Rezepte aus 26 Ländern in einem Kochbuch: „So schmeckt Marzahn“

Auf 60 Tellern um die Welt

09.08.2019, Steffi Bey

Fotos: Steffi Bey. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn. Genuss pur statt Kalorien zählen:  – Auf 60 Tellern um die Welt – so schmeckt Marzahn  – ist ein ganz besonderes Buch. 60 Hobbyköche aus 26 Ländern haben sich in dem 198-seitigen Werk verewigt. Sie kommen beispielsweise aus Syrien, der Türkei, dem Iran, aus Österreich, Bosnien, Afghanistan oder Vietnam. Und irgendwie sind sie von vornherein miteinander verbunden. Denn alle leben oder arbeiten in Marzahn.

Gemeinsam Kochen

Genau wie Martina Polizzi vom Stadtteilzentrum Marzahn Mitte. Die engagierte Chefin der von der Volkssolidarität betriebenen Einrichtung hatte die Idee für das Projekt. „Als wir uns 2015/2016 um geflüchtete Menschen in Notunterkünften kümmerten, äußerten sie den sehnlichen Wunsch nach selbst zubereiteten Gerichten aus der alten Heimat“, erzählt die Leiterin. Kurze Zeit später lud das Marzahner Team erstmals mehrere Familien zum gemeinsamen Kochen ein. „Es war ein sehr schöner Nachmittag, wir haben viele gute Gespräche geführt, viel gelacht, dabei gekocht und anschließend zusammen ‚die fremde Kost‘ verspeist“, erinnert sich Martina Polizzi.

Schnippeln, braten, backen und reden

Aus diesen Anfängen entwickelte sich schließlich eine eigene Veranstaltungsreihe. Jede Woche trafen sich Frauen und Männer aus unterschiedlichen Ländern in der kleinen Küche. Stundenlang wurde dort zusammen geschnippelt, gebraten, gekocht und gebacken. Zuvor kauften sie die Zutaten ein – fuhren extra in andere Bezirke und fanden dort Geschäfte, die exotische Gewürze und Speisen anbieten. Am Esstisch saßen manchmal bis zu 30 Personen. „Ich habe sehr gerne mitgemacht und für mich war es in jeder Hinsicht eine Bereicherung, andere Menschen und ihre Kulturen kennenzulernen“, berichtet Saloua. Die aus Damaskus stammende Syrerin lebt seit drei Jahren im Bezirk, engagiert sich unter anderem ehrenamtlich im Nähcafé Marzahn, leitet einen Strickkurs in einer Flüchtlingsunterkunft und gibt Interessierten Unterricht in arabischen Tänzen. Und sie kocht natürlich gerne. Manakish – eine arabische Pizza – steuerte die Powerfrau für das Buch bei.

Mantu im speziellen Gartopf

Auch Hamed aus Afghanistan, der früher in seiner Heimat nie kochte, machte mit. „Inzwischen ist das mein Hobby“, verkündet der 28-Jährige. Er bereitete ein wirklich aufwendiges Gericht namens Mantu zu, für das ein spezieller Gartopf nötig war. Seine Mutter sei stolz auf ihn, weil sie nicht glauben wollte, dass er plötzlich selber am Herd steht. „Meine deutschen Freunde haben es sogar schon begeistert nachgekocht“, freut sich Hamed.

Die 60 Gerichte, die im Buch ausführlich beschrieben und illustriert werden, sind so unterschiedlich wie die Köche selbst. Dabei geht es um deftige Hauptgerichte mit Gewürzen, die in Deutschland noch nicht so bekannt sind. Aufgeführt werden unter anderem Reis- und Teigspeisen, Eintöpfe und jede Menge Süßes zum Nachtisch. Latifa, die vor 20 Jahren aus Bosnien nach Deutschland kam, „zauberte“ beispielsweise Hurmasice – aus Schmand, Ei und Kokosraspel, Mehl, Backpulver, Zucker und Wasser. Schon der Anblick des Fotos weckt beim Betrachter den Appetit.

Die Köche sind im Buch abgebildet

Aber das ist auch das Schöne an dem einmaligen Kochbuch: Jeder, der zum Inhalt beigetragen hat, ist mit seinem Gericht abgebildet. Außerdem erfährt der Leser ein paar persönliche Details über die Menschen. Manche steuerten ebenso ein Foto aus der alten Heimat bei.

Nach zwei Jahren kulinarischer Arbeit liegt jetzt die erste Auflage mit 200 Exemplaren vor. Finanziell gefördert wurde das Vorhaben mit Mitteln aus der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales, aus dem Sozialfonds der Volkssolidarität und mit Geld aus der Europäischen Union.

Martina Polizzi und der Fotoamateur Joachim Adam gestalteten die Publikation. „Für uns Autoren bestand die Herausforderung darin, die beim Zubereiten verwendeten Mengen auf ein kochbuchtaugliches Maß umzurechnen“, macht die Berlinerin deutlich. Manches kochte sie daheim selbst nochmal für vier bis sechs Personen nach.

Mit viel Liebe zubereitet

Beim Vergleich einzelner Rezepte aus verschiedenen Ländern tauchten etliche Ähnlichkeiten auf. Und sie betont: Ein Ratgeber etwa für gesunde Ernährung sei das Gedruckte keinesfalls. Im Gegenteil – literweise Öl und Butter, reichlich Zucker, Sirup und Mehl wurde verwendet. Aber das Wichtigste, alles entstand mit viel Liebe und dauerte oft stundenlang. Und es zeige deutlich: „Dass die Neuen, die hierher nach Marzahn kommen, auf jeden Fall unser Leben bereichern.“ So unterschiedlich auch Kultur und Tradition sind, das entstandene Werk verbindet all diese Menschen miteinander.

Interessierte können  – Auf 60 Tellern um die Welt – so schmeckt Marzahn  – bei der Volkssolidarität (Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte), Marzahner Promenade 38, gegen eine Spende von 20 Euro erwerben. Weitere Informationen unter Telefon: 32 51 92 18.


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