Drinnen + draußen

In der Umkleidekabine

03.03.2019, Linna Schererz

Fotos: Birgitt Eltzel

Shoppen gehen entspannt, ist eine gängige Weisheit. Neue Schuhe oder ein schönes Kleid können die Laune durchaus heben. Deshalb verordnen wir Frauen uns manchmal einen Geschäftsbummel. Schließlich haben viele von uns damals die Serie „Sex and the City“ im Fernsehen wie süchtig verfolgt und dabei auch gelernt, dass Mode das Bewusstsein erweitern kann. Schicke Pumps, ein tolles Oberteil oder eine perfekt sitzende Hose können durchaus berauschend wie eine Droge wirken.

Die Ernüchterung

Allerdings kommt bei den meisten von uns, die nicht wie Carrie Bradshaw über Size Zero verfügen, spätestens in der Umkleidekabine die Ernüchterung. Wer hat sich eigentlich diese gnadenlose Beleuchtung dort einfallen lassen, die alle unsere kleinen und größeren Unebenheiten so richtig hervorhebt? Zellulite, Orangenhaut, das eine oder andere Pölsterchen und das Hüftgold scheinen uns regelrecht aus dem Spiegel anzugrinsen: Na, vielleicht mal eine kleine Diät gefällig? Ein bisschen mehr Gymnastik? Wieder regelmäßig Schwimmen gehen und nicht nur zum Relaxen in die Wellnesssauna? In der Umkleidekabine lernt frau Demut.

#metoo?

Vielleicht ist das ja so gewollt. Das Lichtkonzept dort haben sich bestimmt Männer einfallen lassen, denke ich jedes Mal ein wenig ärgerlich. Und komme unweigerlich zu #metoo. Denn ist es nicht auch etwas sexistisch, kleine Mängel so unübersehbar zu machen? Ach, ich vergaß: Auch Männer benutzen die Kabinen. Das ist allerdings etwas ganz anderes. Denn der Durchschnittsmann befragt schließlich selten großartig den Spiegel. Er schlüpft in die ausgesuchten Klamotten, stellt fest: Passt schon – oder eben nicht. An sich selbst zweifelt er kaum. Wenn etwas nicht sitzt, kann das doch bloß an den schlecht geschnittenen Sachen liegen, oder?

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