Im Geomuseo lernen Besucher die Erdgeschichte kennen

Jeder Stein ein Schatz

24.10.2015, Marcel Gäding

Foto: Marcel Gäding

Hellersdorf. Der Weg zum Bahnhof Wuhletal kann für Herbert Schlegel schon etwas Zeit in Anspruch nehmen. Aufmerksam blickt der Geologe auf den Schotter, in dem er den einen oder anderen Schatz vermutet. Jeder Stein auf seinem Weg könnte ein neues Fundstück für seine Sammlung werden, die mehr als eine Millionen Exponate umfasst. Seit seiner Kindheit haben es dem heute 80-Jährigen Edelsteine, Mineralien und Fossilien angetan. Ein kleiner Teil seiner Exponate ist im Geomuseo zu sehen, dem wohl kleinsten geologischen Museum Berlins, wenn nicht sogar der Bundesrepublik.

Saurierknochen und Bernstein
Wer das Geomuseo sucht, muss gute Augen haben: Klein sind die Schilder, die auf seine Existenz in der zweiten Etage des „Grünen Hauses“ an der Boizenburger Straße 52 hinweisen: Am Rande des Wuhletals entstand dort vor rund zwei Jahren auf gerade einmal 40 Quadratmetern Fläche eine kleine, aber feine Ausstellung. Gesteine sind dort ausgestellt, Natursteine und Mineralien, Fossilien und Bodenschätze. „Wir möchten im Museum das Basiswissen über die Geologie vermitteln“, sagt Herbert Schlegel. Dabei gehe es um die Geschichte der Erde und ihre Entstehung. Lohnenswert ist eine Führung mit dem Geologen, der 90 Prozent aller Exponate zusammentrug. Einen echten Knochen eines Sauriers kann er zeigen, auch Bernstein in seinen schönsten Formationen. In den Regalen liegen ein Achat, gefunden in Schlottwitz bei Dresden, und eine Wüstenrose aus der Sahara. Aus Pakistan stammt ein Aquamarin. Aber auch aus Marzahn und Hellersdorf finden sich kleine Schätze, die eine ganze Menge Informationen über die erdgeschichtliche Entstehung preisgeben. Schlegel sagt, dass die Region siebenmal von einem Gletscher überzogen war. Die von den gewaltigen Eismassen transportierten Gesteine finden sich auch heute noch im Erdreich. „Mit dem Bau von Hellersdorf kamen Ende der 1980er-Jahren unendlich viele Findlinge zum Vorschein,“ erinnert sich Schlegel. Kurzerhand bezeichnet er Hellersdorf deshalb auch als Hellersdorfer Steinreich, durch das er regelmäßig fachkundige Führungen anbietet.

Exponate aus aller Welt
Dass Schlegel Mitinitiator eines geologischen Museums ist, macht ihn stolz. Ein lang gehegter Traum geht für den Geologen in Erfüllung. Schon als junger Mann leitete er in Schulen der DDR Arbeitsgemeinschaften und versuchte, Kinder und Jugendliche für die Geologie zu begeistern. Das gelang ihm anfangs nur bedingt: Im mecklenburgischen Holthusen richtete er mit seiner Schüler-AG in einer leerstehenden Bäckerei eine Ausstellung zur Erdgeschichte ein. „Wir hatten null Besucher“, sagt Schlegel heute und schmunzelt. Von seinem Plan, einmal ein Geologie-Museum zu betreiben, rückte er jedoch nie ab. Mit der von ihm angestoßenen Gründung der „Deutschen Gesellschaft für geologische Schüler- und Volksbildung“ – kurz geoschub – gewann das Vorhaben dann doch noch an Fahrt. Schon zu DDR-Zeiten nutzte er den Trockenkeller seines Wohnhauses in Hellersdorf, um dort eine Auswahl seiner Steine zu präsentieren. Die sammelte er weltweit, oftmals unter abenteuerlichen Bedingungen. So brachte er einst aus den USA einen ganzen Koffer voller Steine mit zurück.

Neue Ausstellung wird vorbereitet
Ginge es nach Herbert Schlegel, könnte die Ausstellungsfläche zehnmal größer sein. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt er. Derzeit können nur rund 200 Exponate gezeigt werden. Der jüngste Neuzugang ist ein Bohrkern aus einem Plattenbaufundament, den Schlegel mit seinen Vereinskollegen in einem Keller fand. Das monströse Exponat steht jetzt auf einem kleinen Tischlein. Im Geomuseo sind auch Bohrer zu sehen, mit denen unter anderem in der DDR nach Bodenschätzen gesucht wurde. Derzeit bereitet das Museum eine Ausstellung über Edelsteine vor.

Ehrenamtliche Helfer gesucht
Dem Geologen ist es wichtig, Kinder und Jugendliche für die Geschichte von Steinen, Mineralien und Fossilien zu begeistern. Und das funktioniert: Kinderaugen leuchten, wenn er erklärt, woher er den einen oder anderen Kristall hat und wie das Skelett von einem Säugetier in einen Stein kam. Führungen und Vorträge sind im Geomuseo kostenfrei. Derzeit sucht der Verein geoschub Menschen, die sich ehrenamtlich im Museum engagieren wollen und die Anspruch auf eine kleine Aufwandsentschädigung haben. Gemeinsam mit der PR-Expertin Peggy Möller lässt der Verein zudem einen neuen Flyer erarbeiten. „Diese Einrichtung ist ein wahrer Geheimtipp“, sagt Möller, die durch Zufall vom Geomuseo erfuhr.

Das Geomuseo ist montags bis sonnabends von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Boizenburger Straße 52, Raum 2.14, 12619 Berlin. Infos: www.facebook.com/geomuseoberlin

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden