Man gönnt sich ja sonst nichts

Knallerpreise

12.01.2020, Birgitt Eltzel

Foto: Birgitt Eltzel

Geht es Ihnen auch so wie mir? Das neue Jahr ist schon beinahe zwei Wochen da und trotzdem ist man, im wörtlichen Sinn, noch satt vom alten. Weihnachtsfeiertage, Silvester, Neujahr – Zeiten, in denen mehr auf die Teller kam als gebraucht. Pfff… Jetzt wird es Zeit zur Normalität zurückzukehren. Die Medien melden, Fitnessstudios haben Hochkonjunktur, es sind mehr Jogger als sonst zu sehen – the same procedure as every year. Das wird sich in den kommenden Wochen jedoch wieder geben. So wie jedes Jahr.

Wachstum heißt der Götze unserer Zeit

So wie immer werden wir angehalten, im neuen Jahr wieder schön fleißig zu konsumieren. Auch Fressalien, von denen wir eigentlich nach den kalorienreichen Festtagen so richtig die Nase voll haben dürften, wenn wir nur auf unseren Bauch hören würden. Doch mit „Preisknaller“, „Kracher der Woche“ und „Wahnsinn“ versucht uns der Handel schon seit dem Start des neuen Jahres Appetit zu machen. Denn die Show must go on – Wachstum heißt der Götze unserer Zeit. Auch wenn es wider die Vernunft ist.

Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll

Denn mal ehrlich: Wer braucht denn all die Sachen, mit denen unsere Supermärkte vollgestopft sind? Zehn Sorten Leberwurst, 20 Sorten Schokolade, Erdbeeren mitten im Winter, die zu dieser Jahreszeit mehr nach Wasser schmecken als nach sonnengereiften Früchten? Mal davon abgesehen, dass viele Lebensmittel gar nicht über den Ladentisch gehen und auch die wenigsten danach zur Tafel gebracht werden. Rund 13 Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jährlich im Müll. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Universität Stuttgart, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde. Dabei beziehen sich die Wissenschaftler auf Daten aus dem Jahr 2015 – anzunehmen, dass die Menge inzwischen noch gestiegen ist. In dem von mir für meine Einkäufe bevorzugten Supermarkt beispielsweise waren noch am 27. Dezember die Kühltruhen voll mit nicht verkauftem Fleisch – Gänse, Enten, Hühner. Empfohlenes Ablaufdatum zum Verzehr: 27.12.2019. Trotz ordentlicher Preissenkung griffen nur wenige Kunden zu. Was aus dem Geflügel wurde, ist zu ahnen…

Wie ein Pawlowscher Reflex

Angesichts dessen verstärkt sich bei vielen der Entschluss, Maß zu halten, auch wenn die Werbung etwas anderes suggeriert. Nur leider reagiert man manchmal eben mit dem Pawlowschen Reflex: Wenn „Schnäppchen“ angezeigt werden, greift Mensch zu. Egal, ob er es gerade nötig hat. Habe ich schon erzählt, dass in meinem Kühlschrank drei Stück der von mir bevorzugten Butter liegen, die möglichst bald verbraucht werden müssen? Bei dem günstigen Preis konnte ich einfach nicht widerstehen. Na ja, das war noch im vergangenen Jahr. 2020 werde ich achtsamer sein, habe ich mir vorgenommen. Und mit der gehamsterten Schnäppchenbutter, deren Haltbarkeitsdatum jetzt abläuft, wird Kuchen gebacken. Für die ganze Familie. Auch wenn deren Sinn gerade so gar nicht danach steht: Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!

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