Gedankenbrösel. Vorschläge ernsthaft prüfen und mal ausprobieren

Immer ein Genörgel und Gemecker!

11.08.2019, Mike Abramovici

Foto: Birgitt Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Sind wir wirklich ein Volk von lauter Griesgramen, Nörglern, Meckerern, kleinen Besserwissern? Manchmal glaube ich das schon. Egal, welche Vorschläge von oben kommen, es wird erst einmal gemeckert. Immer wird ein Haar in der Suppe gesucht. Selten wird erstmal das Positive gesehen.

Picken wir uns ein Beispiel heraus: Verkehrspolitik. Ich sage es gleich vorneweg, ich bin kein großer Fan vom Bundesverkehrsminister. Sicher hat Andreas Scheuer (CSU) schon viel Blödsinn herausposaunt, wenn wir allein zur Maut schauen oder zu den Diesel-Abkommen mit den Autokonzern, alles sehr mysteriös, alles sehr zu hinterfragen.

Rücksichtnahme muss gegenseitig sein

Jetzt aber mal ein großes Lob: Herr Scheuer will Fahrradfahren in Deutschland attraktiver und sicherer machen. Er setzt sich für neue Mobilitätsformen wie Elektro-Tretroller, für den Bau von Radwegen, für eine bessere, am besten lückenlose Radinfrastruktur ein. – Und schon geht das Genörgel los: „Es ist nicht genug Platz für Radwege da, es gibt ja nicht genug Ladestationen“, und so weiter und so fort. Aber vielleicht könnten wir hin und wieder einfach anfangen, die Dinge, die schon da sind, auch zu benutzen. Das wäre doch sinnvoll. Natürlich steht dabei immer an vorderster Stelle die gegenseitige Rücksichtnahme! Das gilt für Fahrradfahrer, Elektro-Rollerfahrer, Motorradfahrer, Autofahrer und Fußgänger gleichermaßen.

Krad ohne zusätzliche Prüfung

Auch finde ich den Vorschlag des Verkehrsministers, das Fahren von leichten Krafträdern der Klasse A1 mit bis zu 125 Kubikzentimetern Hubraum und bis zu 15 PS ohne zusätzliche Führerschein-Prüfung zu ermöglichen, sehr gut. Das nimmt bestimmt etwas Druck aus dem überlasteten Straßenverkehr, weil zwei Räder weniger Platz benötigen als vier.

Ich glaube nicht, dass die Fahrer dann wie wahnsinnig durch die Gegend brettern werden. Viele Menschen haben auch Motorroller und man sieht jetzt nicht ständig kaputte Motorroller an der Straße und halbtote Leute im Straßengraben. Auch hier, so finde ich, ist die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer enorm wichtig. Und noch eine Anmerkung: Die dreirädrigen Motorroller kann man sowieso schon fahren, diese schaffen auch bis zu 120 km/h.

Nahverkehrsticket 365 Tage – 365 Euro

Ein anderer Vorschlag in die richtige Richtung: Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), hat sich jetzt einmal was aus Wien abgeschaut und will ein Jahresticket für den öffentlichen Nahverkehr für 365 Euro anbieten, also 1 Euro pro Tag! Eine gute Idee, finde ich, um ein paar mehr Leute in die Bahn zu bekommen. Und schon kräht es aus Bussen, Bahnen, Straßen heraus: „Ach nee, die Bahnen sind doch jetzt schon übervoll….“ Ich glaube nicht, dass, wenn sich jetzt der eine oder andere Bürger so ein Jahresticket kauft, gleich der ganze öffentliche Personennahverkehr zusammenbrechen wird. Und wenn mehr Leute das Ticket nutzen, erreichen sie auch einen kleinen Druck für den Ausbau der öffentlichen Verkehrswege. Auch hier gilt es, einfach mal anzufangen, zu testen was geht. Und nicht gleich loszumeckern! Der Blick über den eigenen Tellerrand ist nicht schädlich. Man kann ruhig mal bei anderen Ländern schauen und das Beste herauspicken. Das Rad muss nicht neu erfunden werden.

Darum meine ganz persönliche Meinung: Man sollte ruhig hin und wieder mal was ausprobieren, bevor man rumnörgelt, was alles nicht geht. Ja, es gibt immer das Risiko, dass etwas schiefläuft – Na und? – Dann kann man immer noch nachjustieren oder korrigieren. Oft stellt sich aber auch heraus: Es geht doch! Versuch macht klug und Erich Kästner hat schon recht:

„Es gibt nichts Gutes. Außer man tut es!“

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