Hohe (Hunde)schule:

Kommunikation ohne Worte

28.12.2013, Erika Kröber

Zeichnung: Birgitt Eltzel

„Quatsch deinen Hund nicht so voll“, mit diesem Satz entließ mich der Hundetrainer meines Vertrauens aus der vergangenen Übungsstunde. Gleich zu Beginn unserer Bekanntschaft outete er sich als Mann klarer Worte. Ob ich ein Problem damit hätte, fragte er kurz und deutete mein verhaltenes Kopfwiegen als erwartetes Nein. Ich war mir noch nicht ganz so sicher. Doch da seine klaren Ansagen bei meiner Prima ausgezeichnet funktionierten, wollte ich mich nicht päpstlicher als die Päpstin anstellen und es meiner Süßen gleichtun.

Trotzdem, zu Hause kam ich jedes Mal ins Grübeln. Was meinte er denn bloß diesmal wieder? Ich ging in Gedanken noch einmal die Trainingseinheiten durch. Prima sollte von ihrem Platz zu mir gelaufen kommen. Beim ersten „Komm“ schaute sie mich kurz an, danach beobachte sie gespannt den Vogel auf dem Gartenzaun. Bei meinem zweiten „Komm“ schnüffelte sie wissbegierig in einem Grasbüschel, mein drittes „Komm“ überhörte sie, weil sie verträumt dem kleinen Pudel neben ihr nachsah, mein fünftes, sechstes, siebentes… „Komm“ zeigte ebenfalls nicht das gewünschte Ergebnis.
Also verlegte ich mich aufs Bitten: „Prima, meine Liebe, komm zu Frauchen, sei ein braver Hund, Frauchen wartet. Prima, wenn du jetzt kommst, gibt’s ein schönes Leckerli….“ Nichts half, mein Hundemädchen hatte auf Durchzug geschaltet. Aber hatte ich mit meiner Methode: mehrmaliges Bitten bei unserem letzten Spaziergang nicht irgendwann Erfolg? Oder war letztendlich ich dann auf Prima zugegangen? Manchmal neige ich dazu, mir etwas schön zu reden.

Die Wohnungsklingel riss mich aus meinen Überlegungen. Als ich die Tür öffnete, stürmte mein Lieblingsneffe, fünf Jahre alt, in die Wohnung. Dahinter eine geschaffte Mutter. „Tim nicht so schnell, Tim, sag Tante Erika Guten Tag, Timi, zieh dir die Jacke aus, Tim, nimm die Finger da weg…“ Und, und, und. Mein Gott, wie sie den Jungen mit diesem ständigen Gerede nervt, dachte ich mir. Das geht bei ihm doch in ein Ohr rein und in das andere wieder raus. Also stellte ich mich ihm einfach in den Weg. Er stoppte sofort und schaute mich fragend an, ich blickte auf seine Jacke und machte mit dem Zeigefinger eine Bewegung in Richtung Flurgarderobe, in Nullkommanichts hing sie dort, wortlos goss ich ihm Apfelsaft ins Glas und er setzte sich ganz ruhig aufs Sofa.

Seine Mutter staunte, ich war begeistert, denn mir war ein Licht aufgegangen. Das also hatte mir mein Coach verklickern wollte, Hundeerziehung (fast) ohne Worte. Mal sehen, ob mich meine Prima nun besser versteht.

 

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