Hund + Katz

Auf Diät

25.08.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Mit den Jahren kommen die Pfunde. Wer mit 40 und mehr Jahren noch genau isst wie mit 20, hat mehr Gewicht mit sich herumzutragen. Denn wenn wir älter werden, sinkt unser Grundumsatz – sprich: die Menge an Energie, die unser Körper im Ruhemodus verbraucht. Und da letzteres in höherem Alter öfter der Fall ist als in der Jugend, erklärt sich, warum wir plötzlich eine oder zwei Kleidergrößen größer als früher benötigen.

Das süße Nichtstun

Bei Tieren ist das nicht viel anders. Kater Winnie wird jetzt zehn Jahre alt und springt längst nicht mehr hektisch herum wie ein junges Kätzchen. Bällchen hinterherjagen, ein Wollknäuel durchs Zimmer treiben oder eine Klopapierrolle auf ihre volle Länge bringen, das war gestern angesagt. Heute liegt der Kater am liebsten auf der Couch und döst vor sich hin. Dolce far niente – das süße Nichtstun zieht er stundenlang jeglicher Aktivität vor. Nur hin und wieder unternimmt er einen Gang zum Fressnapf. „Was nichts drin? Das warst Du doch bestimmt, der sich hier bedient hat“, faucht er Hund Rudi an. Und damit der auch richtig versteht, was Winnie meint, gibt’s Katerkloppe. Eine kurze Zeit streiten die beiden, rollen über den Teppich. Wenn Rudi so richtig in Fahrt gekommen ist („Spielen, spielen, spielen!“), gibt ihm Winnie noch einmal kräftig eins auf die Nase und verzieht sich. Auf die Couch.

Ab jetzt muss Maß gehalten werden

Diese Lebensgewohnheiten rächen sich. Die Tierärztin, die Winnie alljährlich seinen Check up verpasst, war beim letzten Mal so gar nicht amüsiert. Denn er bringt inzwischen mindestens zwei Kilo zu viel für eine Katze seiner Rasse auf die Waage. Winnie, mit exaktem Namen Gershwin von Belada, ist eine Devon Rex. Diese sind eigentlich sehr schlank. Quasi wie eine Nacktkatze, bloß mit gelocktem Fell. In Winnies Fall ist das allerdings blanke Theorie – unser Moppel hat zwar einen Kopf wie eine Devon, den Körper aber von einer eher schwergewichtigen Bauernkatze. Die Tierärztin bestimmte: Ab jetzt muss Maß gehalten werden!

Nachbarn verteilen Leckerlis

Seit drei Monaten bekommt der Dicke nun sündhaft teures Diätfutter, morgens und abends streng abgewogen. Auch das Hundefutter steht nicht mehr einfach so zur Katzen-Selbstbedienung herum. Erfolge? Eine halbaufgefressene Maus auf unserer Terrasse („Was soll man denn machen, wenn man Hunger hat?“) und ein nur unwesentlich schlanker gewordener Hängebauch. Was wohl auch mit unseren Nachbarn zusammenhängt.

Denn Winnie zieht es nun immer öfter zu ihnen. Dort beklagt er sich laut mauzend über unser strenges Regime. Alle beteuern uns, ihm nie, niemals irgendetwas Fressbares zu reichen. Ehrlich! Nur hin und wieder mal ein, zwei, drei kleine Leckerli. Und nur zwei bis drei Mal am Tag. Multipliziert man jedoch die Zahl der Leckerlis mit der Anzahl der Nachbarn und ihrer Gebe-Freudigkeit, kommt eine stattliche Summe zusammen. Und nur ein einziges dieser Schmeckerchen hat schon drei Kalorien. Zum Vergleich: Eine ausgewachsene Katze mit durchschnittlicher Aktivität braucht 70 Kalorien pro Tag und Kilogramm ihres Gewichtes, also etwa 350 bis 400 Gramm.

Rache ist geplant

Wir werden wohl unserem Kater jetzt ein Schild umhängen müssen: „Füttern verboten! Bin auf Diät!” Und wer sich nicht dran hält, wird von uns gemästet. Bei der nächsten Grillparty, mit reichlich fettem Schweinefleisch, deftigen Würsten und ganz viel Alkohol. Das nennt man dann Rache.


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