Jüngstes Mitglied im Vorstand des MHWK

Jenny Koch verdoppelt Frauenanteil

19.03.2014, Klaus Tessmann

Foto: Klaus Tessmann

Marzahn-Hellersdorf. Der Marzahn-Hellersdorfer Wirtschaftskreis hat einen neuen Vorstand gewählt (zum Beitrag: Wirtschaftskreis auf Erfolgskurs). Eine Neue im Gremium ist eine langjährige Bekannte aus dem Wirtschaftskreis, Jenny Koch. Mit ihren erst 29 Jahren nun jüngstes Vorstandsmitglied, ist sie gleichfalls ein Gewinn für den Geschlechterproporz und verdoppelt ab sofort den Anteil der Frauen, da bisher neben acht Männern nur eine Frau den Vorstand besetzte. Damit zieht die jüngere Generation in das Gremium ein, denn Andreas Dix hat nach vielen Jahren seine Arbeit beendet und als Nachfolgerin die Prokuristin des Autohauses Koch vorgeschlagen.

Liebe zur Bühne
Seit fünf Jahren arbeitet Jenny Koch im Automobilhandelsunternehmen ihres Vaters Thomas Koch. Diese Entscheidung war ihr nicht in die Wiege gelegt worden, eigentlich wollte die zierliche, temperamentvolle Frau eine künstlerische Laufbahn einschlagen. Sie ist ein Kind des Prenzlauer Berges, aufgewachsen und zur Schule gegangen im Bötzowviertel. „Das ist ein schöner Bezirk, mein Bezirk – und ich wohne gern dort“, meint Jenny Koch. Im Alter von elf Jahren entdeckte sie ihre Liebe zum Theater. Sie spielte sich im Kinder- und Jugendensemble des Friedrichstadtpalastes dank ihres Talents in große Rollen und stand beispielsweise für die Revue „Hexenzeit und die Kuh Lulu“ auf der Bühne. „Das war eine ganz tolle Zeit“, erinnert sich Jenny Koch. Sie wollte zur Schauspielschule Ernst Busch, hatte schon mit 17 Jahren einen Agenturvertrag und sammelte die ersten Erfahrungen beim Film. Rückblickend schätzt sie jedoch ein, dass der Film nichts für sie gewesen wäre. Sie liebte es, vor Publikum zu spielen und die Reaktionen sofort und ohne Filter zu bekommen. „Bei Film und Fernsehen lag nun mal nicht meine Leidenschaft.“ Nach dem Abitur stand sie vor einer Lebensentscheidung – ist es wirklich meine Zukunft, als Schauspielerin nirgends sesshaft zu sein, immer dorthin zu ziehen, wo man gerade spielt?

Ein Familienmensch
Nach dem Abitur nahm die junge Frau eine Auszeit, zog in ein kleines österreichisches Dorf, um über ihre Zukunft nachzudenken. „Ich bin ein Familienmensch, habe noch vier Geschwister“, erklärt sie die Entscheidung, die sie damals traf. Als Schauspielerin ständig unterwegs zu sein, kaum Zeit für eine Familie zu haben, war letztlich nur zweite Wahl. „Die Familie ist Mittelpunkt und wichtiger Ausgleich für mich – bei aller Liebe zum Theater“, sagt sie.

Nach der Auszeit begann für die quirlige Jungschauspielerin also das strukturierte Leben im Betrieb ihres Vaters Thomas Koch. „Ich habe die Arbeit meines Vaters immer bewundert und geschätzt. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis und mein Vater versteht es bis heute, mich zu begeistern.“

Ausbildung auch in Florida
Die Arbeit in der Autowerkstatt war der Abiturientin nicht fremd. „Schon mit zwölf Jahren habe ich bei Veranstaltungen im Autohaus mitgeholfen“, berichtet sie. Dazu kamen verschiedene Praktika. Schließlich eine zweijährige Ausbildung zur Automobilkauffrau, um anschließend an der Bundesfachschule in Calw Betriebswirtin für das Kfz-Gewerbe zu werden. „Obwohl früher in der Schule meine Sympathien überwiegend den musischen und nicht den naturwissenschaftlichen Fächern gehörten, habe ich diese Ausbildung mit ‘sehr gut’ abschließen können. Das Fachgebiet liegt mir einfach.“ Fundierten Einblick in die internationale Unternehmensaufstellung holte sich die Berlinerin im Automobilland Nr. 1, an der Northwood University im US-Bundesstaat Florida.

Stolz auf den Vater
Wieder zuhause, schickte Vater Koch die Absolventin erst einmal in die unterschiedlichen Bereiche des Unternehmens. Die Tochter musste sich innerhalb der Autohaus Koch GmbH ihre Sporen erst verdienen, ob als Assistentin der Geschäftsleitung oder Filialleiterin in Köpenick – Familienbonus gab es keinen. „Ich wurde in der Firma niemals als Tochter des Chefs scheel angesehen. Mein Vater ist jetzt 51 Jahre alt. Wir zwei Generationen Koch sind zu einem tollen Team geworden und werden auch so akzeptiert.“ Jenny Koch ist stolz auf die Leistungen ihres Vaters. „Er hat 1993 mit einem Autohandel im Container in Marzahn angefangen. Heute haben wir knapp 300 Mitarbeiter.“ Viele von ihnen sind von Anfang an mit dabei und lassen auch nach über 20 Jahren nichts auf ihr Unternehmen kommen, das nunmehr Koch Automobile AG heißt.

Kümmern um Azubis
Jenny Koch sieht einen Schwerpunkt ihrer Aufgaben darin, sich um die Lehrlinge zu kümmern und neue Auszubildende zu gewinnen. Das ist heute nicht mehr ganz einfach. Bewerber stehen nicht wie einst Schlange, dabei ist eine solide Ausbildung für junge Menschen enorm wichtig, weiß Jenny Koch aus eigener Erfahrung. So wirbt sie bei Messen und in Schulen um geeignete Kandidaten für Praktikums- und Ausbildungsplätze im Koch-Unternehmen. Über die Region hinaus setzt Jenny Koch dabei auf die Zusammenarbeit mit Vereinen wie Kids & Co oder die Akademie für Berufsförderung und Umschulung gGmbH, ABU. „Es gibt viele freie Träger, die zum Beispiel im Rahmen des Leonardo-da-Vinci-Programms der EU auf eine Ausbildung in einem Unternehmen vorbereiten oder die Ausbildung durch die Möglichkeit einer Auslandserfahrung unterstützen. Es bestätigt unsere Initiativen, wenn ich sehe, dass schulschwache Jugendliche in der Berufsausbildung oft über sich hinauswachsen können“, sagt die Betriebswirtschaftlerin.

Für sie sind persönliche Netzwerke im Bezirk und darüber hinaus ganz wichtig. Ihrer Meinung nach unterstützen die sozialen und medialen Netzwerke die Arbeit und den Informationsaustausch ganz wesentlich, ersetzen aber persönliche Gespräche und Begegnungen nicht.

Neue Herausforderungen
Für ihre neue Arbeit im Vorstand des MHWK hat sich Jenny Koch einiges vorgenommen. Der renommierte Wirtschaftsverein hat bei vielen Projekten und auch beim bezirklichen Bündnis für Arbeit Sitz und Stimme. Dieses Potenzial will sie nutzen, um Unternehmen und Ideen zueinander zu bringen und letztlich neue Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze zu schaffen. „Mir macht die Arbeit viel Spaß und ich freue mich sehr auf die neuen Herausforderungen“, so das neue Vorstandsmitglied.

 

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

  1. Schöner Artikel...
  2. … und eine grundsolide Entscheidung den kaufm. Bereich zu gehen. Da kann man nur alles Gute wünschen.

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden