Kunstprojekt: Kids beschäftigen sich mit Lebensmittelverschwendung

Masken aus Bohnensamen

25.11.2019, Steffi Bey

Foto: Steffi Bey

Kaulsdorf. Wer bei diesem Projekt mitmacht, ist nicht nur neugierig, sondern hat viel Appetit und noch dazu Lust auf Kunst: Rund 15 Mädchen und Jungen aus Marzahn-Hellersdorf haben sich jedenfalls auf eine ganz besondere „Geschmacksache“ eingelassen. Seit Anfang September kommen sie einmal pro Woche in die Villa Pelikan an der Hellersdorfer Straße. Dabei fertigen sie auch Masken aus Bohnensamen.

Motto: Essen ist Kunst

In der Kinder- und Jugendfreizeiteinrichtung der Arbeiterwohlfahrt (AWO) läuft gerade ein Angebot des Vereins „Restlos glücklich“ unter dem Motto: Essen ist Kunst. „Wir möchten den jungen Teilnehmern beispielhaft verdeutlichen, Lebensmittel mehr wertzuschätzen“, sagt Projektkoordinatorin Nina Carryer. Sie sollen selbst ausprobieren wie einfach es ist, bewusster zu konsumieren und aus überschüssigen Produkten leckere Speisen herzustellen. Der Clou dieses Angebotes besteht aber in der Zusammenstellung der Menüs: Denn es wird nicht nur geschnippelt, gekocht und angerichtet, sondern das Ganze noch künstlerisch verpackt. In den drei Projekt-Monaten stellen die Kinder gemeinsam mit Nina Carryer und der Künstlerin Taina Guedes eine ganz spezielle Ausstellung zusammen.

Offenes Angebot

Die Exponate bestehen aus Lebensmitteln, aus deren Ausgangsprodukten und aus kreativen Gebilden, die sich mit der Lebensmittelwertschätzung auseinandersetzen. Gefertigt wird das alles in lockerer Atmosphäre und mit den Mädchen und Jungen, die eben gerade da sind. „Geplant war eigentlich, alles mit einem festen Teilnehmerkreis auf die Beine zu stellen, doch inzwischen ist es ein offenes Angebot geworden“, berichtet Nina Carryer von „Restlos glücklich“.

Bilder im Retro-Stil

Tony, Dean und Shirley sind von Anfang an dabei. „Mich interessiert die Idee, die dahinter steckt und ich habe gelernt, Lebensmittel nicht gleich wegzuwerfen, wenn das Ablaufdatum vorbei ist“, erklärt der 16-jährige Tony. Auch seinem Bruder Dean machen die Schnippel- und Bastelnachmittage Spaß. „Hier ist es nie langweilig“, findet der Zwölfjährige. Begeistert berichten die Marzahn-Hellersdorfer Kinder unter anderem von den Masken aus Bohnensamen, die sie hergestellt haben und von Polaroid-Fotos, auf denen sie selbst mit Essbarem zu sehen sind. Diese Bilder im Retro-Stil werden nun auf kunstvoll bemalten Leinwänden platziert. Auch Stofftücher gestalteten die kleinen Künstler in den Farben der Jahreszeiten.

Ausstellungseröffnung am 3. Dezember

Für die in Brasilien geborene Künstlerin Taina Guedes, die weltweit ihre Projekte ausstellt, ist die Arbeit mit den jungen Berlinern am Stadtrand „eine echte Herausforderung“. „Es gelingt uns aber gut, mit diesem Projekt Bildung-Kunst und Essensverschwendung zu verbinden“, sagt sie. So wurde bei einem der ersten Treffen auch ein Film zum Thema gezeigt, um erst einmal das Interesse der Kinder zu wecken.

Eröffnet werden soll die Ausstellung am Dienstag, 3. Dezember. An diesem Tag gibt es ebenso zubereitete Snacks aus geretteten Lebensmitteln. Die krummen Gurken, die Äpfel mit Druckstellen oder Paprikaschoten und Tomaten mit kleinen Schönheitsfehlern holt der Verein in verschiedenen Berliner Bio-Läden ab. Wie lange die „kunstvolle Essens-Schau“ in der Villa bleibt, steht noch nicht fest. Auf jeden Fall werden die kreativen Kunstwerke auch beschriftet und für die Besucher erklärt.

Das Geschmackssache-Essen-ist-Kunst-Projekt führt „Restlos glücklich“ erstmals in einem Berliner Bezirk durch. Geplant sei zumindest Ähnliches auch in anderen Stadtgebieten, kündigt Nina Carryer an.

Villa Pelikan, Hellersdorfer Str. 27, 12621 Berlin.
Im Internet:  www.villapelikan.de


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