Marzahn-Hellersdorf wächst wieder. Es kommen auch viele Studenten

Kleine Wohnungen besonders gefragt

26.11.2018, Angelika Giorgis

Entwürfe: Thoma Architekten. Zum Vergößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf. Junge Familien und Studenten schätzen den Bezirk zum Wohnen. Viele Vermieter vermelden Vollvermietung der Wohnungen. Noch vor Jahren mussten sie sich einiges einfallen lassen, um Mieter zu gewinnen. Doch die Zeiten sind vorbei.

Als die Großsiedlung vor 40 Jahren gebaut wurde, war Marzahn der jüngste Berliner Bezirk. Zur Wendezeit wohnten dort fast 300.000 Menschen. 1991 betrug das Durchschnittsalter in den damals zwei Bezirken noch 30,5 Jahre. Aber viele junge Leute gingen weg. Zwischen 1995 und 2000 schrumpfte die Einwohnerzahl um rund 30.000 Personen. So alterte Marzahn-Hellersdorf nach der Jahrtausendwende von allen Bezirken in Berlin am schnellsten. Etwa 6.600 Wohnungen (11 Prozent) standen im Jahr 2001 leer. Der Bezirk drohte eine Bleibe der Alten und Armen zu werden.

Einwohnerzahl gestiegen

Das hat sich geändert. Vor allem junge Familien mit schulpflichtigen Kindern suchen hier ein neues Zuhause, weiß Sylvia Mühlmann von der Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor eG. In den vergangenen sechs Jahren sind mehr als 12.580 Einwohner in den Bezirk gekommen – hauptsächlich in die Siedlungsgebiete von Mahlsdorf, Kaulsdorf und Biesdorf. Viele ziehen aber auch wegen der noch günstigen Mieten und der familienfreundlichen Infrastruktur in das Plattenbaugebiet. „Mehr als ein Drittel unserer Mieter in Hellersdorf ist unter 40 Jahre alt. Die meisten von ihnen leben im Gelben Viertel und im Kienbergviertel“, berichtet Andrea Setzepfandt von der Stadt und Land Wohnbauten-Gesellschaft mbH.

Studentenwohnheim mit Wartezeit

Vor einigen Jahren warben Wohnungsunternehmen noch mit Mietbonus, zum Beispiel temporärem Kaltmieten-Erlass oder besonders günstigen Mieten in den oberen Geschossen von Häusern ohne Fahrstuhl. Heute vermeldet die degewo Vollvermietung. Vor allem kleine Wohnungen sind rar. Dafür interessieren sich auch immer mehr Studenten. Es hat sich herumgesprochen, dass Marzahn-Hellersdorf verkehrstechnisch gut angebunden ist und selbst im Wohnheim des Studentenwerks in der Oberfeldstraße dauert es etwa anderthalb Jahre, ehe Interessenten ein eigenes Zimmer beziehen können.

„Variowohnen“ – Wohnungen klein und bezahlbar

In Marzahn-Hellersdorf drehen sich wieder die Kräne. Die degewo baut bis Herbst 2020 zwischen Bürgerpark und Stadtteilzentrum ein Mehrgenerationen-Wohnquartier mit 255 Ein- bis Vier-Zimmer-Mietwohnungen für Jung und Alt. Dabei ist das „Variowohnen“ ein besonderes Angebot für Studierende und Auszubildende. Das Projekt „Berlin, Junges Wohnen in Marzahn“ wird vom Bundesbauministerium gefördert, um nachhaltige und bezahlbare Wohnungen für Studierende und Auszubildende zu schaffen. Die Variowohnungen sind flexibel nutzbar, auch für Senioren. Es entstehen 112 Wohnplätze und Gemeinschaftsangebote. Die pauschale Warmmiete beträgt rund 320 Euro.

In der Wuhlestraße baut die degewo gerade ein neues achtgeschossiges Haus mit 142 modernen Mietwohnungen. Sieben weitere neue Häuser entstehen an der Biesdorfer Ringelnatz-Siedlung. An der Südspitze, wo 2002 das erste Plattenbau-Doppelhochhaus abgerissen wurde, beziehen demnächst Singles, Paare und Familien mit Kindern 126 Wohnungen in vier Achtgeschossern. Davon 63 Sozialwohnungen mit einer Miete von 6,50 Euro je Quadratmeter kalt.

Neue Schulen und Wohnführerschein

Im September feierte Stadt und Land Richtfest für ein Gebäudeensemble an der Louis-Lewin-Straße. Die 308 Mietwohnungen – 61 Prozent Zwei-Zimmer-Wohnungen, 29 Prozent Drei-Zimmer- und zehn Prozent Vier-Zimmer-Wohnungen – sollen Anfang 2020 bezugsfertig sein. Ein Drittel ist barrierefrei. Alle haben einen Balkon oder eine Terrasse oder einen kleinen Garten. Frei finanzierte Wohnungen kosten durchschnittlich neun Euro pro Quadratmeter, geförderte 6,50 Euro nettokalt.

An Stellen, wo noch vor Jahren abgerissen wurde, sollen auch neue Schulen gebaut werden, beispielsweise in der Allee der Kosmonauten 121, wo noch vor wenigen Jahren das Mahatma-Ghandi-Gymnasium stand. Lernen in diesem Schuljahr 23.140 Mädchen und Jungen im Bezirk, wird es hier im Schuljahr 2024/25 laut Schulentwicklungsplan 27.130 Schülerinnen und Schüler geben.

Gemeinsam mit JaKuS e.V. verbessern die Wohnungsunternehmen die Chancen von Jugendlichen auf eine eigene Wohnung. Dafür wurde im Jahr 2009 der Wohnführerschein entwickelt. Um dieses Zertifikat zu erhalten, beschäftigen sich die Absolventen mit Rechtsfragen und Finanzen, mit Bewerbungstraining, Konfliktbewältigung und Energiekosten. Mehrere hundert Jugendliche haben den Schein bereits in der Tasche. Interessenten können sich bei den Wohnungsunternehmen und beim JaKuS e.V. melden.

 

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