Pack die Badehose ein und dann?

Kein Freibad, nirgends

22.05.2014, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn-Hellersdorf. Wenn wie in dieser Woche hochsommerliche Temperaturen herrschen, lockt das erfrischende Nass. Doch seit der Schließung des Freibads Wernersee im Jahr 2002 gibt es im Bezirk keine offizielle Bademöglichkeit mehr. Marzahn-Hellersdorf ist der einzige Berliner Bezirk ohne Freibad. Und das wird wohl auf absehbare Zeit so bleiben. Denn das Bezirksamt hat das Bebauungsplanverfahren für den Elsensee in Mahlsdorf eingestellt. Ein seit Jahren dort geplantes Freibad scheint damit endgültig vom Tisch. Während der Sitzung der Bezirksverordneten-versammlung (BVV) am Donnerstag, 22. Mai, wird es eine Debatte dazu geben.

Schutz für Kaulsdorfer Seen
Bereits in den 1990er-Jahren war geplant, aus der Kiesgrube ein natürliches Freibad zu machen. Das Abgeordnetenhaus hatte 1992 beschlossen, den Senat aufzufordern, den Elsensee nach Ablauf der Baggererlaubnis entsprechend herzurichten, um das Trinkwasserschutzgebiet Kaulsdorfer Seen von der (eigentlich dort nicht erlaubten, aber eifrig getätigten) Badenutzung zu entlasten. Doch ehe die Behörden handelten, war das Gelände verkauft – an eine Eigentümerin, die dort eine Wasserskianlage bauen wollte. Der Bezirk wollte diesen Plänen nur zustimmen, wenn sie gleichzeitig ein Freibad errichtet. 2003 wurde ein entsprechender Bezirksamtsbeschluss gefasst.

In den Elsensee fließt Regenwasser
Doch Anwohner und Naturschützer protestierten. Die einen fürchteten um die Ruhe im beschaulichen Eigenheimgebiet, die anderen um wertvolle Biotope, die sich in den Jahren nach der Einstellung des industriellen Kiesabbaus dort gebildet haben. Durch das Bezirksamt wurde im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens eine Studie beauftragt, die ermitteln sollte, wie die notwendige Badewasserqualität erreicht werden kann. Denn in den Elsensee fließt durch den Rohrpfuhlgraben Regenwasser aus Mahlsdorf. Die Gutachter kamen zu dem Schluss: Eine Desinfektionsanlage muss her. „Die Eigentümerin sieht sich aber nicht in der Lage, die Kosten dafür zu tragen“, so Marzahn-Hellersdorfs Stadtentwicklungsstadtrat Christian Gräff (CDU), der den Sachverhalt bereits in der vergangenen Woche im Stadtentwicklungsausschuss schilderte. Zudem, so Gräff, sei auch mit einer solchen Anlage noch nicht gesichert, dass die Wasserqualität dann den strengen EU-Normen gerecht werde.

Senat prüft Wasserskianlage
Aktuell bleibt allerdings die Absicht der Eigentümerin, eine Wasserskianlage im See zu errichten. „Die Senatsstadtentwicklungsverwaltung prüft das Vorhaben“, sagt Gräff. Eine solche Anlage gibt es bisher in Berlin noch nicht. Ungeklärt sei unter anderem, ob nicht auch eine solche Anlage Badewasserqualität benötige.

Linke protestiert
Während sich CDU und Grüne schon sehr früh gegen die Wasserskianlage und das Freibad im Elsensee positionierten, schwenkte die SPD erst 2009 um. Die seit 2011 bestehende Zählgemeinschaft der drei Parteien war sich darüber auch im Ausschuss einig. Lediglich die Linke gab ein Minderheitenvotum ab. „Für uns ist die Realisierung einer Freibadmöglichkeit im Bezirk nach wie vor von hoher stadtentwicklungspolitischer Priorität“, erklärte Frank Beiersdorff (Linke).

Für ein Kombibad Schließung anderer Bäder?
Inzwischen wird jedoch von Bäderschließungen im Bezirk gemunkelt. Wie bereits berichtet, gibt es Pläne, ein Kombibad am Tierpark für Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg zu errichten. Die beiden Bezirksparlamente hatten im März mehrheitlich für ein solches Freizeitbad votiert. Doch nun ist eine Machbarkeitsstudie aufgetaucht, die im Auftrag der Berliner Bäderbetriebe (BBB) erstellt wurde, und für viel Aufregung im Bezirk sorgt. Denn sie kommt zu dem Schluss, dass ein Multifunktionsbad für Marzahn-Hellersdorf nur wirtschaftlich zu betreiben ist, wenn das Freizeitbad Platsch und die Schwimmhalle „Helmuth Behrendt“ in Marzahn geschlossen werden.

Linke: Freibadplanungen weiter verfolgen
Die Linke protestierte sofort und fordert weiterhin die Errichtung eines Freibades „mit einer sozialen Preispolitik“, so Fraktionsvorsitzender Bjoern Tielebein. Vorrangig sei die Einrichtung an einem der bezirklichen Seen zu prüfen. „Die Freibadplanungen am Elsensee sind aus Sicht der Linksfraktion weiter zu verfolgen.” Zudem dürfe die Errichtung eines Freibades darf nicht zu Lasten anderer Angebote gehen. „Es darf keine Schließung von bestehenden Anlagen geben.“

Nur verschiedene Szenarien betrachtet
Matthias Oloew, der Sprecher der Bäderbetriebe, bestreitet, dass das Kinderbad und die Schwimmhalle geschlossen werden sollen: „Es wird keine Bäderschließungen geben.“ Die Untersuchungen zum Multifunktionsbad seien eine reine Machbarkeitsstudie ausschließlich für ein Freibad in Marzahn-Hellersdorf gewesen. „Dabei wurden verschiedene denkbare Szenarien betrachtet.“ Die BBB hätten in die Sanierung der Schwimmhalle am Helene-Weigel-Platz und den Ausbau der Saunalandschaft erst mehr als sieben Millionen Euro investiert – auch deshalb sei eine Schließung absurd. Im Übrigen gebe es auch für das sogenannte Spaßbad am Tierpark, das innerhalb des Berliner Bäderkonzeptes 2025 entstehen könnte, noch kein grünes Licht – das Neubaukonzept der BBB gehe erst Ende Juni an den Senat, später dann ins Abgeordnetenhaus.

Bürgermeister warnt vor Panikmache
Auch Bürgermeister Stefan Komoß (SPD), der gleichzeitig Vize des BBB-Aufsichtsrates ist, warnt vor Panikmache: „Es sind keinerlei Bäderschließungen beabsichtigt.” Die Studie sei allerdings teilweise sehr unglücklich formuliert gewesen, sagt er. Sie habe auch lediglich Varianten innerhalb Marzahn-Hellersdorfs betrachtet und sei damit längst überholt. Bei dem inzwischen von den Bäderbetrieben geplanten Neubau von vier Multifunktionsbädern in Berlin dürften keine bestehenden Bäder geschlossen werden, das habe der Senat  klargestellt. Eine Alternative zum verbotenen, aber geduldeten Badespaß in den Kaulsdorfer Seen oder im Biesdorfer Baggersee, der als Regenrückhaltebecken keinerlei Badewasserqualität aufweist, kann der Bürgermeister allerdings noch nicht offerieren. „Aber wir haben jetzt wenigstens erstmals eine realistische Chance, zu einem Freibad zu kommen“, sagt Komoß.

 

 

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Leserkommentare

  1. Nur sechs Varianten für einen Freibad/Kombinationsbad- Standort?
  2. Die derzeitigen Varianten für eine Überprüfung als Standort für ein Freibad/Kombinationsbad in Marzahn-Hellersdorf haben alle eine mehr oder weniger gute Erreichbarkeit für alle Bewohner des Bezirkes.
    Warum überprüft man nicht, ob ein Standort südlich des Sraßenbahnbahnhofes Marzahn möglich ist?

  3. Wenden Sie sich doch an die AG Freibad der Bezirksverordnetenversammlung. Vielleicht kann diese Ihre Idee noch aufnehmen…

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