Gemeinschaftsgarten entsteht in der Lötschbergstraße

Lust miteinander zu ackern

05.07.2018, Steffi Bey

Foto: Steffi Bey. Zum Vergrößern auf Hauptbild klicken.

Biesdorf. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf hat das 4.000 Quadratmeter große Grundstück zur Verfügung gestellt: In der Lötschbergstraße entsteht der Gemeinschaftsgarten Biesdorf. Zwei Wochen nach der ersten Infoveranstaltung wurde bereits umgegraben: Familien mit kleinen Kindern, Ältere und Jugendliche trafen sich an der Lötschbergstraße/Ecke Bruchgrabenweg. Sie hatten Gartengeräte dabei und Proviant. Gut gelaunt waren alle und motiviert, das gemeinsame Projekt zu starten.

Ursprüngliches Miteinander erhalten

Die Idee dazu hatte Pascal Grothe. Der 25-Jährige, der in der Immobilienbranche arbeitet, wuchs in diesem Ortsteil auf und erinnert sich noch gerne an die Zeit, als er mit seiner Oma im Gemüsegarten Mais und Kartoffeln anbaute. „Zu Berlin gehören und dörflich bleiben“, ist seine Intension. Biesdorf dürfe auf keinen Fall eine Bettenstadt werden. Deshalb möchte er mit dem Gemeinschaftsgarten das ursprüngliche Miteinander erhalten und Kindern aus zugezogenen Familien ganz praktisch vermitteln, woher die Lebensmittel kommen.

Lust und Zeit zum Gärtnern

Dass sein Vorhaben sowohl im Bezirk als auch bei etlichen Bewohnern sofort auf fruchtbaren Boden stieß, hatte Grothe gar nicht erwartet. Im Januar gab es ein Gespräch im Bezirk und das Grundstück wurde der Initiative zur Nutzung angeboten. Über die Website und Facebook sowie durch ein paar Aushänge am Bahnhof meldeten sich innerhalb kurzer Zeit etwa 20 Leute. Darunter Landschaftsarchitekten, ein Imker und Biesdorfer, die Lust und Zeit zum Gärtnern mitbringen.

Inzwischen ist eine ansehnliche Fläche entstanden. Es gibt jede Menge alte Obstbäume und viele neue Beete auf denen Radieschen, Tomaten, Kartoffeln sowie Schoten wachsen. Auf einem kleinen Hügel recken sogar zwei Weinstöcke ihre Blätter Richtung Süden.

Umrandet sind die großen Beete mit Steinen, die von den Hobbygärtnern während der ersten Arbeitseinsätze ausgegraben wurden. „Das Grundstück war total zugewachsen, überall lagen Gartenabfälle und jede Menge Totholz“, berichtet Pascal Grothe. Vertrocknete Zweige und Äste dienen jetzt teilweise als provisorische Begrenzung. Auch Schilder weisen darauf hin, um was für ein Projekt es sich handelt.

Jeder kann Gemeinschaftsgärtner werden

„Jeder kann zu uns kommen, gerne spontan und nach Lust und Laune etwas anpflanzen oder auch ernten“, sagt der junge Biesdorfer. Es sollte allerdings einheimisches Pflanzgut sein. Einen Wege- oder Saatplan gebe es nicht. „Wir wollen ungezwungen handeln“, betont Pascal.

Und so legten die Gemeinschaftsgärtner ihre Beete entlang der zufällig entstandenen Trampelpfade an. Zum „harten Kern“ gehören rund 10 Leute. Gerlinde Parchmann samt Tochter und Enkelsohn ist von Anfang an dabei. „Weil es mir Spaß macht, ich bin gerne körperlich aktiv und an der frischen Luft“, erklärt die 64-Jährige. „Ich liebe die Natur und finde das Projekt wunderbar“, ergänzt Christina Darian. Pascal Grothe schätzt noch etwas anderes: „Es ist toll zu erleben, wie Menschen ganz unterschiedlicher Altersgruppen durch die gemeinsame Gartenarbeit zusammenwachsen“, betont er.

Auch einige Nachbarn, die anfangs mehr Skepsis als Wohlgefallen zeigten, reagieren mittlerweile freundlich und aufgeschlossen auf „die Neuen“. „Weil sie sehen, dass auf dem Grundstück etwas Positives passiert“, ist der Initiator überzeugt. Einige spendierten sogar  Pflanzen oder gaben ein paar gefüllte Gießkannen heraus.

Noch gibt es nämlich keinen Wasseranschluss für das Gelände. Dankbar sind die Biesdorfer deshalb vor allem auch der Freiwilligen Feuerwehr Hellersdorf, die während der großen Hitzewelle in den vergangenen Wochen Wassertanks zur Verfügung stellte.

Ein Zaun fehlt noch

Auch ein Zaun, der einen Schutz zur Straße und zum Bahndamm bildet, wird noch gebraucht. Zwei insgesamt etwa 50 Meter lange Rollen und Pfähle sind zwar vor Ort, müssen aber noch in den Boden gebracht werden. „Für die Begrenzung ist der Bezirk verantwortlich, schließlich halten wir ja auch das Grundstück sauber und ordentlich“, erklärt Pascal Grothe. Die „gesponserten 50-Meter“ hält er für einen „guten Anfang“.

Christian Gräff, CDU-Politiker aus dem Berliner Abgeordnetenhaus, besuchte kürzlich die Biesdorfer Initiative. Und versprach: „Ich werde Freie Träger in Marzahn-Hellersdorf ansprechen, die dann vielleicht den Zaun einbauen“, sagt er.

Pascal Grothe und seine Mitstreiter freuen sich über noch mehr Freiwillige, die das Projekt mit Leben erfüllen wollen. Im Herbst ist beispielsweise ein kleines Erntedankfest geplant. Außerdem soll es künftig Bildungsangebote für Kitas und Schulen geben. Fest steht: Ein Imker wird im hinteren Bereich Bienenvölker aufstellen. Angestrebt wird zudem die Vereinsgründung. Und für die Kleinen gibt es bereits jetzt etwas Besonderes: einen Kletterbaum.
Wer Interesse hat, kommt vorbei. Termine sind unter gemeinschaftsgarten-biesdorf zu finden.

 

Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden