Marzahner Erfolgsgeschichte(n)

30.08.2019, Marcel Gäding

Fotos: Marcel Gäding. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Marzahn-Hellersdorf. Endspurt für die Imagekampagne „Made in Marzahn-Hellersdorf“: Vom 2. September an sind noch einmal an Bushaltestellen Plakate zu sehen, auf denen Unternehmen aus dem Bezirk vorgestellt werden. Eine Woche lang werden die sogenannten City Light Poster für den Wirtschaftsstandort werben.

Auf dem Gelände von Harry Brot herrscht reges Treiben. Im Minutentakt fahren große Lastwagen auf den Hof, verladen die frisch verpackte Ware. Rund um die Uhr wird in der Wolfener Straße gebacken. Gut 320 Tonnen Teig werden täglich verarbeitet, was rein rechnerisch 320.000 Brote ergibt. In Marzahn laufen Misch- und Toastbrote vom Band, die wenige Stunden später bereits in den Verkaufsregalen großer Supermarktketten liegen. 330 Menschen arbeiten in der Produktion, die Fahrer des 50 Lkw starken Fuhrparks beliefern in Berlin 500 gewerbliche Kunden.

Großbäckerei mit Geschichte

Gebacken wird in der Wolfener Straße schon seit 1983. Damals war der Produktionsstandort eine von vier Niederlassungen des Backwarenkombinats Berlin. Denn der Bedarf an Brot und Brötchen war im Osten der Stadt groß. Überall entstanden in der Region Großsiedlungen, allein nach Marzahn-Hellersdorf zog es rund 300.000 Menschen. Und auch nach der Wende standen die Öfen nicht still – dank Harry Brot, das heute nach Angaben von Marketingleiterin Karina Alikhan Marktführer ist.

Mehr als eine Milliarde Euro Umsatz

An neun Standorten in Nord- und Ostdeutschland werden Brot und Brötchen gebacken, zudem unterhält die 1688 in Hamburg gegründete, familiengeführte Bäckerei 40 Vertriebsstellen. Von dort werden bundesweit jeden Tag 10.000 gewerbliche Kunden beliefert. Aktuell beschäftigt Harry Brot 4.375 Mitarbeiter, der Umsatz lag 2018 erstmals bei mehr als einer Milliarde Euro. Dass der Standort Marzahn nicht nur erhalten, sondern auch Stück für Stück erweitert und modernisiert werden konnte, sei der vorhandenen Infrastruktur zu verdanken, wie Werksleiter Matthias Müller sagt. Gearbeitet wird heute in drei Schichten. Noch gar nicht lange her ist der Bau eines neuen Logistikzentrums, in dem die Lieferwagen von Harry Brot beladen werden.

Sechs Plakatmotive an 60 Standorten

Harry Brot ist eine Marzahner Erfolgsgeschichte. Daher stand für Dr. Oleg Peters, Projektleiter des Standortmarketings Marzahn-Hellersdorf, außer Frage, dass diese Unternehmen auch Teil der im Frühjahr gestarteten Imagekampagne der bezirklichen Wirtschaftsförderung sein muss LiMa+ berichtete. Gut 25.000 Euro flossen aus Mitteln des Bundes und des Landes im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe (GRW) „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ in das Projekt. Während im Frühjahr zunächst kleine Unternehmen und sogenannte „Startups“ im Fokus standen, zieren nun im zweiten Aufschlag die eher großen Firmen und deren Produkte die Poster. Vom 2. bis zum 6. September werden diese an 60 Bus- und Straßenbahnhaltestellen in Marzahn-Hellersdorf zu sehen sein.

Die Imagekampagne ist Teil einer Reihe von Aktivitäten im Rahmen des 40-jährigen Bestehens des Bezirks, mit denen die Macher zeigen wollen, was die Region rund um die Wuhle alles zu bieten hat. Neben Harry Brot repräsentieren sich im Rahmen von „Made in Marzahn-Hellersdorf“ das Unfallkrankenhaus Berlin, die Leitner AG, Flexim, Kapp Niles und die Berlin.Industrial.Group. Über die Internetseite www.mahe40.berlin/ bekommen Interessierte weitere Informationen. Für Harry Brot war klar, sich an der Kampagne zu beteiligen, wie Matthias Dorfmeister sagt: „Uns kennt man hier und da war es eine Selbstverständlichkeit, dass wir da mitmachen.“

„Derzeit sind im Bezirk rund 21.000 Unternehmen gemeldet“, berichtet Kathrin Rüdiger, die Leiterin der bezirklichen Wirtschaftsförderung. Erfreulich sei, dass der Anteil an Industrie wächst. Viel Bewegung gibt es beispielsweise rund um den 2015 eröffneten CleanTech Business Park in der Bitterfelder Straße, wo sich innerhalb der vergangenen acht Jahre 17 produzierende Unternehmen mit insgesamt rund 2.500 Mitarbeitern angesiedelt haben.

Unternehmen fordert bessere Anbindung

„Wir fühlen uns hier in Berlin sehr wohl“, sagt Harry Brot-Verkaufsleiter Matthias Dorfmeister. Man freue sich über die wirtschaftliche Entwicklung. Doch es gebe noch einiges zu tun, insbesondere was die Verkehrsanbindung betrifft. Dazu gehören die seit Jahrzehnten diskutierte Ortsumfahrung von Ahrensfelde, um schneller auf die Autobahn zu gelangen oder die nicht enden wollende Diskussion um die Tangentialverbindung Ost, also eine vierspurige Schnellstraße vom Südosten in den Nordosten Berlins. „Wenn wir den Standort weiter entwickeln wollen, muss dieses Thema endlich gelöst werden“, mahnt Dorfmeister. Die Wirtschaftsförderung steht ihm da bei, will nach Angaben von Kathrin Rüdiger nicht müde werden, weiter am Ball zu bleiben. Der Bezirk allein ist machtlos in Sachen Verkehr, da dies Sache des Bundes sowie der Länder Berlin und Brandenburg ist.

Obwohl die Kampagne „Made in Marzahn-Hellersdorf“ am 6. September offiziell endet, setzt die bezirkliche Wirtschaftsförderung auf Nachhaltigkeit. So sei denkbar, auch danach Unternehmen zu für die Imagewerbung zu gewinnen. „Wir werden zudem schauen, wie wir weiter mit den Motiven arbeiten“, sagt Kathrin Rüdiger. Geplant ist außerdem, die vom apercu-Verlag produzierte Broschüre zum 40-jährigen Bestehen neu aufzulegen – mit einem Schwerpunkt auf den Wirtschaftsstandort. Titel: „Hier wächst Zukunft.“


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