Vor Ort am Eastgate: Polizeistreifen öfter als bisher üblich

Jugendgewalt am Einkaufszentrum

29.03.2019, Birgitt Eltzel

Fotos: Birgitt Eltzel

Marzahn. Mittwochabend, 27. März, zwischen 18.30 und 20 Uhr: Häufiger als sonst sind uniformierte Polizeibeamte im Einkaufszentrum Eastgate am S-Bahnhof Marzahn zu sehen. Sie sitzen nicht nur in der mobilen Wache, einem Einsatzfahrzeug, das direkt am Eingang des Centers gegenüber dem Busbahnhof steht. Mehrere Zweierstreifen bewegen sich durch das Haus, sehen in den Passagen und in den Geschäften nach Ordnung. Auch aus der Marzahner Promenade selbst kommen Polizeibeamte, die dort nach dem Rechten gesehen haben. Seit dem 11. März ist nach Auskunft der Polizeipressestelle die polizeiliche Präsenz im Bereich des Eastgates verstärkt. Dabei seien verschiedene Polizeidienststellen Berlins eingebunden, zusätzlich würden gemeinsame Streifen mit dem Ordnungsamt Marzahn-Hellersdorf durchgeführt. Parallel würden konsequent durch den Sicherheitsdienst des Einkaufszentums bei Zuwiderhandlungen Hausverbote ausgesprochen. Die Polizei Berlin, insbesondere der zuständige Abschnitt 62, stehe mit dem Bezirksamt, mit sozialen Einrichtungen und Vereinen in Kontakt.

Zusammengeschlagen und verletzt

Dass rund um das Eastgate nun öfter Uniformierte zu sehen sind, hat seinen Grund. Denn unter den Jugendlichen, die sich sowohl im Center, im Bereich der Food Lounge im ersten Obergeschoss als auch im äußeren und inneren Eingangsbereich sowie im näheren Umfeld aufhalten, fanden häufig Auseinandersetzungen statt. Doch vor kurzem waren dort abends auch Männer durch Mitglieder von Jugendgruppen niedergeschlagen worden und teils schwer verletzt worden. Auch andere Passanten wurden mehrfach angepöbelt. Die Taten ereigneten sich immer in den Abendstunden. Laut Antwort der Polizei auf eine entsprechende Anfrage von LiMa+ wurden im Bereich seit Januar dieses Jahres “vermehrt Destruktions- und Rohheitsdelikte (gefährliche Körperverletzungen, Raubtaten und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte) ” verzeichnet.

Sicherheitsgefühl der Menschen beeinträchtigt

Bereits seit etwa zwei Jahren gibt es rund um das Eastgate immer wieder Ärger mit Jugendgruppen. Laut Polizei bestehen die Gruppen, die teilweise eine Stärke bis zu 40 Personen hatten, vor allem “aus männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden mit Migrationshintergrund und weiblichen Jugendlichen überwiegend aus dem Wohnbereich des Bezirks Marzahn-Hellersdorf”. Ein Teil der männlichen Jugendlichen komme auch aus anderen Bezirken Berlins nach Marzahn. “Zumeist handelt es sich dabei um Personen arabischer, mittel- und nahöstlicher Herkunft (Syrien, Irak, Afghanistan). In den Gruppen befinden sich unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, aber auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, deren Erziehungsberechtigte sich im Bezirk Marzahn-Hellersdorf aufhalten. ” Im Rahmen der Zusammenkünfte kam und kommt es laut Polizeiaussagen regelmäßig zu Pöbeleien gegenüber Passanten, zu Lärmbelästigungen, Auseinandersetzungen untereinander bis hin zu Straftaten wie Diebstahl, Raub und Körperverletzungen. Das Sicherheitsgefühl der Eastgate-Kunden und der Anwohner sei dadurch beeinträchtigt.

Thema beschäftigt auch BVV

Schon mehrfach hatte dieses Thema die Bezirksverordnetenversammlung  (BVV) beschäftigt. Vor allem, nachdem über die zunehmende Jugendgewalt durch traditionelle Medien, aber auch in sozialen Netzwerken berichtet wurde. Auch in der März-BVV gab es dazu Anfragen von SPD und CDU. Bis auf die Einrichtung einer Mobilen Polizeiwache im Sommer 2018 war jedoch kaum etwas geschehen. Und diese hatte, wie die Ereignisse von Ende Februar 2019 zeigten, bisher nur wenig ausgerichtet. Streetworker, wie mehrfach von verschiedenen Verordneten gefordert, waren dort noch nicht gezielt eingesetzt worden.

Gruppen wechseln ihre Aufenthaltsorte

Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke) sagte, die Gruppen, deren Mitglieder nicht nur aus Marzahn-Hellersdorf kämen, seien bekannt – und auch nicht nur in Marzahn aktiv. Sie wechselten ihre Standorte: „Wenn der Druck hier zu stark wird, gehen sie nach Hohenschönhausen oder Treptow-Köpenick.“ Sie kritisierte auch die Mobile Wache: „Die Beamten sollten nicht immer nur im Auto sitzen, sondern wirklich mobil sein.“ Das werde sie beim nächsten der regulären Treffen der Bürgermeister der drei Bezirke Lichtenberg, Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf mit Vertretern der zuständigen Polizeidirektion 6 ansprechen.

Mobile Wache nicht immer vor Ort

Laut Polizei werden die mobilen Wachen der Polizei Berlin an wechselnden Standorten eingesetzt. Am Eastgate sei sie derzeit in dreiwöchigem Rhythmus, in der Regel in der Zeit von 14 bis 20 Uhr. “Die dort eingesetzten Beamten haben vor allem die Aufgaben Hinweise, Anliegen und auch Anzeigen der Bürger entgegenzunehmen. Zu diesem Zweck müssen sie sich auch am bzw. im Fahrzeug aufhalten. Zurzeit unterstützen sie zudem die Maßnahmen der anderen am Eastgate eingesetzten Polizeikräfte”, heißt es.

Entschiedenes Vorgehen erforderlich

Unser Selbstversuch am Mittwochabend zeigte, dass die Polizei derzeit am Eastgate aktiv ist. Ob es so bleibt, ist abzuwarten. Allerdings wäre es wohl keinem Bürger zu vermitteln, wenn nach einiger Zeit der Ruhe das Problem erneut auftaucht. Es muss deshalb entschieden vorgegangen werden: Gewalttäter sind zu ermitteln und abzuurteilen. Und um Mitläufer sollten sich Sozialarbeiter kümmern, so wie es u.a. Alexander J. Herrmann, der Fraktionsvorsitzende der CDU in der BVV, gefordert hat. Am Mittwochabend waren übrigens anfangs nur kleine Grüppchen von Jugendlichen zu sehen. Sie verschwanden rasch, als die Polizeistreifen aufkreuzten.

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