Krisenstimmung in der Mahlsdorfer Kiekemal-Grundschule

Kein Platz für Schulanfänger

28.02.2020, Klaus Tessmann

Fotos: Klaus Tessmann

Mahlsdorf. In der Kiekemal-Grundschule am Hultschiner Damm herrscht Krisenstimmung. Denn die Einrichtung ist viel zu klein für die zu erwartenden Erstklässler des Schuljahres 2020/21. Mehr als 100 Eltern waren deshalb am vergangenen Dienstag, 25. Februar, zur Einwohnerversammlung in die Mensa gekommen. Sie erwarteten Antworten von den Bezirkspolitikern Juliane Witt (Linke), verantwortlich u.a. für Facility Management, und Gordon Lemm (SPD), zuständig für Schule. Aber sie bekamen nur vage Vorstellungen und Ausflüchte zu hören.    

Sechs Klassen kommen, Platz ist für drei

Schulleiterin Katrin Bloch machte auf die Probleme aufmerksam, die seit Jahren bekannt sind. Zur Zeit lernen 550 Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse in der Kiekemal-Grundschule. Drei Klassen verlassen im Sommer die Einrichtung, aber dafür kommen 143 neue Schulanfänger. Das wären sechs Klassen – aber nur für drei Klassen gibt es freie Plätze. Schon im vergangenen Jahr gab es deshalb Demonstrationen für mehr Schulplätze in Mahlsdorf. Die Eltern haben noch einmal vor der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) im Januar 2020 auf die Missstände aufmerksam gemacht. Damals wurden sie beruhigt, dass es bis zum Schuljahresbeginn im Juli eine Lösung geben soll. Doch die angedachten Ersatzbauten auf dem Lehnitzplatz werden in diesem Jahr nicht mehr kommen.

80 Kinder wissen noch nicht, wo sie lernen sollen

Ungewöhnlich für diesen Bezirk, wo Finanzen immer knapp waren, war die Aussage von Schulstadtrat Gordon Lemm: „Es ist genug Geld vorhanden.“ Doch es fehlt die Kapazität: Es gibt nicht genug Fachkräfte, um dieses Geld auch für einen Schulneubau zu nutzen.
Die Eltern drückten ihren Unwillen sehr deutlich aus: „Es fehlt in dieser Stadt der politische Wille, etwas schnell zu bauen“, hieß es. Und darauf könne man nur mit politischem Druck reagieren. Es geht um rund 80 Kinder, die noch nicht wissen, wo sie ab August unterrichtet werden. Auch die Lehrer seien verunsichert, meinte die Schulleiterin. Sie hat zwar genügend Pädagogen. Aber wo sollen diese lehren, wenn es an Klassenräumen fehlt?

“Fliegendes Klassenzimmer” kommt später

Eigentlich hatte das Bezirksamt den Mahlsdorfern versprochen, bis zum Beginn des neuen Schuljahres auf dem Lehnitzplatz „Fliegende Klassenzimmer“ zu errichten. Das sind temporäre, mobile Bauten. Nun stellt sich heraus, dass es vor März 2021 damit nichts wird. Denn die Ausschreibungen für dieses Bauprojekt sind noch nicht einmal fertig. Juliane Witt musste eingestehen, dass sich das Verfahren noch einige Monate hinziehen wird.

Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hatte auf Hilfe aus anderen Bezirken gehofft, sagte Lemm. So wird in Tempelhof-Schöneberg ein „Fliegendes Klassenzimmer“ gebaut. Doch der Firma fehlen Mitarbeiter, um die Produktion zu erweitern. An dieser Stelle sei auch die Senatsschulbehörde gefragt. Als weitere Möglichkeit war ein „Schul-Pavillon“ gesehen worden, wie er derzeit in Charlottenburg-Wilmersdorf errichtet wird. Doch auch diese Idee ist nicht realisierbar. „Es fehlt die Baukapazität“, betonte Lemm.

Am 6. März wird weiter geredet

Das kam nicht gut an. Einige Eltern verwiesen darauf, dass immer mehr Familien mit kleinen Kindern nach Mahlsdorf ziehen, aber die notwendige Infrastruktur mit Kindergärten und Schulen nicht berücksichtigt wird. Die Aussage der Stadträte, dass ja in der Elsenstraße eine neue Schule gebaut werden soll, nütze ihnen aktuell wenig. Denn diese würde frühestens in fünf Jahren fertig sein.

Einen winzigen Strohhalm hatten Witt und Lemm noch zu bieten. Es laufen im Bezirksamt aktuell zwei Ausschreibungen für Schulbauten. Wenn sich Firmen auf diese Ausschreibungen melden, könne man ja mit denen reden, ob sie auch in der Lage sind, in Mahlsdorf zu bauen. Das war den Versammelten aber wieder zu viel „hätte“ und „könnte“.  Die Veranstaltung wurde mit dem Versprechen der Stadträte beendet, sich zum Ende der ersten Märzwoche mit der Schulleitung zu treffen, um über weitere Möglichkeiten zu verhandeln. Bis zum 6. März – so sicherte es Juliane Witt zu – sollen die Ergebnisse der Ausschreibung vorliegen. Dann könne man mit den Baufirmen reden.

CDU fordert Sonderbeauftragten Schulbau

Die CDU Wuhletal konstatiert angesichts der Situation, dass 40 Prozent der Stellen im Hochbaubereich des Bezirks unbesetzt sind, kein Vorankommen bei den sogenannten Drehkreuzstandorten zu erkennen ist und weitere Hochbaumaßnahmen nicht oder nur verzögert bearbeitet werden können: „Der Bezirk ist im Bereich Schulbau völlig überfordert.“ Deshalb fordert der Kreisverband den unmittelbaren Einsatz eines Sonderbeauftragten für Schulbau in Marzahn-Hellersdorf, der verwaltungsübergreifend Hochbau- und Schulamt koordiniert und unmittelbar der Senatsverwaltung berichtet. Zudem sollten sofort Rahmenverträge mit mehreren Planungsbüros abgeschlossen werden, die Aufgaben des Bau- und Planungsbereiches übernehmen. Der in Mahlsdorf/Kaulsdorf direkt gewählte Abgeordnete Mario Czaja, Vorsitzender des CDU-Kreisverbandes: „Wenn der Unterricht auf dem Schulflur oder im Bus auf dem Weg zum Ausweichstandort nicht zur Selbstverständlichkeit werden soll, muss sofort gehandelt werden. Der Senat muss die besondere Situation in Marzahn-Hellersdorf anerkennen und endlich den Schulbau im Bezirk koordinieren.“ (mit el.)

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