Politikwissenschaftler gründete eigene Bootsbau-Manufaktur

Kajaks und Kanadier zum Selberbauen

15.01.2020, Angelika Giorgis

Fotos: Angelika Giorgis (1-2), Volkmar Eltzel (3). Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg. Als Teenager hatte sich Lutz Berger selbst ein Faltboot gebaut und paddelte durch heimische Gewässer. Später trieb es den studierten Politikwissenschaftler weiter weg in die Ferne. Er arbeitete unter anderem für die Entwicklungshilfe und als Wanderführer. Auf einer seiner Touren durch Skandinavien entdeckte er die schönen, eleganten Kajaks und Kanadier. Und da er schon immer handwerklich interessiert war, wollte auch er ein solches Holzboot bauen und nahm Kontakt zu einem amerikanischen Hersteller, der Bootsbausätze für den Hobbyhandwerker anbot, auf.

Die Lizenz vom Marktführer

2010 erhielt er schließlich von Cheasepeake Light Craft (CLC), dem US-Marktführer für Bootsbaupläne und -Bausätze, die Lizenz, Bausätze nach dessen Vorgaben auch für Deutschland, Österreich und die Schweiz herzustellen. Inzwischen produziert und vertreibt er aber auch Boote anderer Designer.

Bausätze mit Liebe zum Detail

Mittlerweile gibt es mehr als 40 verschiedene Modelle von Kajaks, Kanadiern, Ruder-, Segel- und Motorbooten. In der CNC- und Holzwerkstatt fertigt Lutz Berger die Bausätze mit viel Liebe zum Detail. Lediglich die Bausätze für die Guillemot-Leistenboote von Nick Schade werden importiert. Durchschnittlich kostet ein Berger-Boot 1.300 Euro. Der 47-Jährige vermarktet die Bausätze und Baupläne für seine Boote online.

Holz, Glasfaser und Epoxidharz

Wer einen solchen Bausatz von ihm erwirbt, stellt sein Boot im Stitch-and-Glue-Verfahren (Nähen und Kleben) her. „Diese Bauweise hat den Holzbootbau revolutioniert“, meint Berger. „Die Kombination aus Holz und glasfaserverstärktem Kunststoff ist sehr robust.“ Die Bauteile werden CNC gefräst, mit Kupferdraht genäht und anschließend mit Epoxidharz und Glasfasergewebe verstärkt. Ein Kajak in dieser Bauweise ist vergleichsweise leicht (etwa 18 bis 20 Kilogramm), wartungsfrei, hält ewig und lässt sich leicht reparieren. Kein Holz liegt offen. „Die Holzboote sehen nicht nur gut aus, sie fahren auch gut“, weiß Berger. „Im Kajak ist man näher am Wasser. Man sitzt tiefer im Boot und hat es gut unter Kontrolle. Der Kanadier ist offener und gemütlicher. Man hat mehr Platz für Gepäck. Die meisten Menschen entscheiden sich für einen Bootstyp und bleiben dann dabei.“

60 bis 80 Stunden für ein Boot

Boote werden das ganze Jahr über gebaut. Wer dafür zu Hause keinen Platz hat oder gerne in Gesellschaft und unter Anleitung tätig ist, kann zu einem Workshop kommen. Bergers Kompagnon Carsten Koppe betreut dann den Bau von maximal drei Booten gleichzeitig. Ein sechstägiger Workshop kostet 849 Euro pro Person zzgl. der Kosten für den Bausatz.

Nach sechs Tagen Werkstattarbeit sind zu Hause nur noch einige Restarbeiten zu erledigen. „Für einen Kanadier oder einen Kajak benötigt man ungefähr 60 bis 80 Arbeitsstunden“, berichtet der Bootsbauer. Zu den Workshops kommen unterschiedliche Leute – vom Studenten bis zum 80-jährigen Pensionär, aber auch Ehepaare. Viele Väter sind mit ihren Söhnen dabei. Das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren.

Seit zwei Jahren in der Herzbergstraße

Lutz Berger wohnt mit seiner Familie in Neukölln. Vor zwei Jahren musste er dort seine Werkstatt in einem Hinterhof aufgeben. „Wir haben lange nach einer bezahlbaren Alternative gesucht“, berichtet er. Hilfe kam schließlich von der Berlin Partner Wirtschaft- und Technologie GmbH. Das Public Private Partnership-Unternehmen stellte den Kontakt zum Fahrbereitschaftsbetreiber Axel Haubrok in der Herzbergstraße her, der dem Bootsbauer einen etwa 100 Quadratmeter großen Gewerberaum vermietete. Im Februar 2018 zog der 47-Jährige dort ein. Von zu Hause bis in die Herzbergstraße benötigt er etwa 30 Minuten, egal ob mit Auto oder Fahrrad. Hat er nichts zu transportieren, zieht er das Fahrrad vor, obwohl die Fahrradwege auf dieser Strecke durchaus noch ausbaufähig wären. Aber sein Fahrrad erspart ihm die langwierige Parkplatzsuche.

Lutz Berger ist nach wie vor ein begeisterter Paddler. Vor den Toren der Stadt hat er einen kleinen „Wochenend-Zufluchtsort am See“, wie er sagt. Dort liegen einige seiner Boote. Klar, dass die Familie bei schönem Wetter dann auch paddelt.

Mehr zu den Workshops, zum Bootsbau, zu Bausätzen und Bauplänen gibt es unter www.bergerboote.de, Tel. 030 20 98 97 77.


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