Weitlingstraße 65 und 52, Frankfurter Allee 248, Stadthausstraße, Nöldnerstraße 9, Buchberger Straße 4, Buchberger Straße 4-12, Normannenstraße 1, Einbecker Straße 59 bei Lidl, Einbecker Straße 119 (innogy), Stolzenfelsstraße 1 (innogy), Römerweg 38, Sewanstraße 43, Sewanstraße 4 und 6, Rhinstraße 163, Arendsweg 19, Marzahner Straße 24, Bahnhofstraße 6, Große-Leege-Straße 115.

Allegro heißt nicht immer schnell

Am 19. März wird das Bezirksamt Lichtenberg die BVV bitten, folgendes zur Kenntnis zu nehmen: Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz teilt mit, dass der bestehende Vertrag mit der Allego GmbH, die mit der Errichtung von Ladestationen beauftragt ist, Mitte 2022 endet. Deshalb könnten „im Rahmen dieses Vertrages nur noch Ladeeinrichtungen realisiert werden, für die bis spätestens Ende März 2020 die Sondernutzungserlaubnisse und straßenverkehrsrechtlichen Anordnungen erteilt sind.“ Also quasi bis sofort.

Während der nachfrageorientierten Errichtungsphase seien bisher fünf Ladeeinrichtungen im öffentlichen Raum aufgebaut. Zudem sei eine Schnellladeeinrichtung im halböffentlichen Raum am Standort Landsberger Allee 87, 10407 Berlin (das ist jedoch in Prenzlauer Berg, die Redakt.) durch Allego errichtet worden.

Kosten-Nutzen-Verhältnis für wen?

Wie es in der Senatsantwort weiter heißt, würden Laternenladepunkte „aufgrund des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses gegenüber AC Ladesäulen (Wechselstrom, die Redakt.) mit zwei Ladeanschlüssen als kritisch gesehen.“

Moment mal: Die Umwandlung einer bereits ans Stromnetz angeschlossenen Laterne zur Zapfsäule kostet rund 1.000 Euro und ist damit weitaus preiswerter als die Errichtung einer Extra – Ladestation (ca. 8.000 Euro) (LiMa+ berichtete). Kann es vielleicht sein, dass Allegro mit eigenen Ladesäulen mehr Gewinn abschöpfen will?

Die von der Senatsverwaltung beauftragte Firma plante acht zusätzliche AC-Ladesäulen bis September 2020 zu errichten. Doch nur drei Standorte seien „aufgrund verschiedener Faktoren, wie Baufreiheit, bauliche und verkehrliche Bedingungen“ genehmigt worden: an der Zingster Straße 30, Einbecker Straße 63 und der Möllendorffstraße 93. LiMa+ war an den Standorten. Realisiert wurde bisher keine der drei Ladestationen.

Auch im Nachbarbezirk Marzahn-Hellersdorf klemmt es bei der Standortwahl für die Laternen-Ladestationen. Zu verstehen ist das kaum, angesichts tausender Laternen auf öffentlichem Straßenland.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden