Wenn Kunstwerke aus Automaten kommen…

Die Wunderschachtel

06.06.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel (1-2, 4-7), Büro Kunstautomaten

Marzahn-Hellersdorf. Wer kennt noch Wundertüten? In zurückliegenden Zeiten gab es die für Kinder zu billigen Preisen. Darin waren alle möglichen kleine Sachen versteckt, von Lackbildern bis hin zu Mini-Autos und Buchstaben- und Zahlenschiebespielen. Und manchmal auch ein Ring – Anlass zu größter Freude vor allem bei den Mädchen. Auch heute gibt es übrigens noch ähnliche Wundertüten. Das Spannende daran ist: Man weiß nie, was man bekommt.

Funktionsweise wie alte Zigarettenautomaten

Das ist auch das Prinzip der Kunstautomaten. Insgesamt drei solcher Kästen gibt es mittlerweile in Marzahn. Sie wurden von März bis Anfang Mai im Kulturhochhaus an der Wittenberger Straße 85, in der Mark-Twain-Bibliothek (Freizeitforum Marzahn, Marzahner Promenade 55) und im KulturGut, Alt-Marzahn 23, installiert. Die Geräte funktionieren wie alte Zigarettenautomaten: Geld in Münzen (4 Euro) oben rechts reinstecken, Auswahl treffen – und das Gewünschte herausziehen. Das ist handlich in einer Schachtel verpackt (etwa so groß wie ein Skatspiel) und enthält immer ein Unikat. Gewählt werden kann unter verschiedenen Kategorien – z.B. regional, überregional oder international. Was die (Wunder)Schachtel enthält, erfährt der Käufer erst beim Auspacken. Überraschungen sind also garantiert.

Mehr als 300 Künstler machen mit

Rund 300 solcher Automaten, an denen man zum Beispiel kleine Malereien, Objekte und Zeichnungen ziehen kann, gibt es bereits in Deutschland und vier weiteren Ländern. Das Büro Kunstautomaten aus Potsdam stellt seit 2001 diese Kästen auf und kümmert sich um den Service. Jede Schachtel enthält ein Kunstwerk und einen Beipackzettel, der einen kleinen Einblick in Leben und Werk des Schöpfers gibt. Mittlerweile machen mehr als 300 Künstler mit, die einen Teil des Erlöses erhalten. Doch nicht um Letzteres geht es in erster Linie. Denn gerechnet wird damit, dass die Zufallskäufer auch unter den Werken der jeweiligen Künstler stöbern, deren Websites ja vermerkt sind. Und dann vielleicht später einmal ein größeres Kunst-Stück erwerben.

Produziert in Oschersleben

Die Automaten, die in Oschersleben produziert werden, stehen wie jene in Marzahn überall in öffentlich zugänglichen Räumen – von Rathäusern, Bibliotheken bis hin zu Theatern und Museen, wie Lars Kaiser sagt, Büroleiter in Potsdam. Dass sie in Marzahn-Hellersdorf aufgestellt wurden, geht auf einen bereits 2017 gestellten Antrag der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zurück, der jetzt durch Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) umgesetzt wurde. 24 Kunstautomaten gibt es derzeit in Berlin.

“Kann süchtig machen!”

Die Kleinkunstwerke eignen sich als Beipack zu Geschenken, als kleine Mitbringsel – und natürlich auch zum Selbstbehalt. Auf der Schachtel ist ein Warnhinweis angebracht: „Diese Kunst kann verwirren, aufregen und süchtig machen!“ Tatsächlich sind wir schon gespannt, was wir beim nächsten Mal aus dem Automaten ziehen. Bei unserem letzten Besuch in der Mark-Twain-Bibliothek war es übrigens ein kleines, handsigniertes Gemälde des gebürtigen Cottbussers Chris Hinze.

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