Johannes-Fest Platz eingeweiht

06.02.2014, Volkmar Eltzel

Foto: Volkmar Eltzel

Lichtenberg hat seit Mittwoch, 5. Februar, eine neue Adresse: Johannes-Fest-Platz heißt das rund 2.200 Quadratmeter große Areal vor dem ehemaligen Theater Karlshorst, begrenzt von Theatergasse, Ehrenfelsstraße und Treskowallee. (Wir berichteten bereits)

Vor mehr als 200 Gästen aus Politik, von Organisationen und Verbänden würdigte Bürgermeister Andreas Geisel (SPD)  Johannes Fest (1889-1960) als kompromisslosen Hitlergegner, kämpferischen Demokraten und scharfsinnigen, humorvollen Bildungsbürger. Fest, bis 1933 Rektor der 20. Grundschule in Karlshorst, wurde nach der Machtergreifung Hitlers wegen seiner antinazistischen Haltung von den Nationalsozialisten gedemütigt, unter massiven Druck gesetzt, in die NSDAP einzutreten, und – als er widerstand, schließlich mit Berufsverbot belegt.

Der Karlshorster Katholik, der in der Hentigstraße wohnte, wurde nach Kriegsende und sowjetischer Kriegsgefangenschaft Mitglied der CDU. Er war Bezirksschulrat in Berlin-Tempelhof sowie Bezirksverordneter in Neukölln und Lichtenberg. Dem Berliner Abgeordnetenhaus gehörte er in dessen ersten beiden Legislaturperioden 1950 bis 1958 an. 1960, kurz vor seinem Tod, wurde ihm die Stadtältestenwürde verliehen.

Andreas Geisel dankte den demokratischen Parteien der Bezirksverordnetenversammlung, die einstimmig die Namensgebung beschlossen hatten. Lichtenberg stehe heute für Vielfalt, Toleranz und Familienfreundlichkeit. Er dankte auch dem gerade zurückgetretenen Kulturstaatssekretär André Schmitz, der jahrelang auf die Platzbenennung gedrungen hatte, und dem Geschäftsführer des Berliner Auktionshauses Villa Grisebach, Bernd Schultz, der beharrlich die Idee vorantrieb. Der Enkel des Geehrten, Rechtsanwalt und Publizist Nicolaus Fest, sagte: „Das starke, langsame, aber hartnäckige Bohren harter und dicker Bretter für die Platzbenennung hätte meinem Großvater gefallen.“ Es freue ihn, dass der Name des Platzes für Zivilcourage und Mut stehe, unweit von dem Ort, wo das Ende des dritten Reiches besiegelt wurde. Die Kapitulation Hitlerdeutschlands wurde in der Zwieseler Straße 4 in Karlshorst unterzeichnet, wo sich  heute das Deutsch-Russische Museum befindet.

Vor der Enthüllung des Namensschildes las Schauspieler Ulrich Matthes Episoden aus dem Buch „Ich nicht. Erinnerungen an eine Kindheit und Jugend“ von Sohn Joachim Fest. Vor der feierlichen Namensgebung hatte in der katholischen St. Mariengemeinde, Gundelfingerstraße, eine Andacht für Johannes Fest stattgefunden.

 

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