Heimatverein besteht seit einem Vierteljahrhundert

Interesse an Geschichte steigt

25.02.2016, Linna Schererz

Foto: Linna Schererz

Marzahn-Hellersdorf. Bei seiner zehnten Pressekonferenz am Mittwoch, 24. Februar, stellte der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf nicht nur zwei druckfrische Publikationen zur Sportgeschichte und zur Migration im Bezirk vor, sondern auch ein Heftchen in eigener Sache. Das heißt „Kleine Geschichte“ – und meint die des Vereins. Denn es gibt ein Jubiläum zu feiern: Am 21. Januar wurde er ein Vierteljahrhundert alt. Damals war der Heimatverein Hellersdorf, Kaulsdorf, Mahlsdorf e.V. gegründet worden, sieben Jahre später entstand mit dem Förderverein für das Bezirksmuseum auch in Marzahn eine ähnliche Institution. Nach der Fusion von Marzahn und Hellersdorf im Jahr 2001 (die eigentlich eine Wiedervereinigung war, denn bis 1986 gehörte Hellersdorf zu Marzahn, vor 1979 zu Lichtenberg) fanden auch die beiden Vereine zusammen – seit 2002 gibt es den Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.V.

Vorträge ohne Power Point und Videos
Dessen Vorsitzender Wolfgang Brauer konstatiert: „Das Interesse an der Regionalgeschichte hat zugenommen.“ Vorträge zu speziellen Themen der Entwicklung im Bezirk, die Mitglieder des Heimatvereins vor allen im Bezirksmuseum und in Stadtteilzentren halten, sind meist gut bis sehr gut besucht. Besonders Themen zu Kunst und Künstlern, zu spektakulären Ereignissen wie beispielsweise der Luftschifffahrt in Biesdorf und zum Alltagsleben der Menschen in den fünf Ortsteilen kommen an. Vereins-Vizechefin Dr. Christa Hübner, die selbst etliche der Vorträge hält, ergänzt: Bei einem Lichtbildervortrag „Marzahn von den Anfängen bis zur Gegenwart“ sei es so voll geworden, dass man sich einen größeren Raum suchen musste, um alle Besucher unterzubringen. Auch Veranstaltungen zur Schulgeschichte oder zur Historie des Guts Kaulsdorf, wo einst Achard die Zuckergewinnung aus Rüben erfand und heute Schilkin Schnaps produziert, zögen. „Dabei arbeiten wir nicht mal mit neuester Technik“, sagt Brauer schmunzelnd, „es gibt keine Power Point Präsentationen oder Filme. Wir machen das ganz altmodisch.“ Er habe festgestellt, dass das die Besucher das keineswegs stört: „Sie legen viel mehr Wert auf den gemeinsamen Gedankenaustausch nach den Vorträgen.“

Etliche Publikationen schon vergriffen
Die Publikationen des Vereins, die aus Materialien zum jährlichen „Tag der Regional- und Heimatgeschichte“ entstehen, sind ebenfalls gut nachgefragt. Ganz besonderes Interesse habe die Broschüre zur Verkehrsgeschichte gefunden. „Sie war schnell vergriffen, das hatten wir vorher so gar nicht angenommen“, sagt Christa Hübner. Von dem Heft zur Geschichte der Region während der Zeit des Nationalsozialismus seien ebenfalls nur noch wenige Exemplare vorrätig. Auch ältere Schriften seien inzwischen nicht mehr am Lager, ein Nachdruck vor allem aus Kostengründen für den Verein derzeit nicht machbar. Eine Anregung, es doch einmal mit preiswerten E-Books zu versuchen, soll geprüft werden.

Aktuelles Thema Migration
Ganz aktuell ist die berlinweit einmalige Broschüre „Besiedlung, Bevölkerung, Migration“, das Thema des Tages der Regional- und Heimatgeschichte 2015, die sich mit der Zuwanderung in die Region von der Urgeschichte bis zur Gegenwart beschäftigt. „Wir haben schon das 2014 geplant“, erzählt Brauer, „damals war noch nicht absehbar, welche große Bedeutung die Problematik jetzt bekommt.“ Wichtig sei dem Verein gewesen, aufzuzeigen, dass Migration im Gebiet eigentlich nichts Neues sei und damit die Diskussion zu versachlichen: „Denn das hat es schon immer hier gegeben.“ So befassen sich Aufsätze nicht nur mit der Ansiedlung von Pfälzer Kolonisten in Marzahn, sondern u.a. auch mit dem Zuzug von Vietnamesen seit den 1980er-Jahren, den Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion sowie den Asylbewerbern und Geflüchteten Anfang der 1990er-Jahre, vor allem im Zuge des Jugoslawienkrieges.

Fakten und Zahlen:

Der Heimatverein Marzahn-Hellersdorf e.v. hat 140 Mitglieder, darunter 32 Firmen, Schulen und andere Kooperationspartner, sogenannte institutionelle Mitglieder. Ein Problem: Die meisten (natürlichen) Mitglieder sind im höheren Alter, Nachwuchs fehlt. Ein weiteres: Firmen engagieren sich weniger als früher, Sponsoring wurde zurückgefahren.

Erfolgreiche Initiativen des Vereins (und seiner Vorgänger in den Altbezirken Marzahn und Hellersdorf) waren beispielsweise die Wiederherstellung der Turmspitze der Jesuskirche in Kaulsdorf, die Nutzung der alten Dorfschule Marzahn als Bezirksmuseum und der früheren Heinz-Lüdecke-Bibliothek als Haus 2 des Museums. Einen Anstoß gab der Verein auch für die Anfang dieses Jahres erfolgte Entscheidung, das historische Gebäude der Achard-Grundschule in Kaulsdorf zu sanieren statt, wie vorher geplant, abzureißen.

Arbeitsschwerpunkte sind neben dem jährlichen “Tag der Regional- und Heimatgeschichte” Vorträge, Führungen und Exkursionen zu heimat- und regionalgeschichtlichen Themen.

In der Schriftenreihe „Beiträge zur Regionalgeschichte“ sind bisher 13 Publikationen erschienen, die beiden neuesten sind ab Donnerstag, 25. Februar, in ausgewählten Buchhandlungen und im Bezirksmuseum, Alt-Marzahn 51, erhältlich. Preis: 6 bzw. 7 Euro.

Das 25-jährige Vereinsjubiläum soll mit einer festlichen Hauptversammlung am 20. April begangen werden, dabei wird auch der Vorstand neu gewählt.

Der „Tag der Regional- und Heimatgeschichte 2016“ wird sich mit der Kirchengeschichte der Region beschäftigen (in Vorbereitung der 2017 beginnenden Reformationsdekade). Er findet am 5. November statt.

Weitere Informationen zum Verein und zu Veranstaltungen:
www.heimatverein-marzahn.de

 

 

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