Beginn der Befreiung Berlins vor 69 Jahren

Kundgebung in der Landsberger Allee

22.04.2014, Klaus Tessmann, Volkmar Eltzel

Fotos 1-4: Volkmar Eltzel; 5-7: Klaus Tessmann

Auf der Giebelwand des Hauses Landsberger Allee 563 steht in kyrillischen Schriftzügen „Pobeda“ (Sieg), darunter „na Berlin“ (nach Berlin). Übergroß prangen weiße Ziffern auf rotem Grund: „21. April 1945“. Das Haus an der Grenze zwischen Marzahn und Hellersdorf gilt als erstes vom Hitlerfaschismus befreites Gebäude Berlins.  In der Nacht vom 21. zum 22. April 1945 erreichten die Truppen der Roten Armee die Stadtgrenze der damaligen Reichshauptstadt Berlin und überschritten sie bei Marzahn. Am heutigen Montag, 22. April, um 16 Uhr findet anlässlich des 69. Jahrestages der Befreiung vom Nationalsozialismus eine Kundgebung, initiiert von der Partei Die Linke, vor dem Haus Landsberger Straße 563 statt.

Rote Fahne gehisst
Ob das Gebäude, in dem sich seit Jahren die Erziehungs- und Familienberatung (EFB) von Marzahn-Hellersdorf befindet, tatsächlich das erste Haus ist, auf dem die rote Fahne gehisst wurde, ist zwar nicht durch authentische Quellen belegt. Allerdings ist es wegen der Lage des Hauses an der damaligen Berliner Stadtgrenze sehr wahrscheinlich. Das Haus wurde 1985 zunächst das Geschichtskabinett des damaligen Bezirks Marzahn, nach der Wende zog dann die EFB dort ein.

Brücke heißt nach Bersarin
Seit neun Jahren gibt es ganz in der Nähe eine weitere Erinnerung an die Ereignisse vom April 1945: Die unscheinbare Straßenbrücke, die über das Flüsschen Wuhle führt, heißt seit 2005 Nikolai-E.-Bersarin-Brücke. Dort, wo die Wuhle Berlin und Brandenburg trennt, hatte die 5. Stoßarmee der I. Belorussischen Front unter Generaloberst Nikolai Bersarin am 21. April 1945 die deutsche Hauptstadt erreicht. Bersarin wurde erster Stadtkommandant Berlins und verunglückte am 16. Juni 1945 tödlich. Nach der Wende hatte es eine jahrelange Debatte in der Stadt um Bersarin gegeben, der 1975 Ehrenbürger von Ost-Berlin wurde. Seit 2003 ist er auch Ehrenbürger von Gesamtberlin. Für die Brücke, deren Namensschild nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, wäre allerdings eine würdige Info-Tafel wünschenswert.

Polnische Soldaten kämpften mit Sowjettruppen
An der Namensverleihung der Brücke anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung hatten auch Kriegsveteranen teilgenommen, darunter der frühere polnische Soldat Josef Zwierko, der in der Sowjetarmee gekämpft hatte. Seine Geschichte wurde in den 1970er-Jahren durch die Fernsehserie und das Jugendbuch „Vier Panzersoldaten und ein Hund“ bekannt. Zwierko war das Vorbild für den Haupthelden Janek. Er gehörte zu den polnischen Soldaten, die gemeinsam mit den sowjetischen Truppen über die Oder auf Berlin vorrückten.

Kriegsveteranen mahnen
Bei einem Jugendforum im Haus „Pro Social“ am Blumberger Damm waren am 22. April 2010 Iwan Tiligusow, einst sowjetischer Soldat der 1. Belorussischen Front und der polnische Veteran Janek Zwierko, zu Gast, der mit seinem Panzer zur 1. Brigade der polnischen Panzerarmee gehörte, die gemeinsam mit der Belorussischen Armee am 21. April 1945 an der Landsberger Allee die Stadtgrenze von Berlin erreichte. „Im Krieg gibt es keine Gewinner, nur Verlierer“, sagte Zwierko zu den Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf und den Partnerstädten Minsk und Tychy. Er appellierte an sie, alles zu tun, damit sich so ein Krieg nie wiederholt. „Leidtragende sind immer besonders Frauen, Kinder und ältere Menschen“, so der ehemalige Panzersoldat. Die beiden ehemaligen Soldaten sprachen zu Jugendlichen, die heute so alt sind, wie sie, als sie vor fast 70 Jahren in den Krieg zogen. Beide vermittelten den Jugendlichen, dass sie 1945 die große Hoffnung hatten, dass alle Waffen verschrottet werden.

 

 

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Leserkommentare

  1. Der Enkel von Bersarin war auch da
  2. Neben dem Soldaten Josef Zwierko war auch ein Enkel von Bersarin dabei. Vielleicht finde ich einige Fotos.

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