Roedeliusplatz soll Erinnerungs- und Gedenkort werden

Künstlerischer Wettbewerb ausgelobt

23.05.2020, Linna Schererz

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Der Roedeliusplatz ist kein schöner Ort zum Flanieren. Autos brummen in ständigem Fluß vorbei, Anwohner überqueren ihn rasch. Doch er soll, in Abstimmung mit der dort ansässigen Koptischen Kirche, künftig ein lebendiger Stadtplatz werden, LiMa+ berichtete. Und mittels Kunst am Bau soll nun auch die vielschichtige Geschichte des Platzes sichtbar werden. Deshalb hat das Bezirksamt jetzt den Kunstwettbewerb „Erinnerungs- und Gedenkort Roedeliusplatz“ ausgelobt. Für die Teilnahme am Online-Bewerbungsverfahren ist von den Interessenten eine Anmeldung auf der Plattform wa wettbewerbe erforderlich. Dort gibt es weitere Informationen zum Platz und zum Wettbewerb. Berliner und Brandenburger Künstler können sich bis zum 29. Juni anmelden.

Bedrückende Geschichte zwischen 1945 bis 1989

Am Roedeliusplatz befanden sich zwischen 1945 und 1989 zahlreiche Einrichtungen der Sowjetischen Militäradministration, vor allem die zentrale Militärgerichtsbarkeit. Diese war für eigene Militärangehörige, aber auch für die deutsche Bevölkerung zuständig. Sie verhängte eine Fülle von Todesurteilen und lange Haftstrafen. Dabei nutzte die SMAD vor allem die Gebäude des heutigen Amtsgerichts sowie die Haftanstalt und das heutige Finanzamt II. Die beiden letzteren sind die ersten Einrichtungen, die beim Aufbau der DDR-Staatssicherheit Verwendung fanden. Ziel des Wettbewerbs ist es, ein künstlerisches Denkzeichen zu kreieren, das auf den Standort, die Gebäude (Amtsgericht, Finanzamt, Gefängnis, Gemeindehaus Schottstraße 6) und ihre Geschichte verweist. Es soll zugleich im Kontext zur Koptischen Kirche St. Antonius stehen und eine Maximalhöhe von drei Metern bekommen. Das Kunstwerk wird auf der nordöstlichen Platzecke aufgestellt werden.

Teil der Erinnerungskultur des Bezirks

„Der Roedeliusplatz ist ein sehr geschichtsträchtiger Ort. Leider ist seine Vergangenheit durch die Zeit der SMAD als auch später der Staatssicherheit mit viel Leid verbunden“, sagt Lichtenbergs Bezirksbürgermeister Michael Grunst (Linke). „Wir haben es uns deswegen zur Aufgabe gemacht, die Geschichte der dort ehemals angesiedelten Institutionen aufzuarbeiten. Sie sollen – unter anderem durch die künstlerische Gestaltung des Platzes – noch stärker Teil der Erinnerungskultur des Bezirks werden.“

Runder Tisch beriet seit März 2019

Für den Gedenk- und Erinnerungsort Roedeliusplatz hatte sich am 18. März 2019 ein Runder Tisch konstituiert. Das Gremium beriet unter Leitung des ehemaligen Gedenkstättenreferatsleiters der Senatskulturverwaltung, Rainer E. Klemke, der bereits den Runden Tisch und weitere Schritte zum Gedenk-und Erinnerungsort Rummelsburg organisierte. Dieser war 2015 eingeweiht worden, LiMa+ berichtete. Beteiligt waren die Vertreter der am Roedeliusplatz angesiedelten Einrichtungen, der Bürgerbeiräte, des Bundesbeauftragten für die Stasiunterlagen, der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen und des Stasimuseums Haus 1. Außerdem wirkten Historiker mit, die sich speziell mit dieser Geschichte befassen, das Bürgerkomitee 1501 und Opfervertreter sowie die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg und der Fachbereich Kunst und Kultur des Bezirksamtes.

Fertigstellung bis November 2021

Unter den Bewerbern werden bis zu zehn Künstler und Künstlergruppen für die Teilnahme an einem einstufigen Einladungswettbewerb ausgewählt. Eine Aufwandsentschädigung von 1.500 Euro erhalten jene, deren Arbeit nicht zur Realisierung empfohlen wird. Für das zur Realisierung ausgewählte Werk steht ein Gesamtbeitrag von 140.000 Euro (brutto) zur Verfügung, der auch sämtliche Kosten für Honorare, Material- und Herstellungskosten beinhaltet. Fertiggestellt sein soll das Kunstwerk bis zum 30. November 2021.

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