Schaden Hellersdorfer Schüler den Mahlsdorfer Kids? Ein Kommentar

Klassenkampf

11.02.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Volkamr Eltzel (1), Birgitt Eltzel (2-3)

Marzahn-Hellersdorf. Die Reaktionen von etlichen Eltern aus Mahlsdorf auf den Plan von Schulstadtrat Gordon Lemm (SPD), für eine zweijährige Übergangsphase Klassen aus der Hellersdorfer Mozart-Gemeinschaftsschule in der neu entstehenden Oberschule an der Straße An der Schule 47 unterzubringen, befremden und machen ausgesprochen ärgerlich. Da war in den sozialen Netzwerken die Rede von „bildungsfernen Haushalten“, vom „gutbürgerlichen ruhigen Mahlsdorf“, von „Plattenbaukindern“ und „Assis“, von „Problemkindern/-eltern“ (wer nachlesen will kann das unter den Kommentaren zum Beitrag der Facebook-Gruppe Mahlsdorf Live hier tun ).

Warum enstand eine solche Diskussion?

Was war der Anlass, dass überhaupt eine solche Diskussion – wir im Siedlungsgebiet, ihr in der Platte – entstand?

Die Gemeinschaftsschule an der Cottbusser Straße muss dringend saniert werden. Geschieht das nicht möglichst umgehend, verfällt an der Einrichtung mangels Brandschutzerfordernissen die Genehmigung zum Schulbetrieb. Bereits zwei Mal war die dringend notwendige Baumaßnahme verschoben worden. Die Hoffnung auf eine rechtzeitige Aufstellung von Containern an der Sebnitzer Straße hatte sich Anfang dieses  Jahres zerschlagen. Deshalb wurde, gemeinsam mit den Gremien der Wolfgang-Amadeus-Mozart-Schule nun durch den Bezirk die Auslagerung der Oberstufe, vermutlich 13 Klassen, beschlossen. Denn der Neubau an der Straße An der Schule startet zum Schuljahr 2019/20 zu fast zwei Dritteln leer – erst nach und nach wird dort die neue Mahlsdorfer Schule (Integrierte Sekundarschule) aufgebaut. Deshalb soll nun die Mozart-Oberstufe für die Sanierungszeit ebenfalls in das Gebäude ziehen, damit deren Schüler nicht grüppchenweise auf andere Schulen aufgeteilt werden müssen. Das neue Haus in Mahlsdorf wird so für zwei Jahre gleich zwei, organisatorisch jedoch eigenständige, Schulen beherbergen.

Sorgen und Zorn

Was nach einer guten Lösung klingt, hat jedoch die Sorge und auch den Zorn etlicher Mahlsdorfer hervorgerufen. Diese erinnerten daran, dass die Hellersdorfer Schule durch Gewalttätigkeiten und Fäkalsprache von Kindern gegenüber Mitschülern und Lehrern aufgefallen war, Brandbriefe von Eltern durch die Medien bekanntgemacht worden waren. Doch das ist bereits einige Jahre her. Die Abgeordnete Iris Spranger, die Kreisvorsitzende der Marzahn-Hellersdorfer SPD, bezeichnet die Mozart-Gemeinschaftsschule als Schule „mit einer schwierigen Vergangenheit, die sich seit längerem in einer Phase der Stabilisierung befindet“. Sie betont völlig richtig, dass die Kinder der Mozart-Schule ebenso ein Recht auf eine gute schulische Umgebung haben, wie Kinder aus anderen Regionen der Stadt. „Die Oberschulen im Land Berlin sind für alle Kinder des Landes zugänglich. Wohnortsprinzip oder Einkommen der Eltern spielen hier zum Glück keine Rolle.“

Erinnerung an Prinzip Solidarität

Die Fraktion der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) erinnert nicht von ungefähr an das Prinzip der Solidarität. Das habe auch das Beispiel der Franz-Carl-Achard-Schule gezeigt. Als die Einrichtung aus Kaulsdorf im September 2015 kurzfristig geschlossen wurde, wir berichteten, fand der Unterricht für die Kaulsdorfer Kinder im frisch sanierten Haus der Marcana-Grundschule in Marzahn-Nord statt. Die Marzahner Schüler mussten deshalb ein Jahr länger als geplant im unsanierten zweiten Schulgebäude lernen.

Muss erst der direkt gewählte Abgeordnete gefragt werden?

Zu Wort gemeldet hat sich auch der mehrfach in Mahlsdorf/Kaulsdorf direkt gewählte christdemokratische Abgeordnete Mario Czaja, Kreisvorsitzender der CDU Wuhletal. In seinem Blog heißt der entsprechende Beitrag „Verunsicherung vor Start der neuen Mahlsdorfer Oberschule“ (siehe hier) Darin informiert er auch, dass die BVV-Fraktion der CDU nun eine Sondersitzung des zuständigen Ausschusses für Schulfragen beantragt hat, um offene Probleme zu besprechen. In der Facebook-Diskussion bemängelt er gegenüber dem Schulstadtrat, dass die Entscheidung nicht von vornherein mit dem örtlichen Abgeordneten, also ihm, beraten wurde.

Oberschulen sind nicht nur für einen Ortsteil da

Das verwundert schon ein wenig. Denn unserer Kenntnis nach sind Schulangelegenheiten in erster Linie doch Sache der betreffenden Schulen, des Bezirks und der Senatsschulverwaltung. Oberschulen übrigens sind nicht nur für die Kinder eines Ortsteils gedacht, sondern Schülern aus ganz Berlin zugänglich. Die neue Mahlsdorfer Oberschule, für die am Dienstag, 12. Februar, die Anmeldungsphase beginnt, steht damit eigentlich allen Interessenten frei. Ob die Schule diese Wünsche dann akzeptiert, steht auf einem anderen Blatt. Übrigens: Seit Jahren gab es in Mahlsdorf keine Oberschule mehr. Wo haben denn dann die Kinder der Mahlsdorfer gelernt? Viele von ihnen auch in weiterführenden Schulen im Hellersdorfer Plattenbaugebiet.

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