Auch in Marzahn-Hellersdorf gibt es nun ein Kinderoperhaus

Eintauchen in eine andere Welt

14.05.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey

Marzahn-Hellersdorf. Für die Mädchen und Jungen ist es selbstverständlich – für Außenstehende eher ungewöhnlich: Die Neun- bis Elfjährigen kommen jede Woche einmal in die Hans-Werner-Henze-Musikschule zum Proben. Aber das, was sie dort zweieinhalb Stunden lang machen, ist schon etwas Besonderes. Denn sie befinden sich dann im Kinderopernhaus. Dort tauchen sie ein in eine andere Welt. Sie improvisieren, singen und tanzen und bringen gemeinsam mit dem musikpädagogischen Team eine Musiktheatervorstellung auf die Bühne. „Ein Stück, was zusammen erarbeitet wurde, mit Volks- und Kinderliedern sowie klassischer Musik“, sagt Regina Lux-Hahn. 

In Lichtenberg fing alles an

Sie ist die Ideengeberin und Chefin des Projektes Kinderopernhaus Berlin. 180 Grundschüler in sechs Bezirken nutzen das Angebot, das Kindern aus allen sozialen Schichten und verschiedenen Kulturen eine erste Begegnung mit der Oper ermöglicht. „Jedes Kind ist willkommen und kann bei uns kostenlos mitmachen, ohne Casting“, betont die Projektleiterin. Allerdings wird mit den Eltern vereinbart, dass sie darauf achten, dass ihre Kinder auch regelmäßig an den Proben teilnehmen.

In Lichtenberg fing 2010 alles an. Mittlerweile machen Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick und jetzt auch Marzahn-Hellersdorf sowie ab diesem Sommer ebenso Reinickendorf mit. „Es ist fantastisch, wie sich  alles weiter entwickelte, das hätte ich nie gedacht“, freut sich die Musik- und Opernfreundin.

Kids treffen sich am Mittwochnachmittag

Im vergangenen Herbst wurde das Kinderopernhaus Marzahn gegründet. Seitdem treffen sich jeden Mittwochnachmittag 13 Kinder aus der Johann-Strauß- und der Grundschule an der Geißenweide zur Probe an der Maratstraße 182. „Erste Erfahrungen haben die Mädchen und Jungen bereits in den von uns angebotenen  Arbeitsgemeinschaften an ihren Schulen gesammelt“, erklärt Anne Schmidt-Bundschuh, Dramaturgin und verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit. Sie haben also schon ein bisschen Opernluft mit Musik- und Sprecherziehung geschnuppert. Auf jeden Fall kommt ihnen das zugute, wenn sie jetzt ein ganz neues Stück kreieren. Diese erste Phase mit szenischen Übungen und viel Improvisieren liegt aber bereits hinter den kleinen Künstlern. „Mir hat es viel Spaß gemacht, eine Geschichte mit zu entwickeln“, sagt der neunjährige Piet stolz. Und das Einstudieren und Aufführen sei auch „richtig toll“. William, Maya, Madelaine, Maria und die anderen sehen das genauso. Obwohl Piet zugibt, manchmal ein bisschen Angst davor zu haben, den Text zu vergessen. Doch selbst wenn es so wäre – Nadine Rahimtoola würde helfen. Die Musikpädagogin übt mit den Marzahn-Hellersdofer Kids die Szenen, Christina Buk-Grauberger studiert mit ihnen den Chorgesang ein.

Lernen, wie man Konflikte bewältigt

Manchmal geht es dabei ganz schön laut und durcheinander zu. Wenn die Nachwuchskünstler nicht so konzentriert sind, wie sich das die Erwachsenen wünschen. Wenn sie rumhampeln, obwohl sie gar nicht an der Reihe sind oder  einfach nur träumen. Aber irgendwie gehört das auch zu einer Probe. „Mich überrascht immer wieder, wie offen diese Kids sind, wie kreativ und begeisterungsfähig“, sagt die Pädagogin. Außerdem stellte sie fest, dass beispielsweise ein Mädchen, das anfangs sehr leise sprach und kaum aus sich heraus kam, plötzlich selbstbewusst auftritt. Auch die Anderen scheinen manchmal alles um sich herum zu vergessen und richtig tief in die Story mit dem Titel „Im Walde von Toulouse“ einzutauchen.

Im Mittelpunkt steht ein Waisenhaus, in das ein neues Kind einzieht: Es wird gemobbt, verschwindet plötzlich und die anderen Kinder suchen es im Zauberwald. Welche spannende Abenteuer die Mädchen und Jungen erleben, erzählt das Stück. Sie lernen dabei Konflikte zu bewältigen und als Gruppe stark zu sein.

Erster Auftritt am 19. Mai

Zwischen den Probenstunden gibt es Pausen. Dann nehmen sich die Pädagogen Zeit für ihre Schützlinge und „verdrücken“ gemeinsam ein paar gesunde Snacks. 

Ein bisschen aufgeregt sind die Nachwuchskünstler schon vor ihrem ersten großen Auftritt. Der geht am Sonntag, 19. Mai, um 15 Uhr im Freizeitforum Marzahn über die Bühne. Karten (Erwachsene zahlen 12, Kinder 8 Euro) sind über das Sekretariat der Hans-Werner-Henze-Musikschule erhältlich. Das Kinderopernhaus Berlin wird vom Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert und von den beteiligten Bezirken kofinanziert. Die sozialpädagogische Betreuung erfolgt durch den Berliner Caritasverband.

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