Wie sollen wir in der Zeit der Corona-Krise leben?

Hygiene, Gelassenheit, Solidarität!

14.03.2020, Birgitt Eltzel

Fotos: Volkmar Eltzel. Zum Vergrößern Hauptbild anklicken.

Lichtenberg/Marzahn-Hellersdorf. Geschlossene Schulen und Kitas, Kulturstätten ohne Besucher, Veranstaltungsverbote und weniger soziale Kontakte – nun wird auch in Berlin das gesellschaftliche Leben deutlich gebremst. Es herrscht Ansteckungsgefahr. Denn jeder neue Tag bringt derzeit neue Zahlen von Menschen, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Covid19) infiziert haben.

Gefährdungslage noch insgesamt “mäßig”

Weltweit ist das bis vor kurzem noch unbekannte Virus auf dem Vormarsch, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat inzwischen eine Pandemie erklärt. Zwar schätzt das Robert-Koch-Institut (RKI) die Gefährdungslage in Deutschland zurzeit noch „insgesamt als mäßig“ ein, allerdings variiere das von Region zu Region und sei in „besonders betroffenen Gebieten“ hoch. „Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu. Die Belastung des Gesundheitswesens hängt maßgeblich von der regionalen Verbreitung der Infektion, den vorhandenen Kapazitäten und den eingeleiteten Gegenmaßnahmen (Isolierung, Quarantäne, soziale Distanzierung) ab und kann örtlich sehr hoch sein. Diese Einschätzung kann sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern“, heißt es auf der RKI-Website, die auch täglich die neuen Fallzahlen veröffentlicht.

Aktuelle Informationen zum Coronavirus für Berlin

Auf der Internetseite der Senatsverwaltung für Gesundheit sind aktuelle Informationen für Berlin abrufbar, auch Handlungsempfehlungen. Mit Stand vom Freitag, 13. März, gibt es in der Hauptstadt 158 bestätigte Corona-Fälle. Unter der Telefonnummer 90 28 28 28 können Menschen, die fürchten, sich infiziert zu haben, anrufen und sich durch Fachleute des Landesamtes für Gesundheit und Soziales, der bezirklichen Gesundheitsämter und der Charité beraten lassen. Auch auf der Internetseite der Charité werden zahlreiche Fragen zum Umgang mit dem Virus beantwortet.

Abklärungsstelle im Königin Elisabeth Krankenhaus

Eine von insgesamt sechs Berliner Abklärungsstellen für den Coronavirus – Verdacht wurde im Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge (KEH) eingerichtet. Melden können sich dort Patienten, die unter Schnupfen, Husten, Halsschmerzen, Fieber oder anderen Symptomen leiden und Kontakt zu einem Coronavirus – infizierten Patienten hatten oder sich in den vergangenen zwei Wochen in einem Corona-Risikogebiet aufgehalten haben. Die Abklärungsstelle befindet sich in der Herzbergstraße 79 (Haus 19). Liegt ein Verdachtsfall nach den Kriterien des Robert-Koch-Instituts vor, übernehmen Gesundheitsamt bzw. Krankenkassen die Kosten.

Einer der führenden Virologen Deutschlands, Prof. Dr. Christian Drosten, erläutert in einem Podcast des NDR täglich die neuesten Erkenntnisse und gibt Ratschläge für die Gestaltung des Lebens in dieser Zeit. Reinhören lohnt sich unbedingt!

Solidarität, um Risikogruppen zu schützen

Eine seiner dringlichen Empfehlungen lautete: Großveranstaltungen absagen, auch um Risikogruppen wie ältere, besonders hochaltrige Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen zu schützen. Denn jetzt kommt es darauf an, die Kurve der Ansteckungsfälle zu verflachen – und damit die medizinischen Einrichtungen weiterhin in die Lage zu versetzen, die Kranken zu behandeln. Also sollte man genauso solidarisch sein wie man sich inzwischen sehr gründlich die Hände wäscht und Hygiene walten lässt. Und deshalb sollte nun jedermann weitgehend auf nicht notwendige Kontakte verzichten, insbesondere auf große Menschenmengen. Feste, Fußballspiele, Club- oder Museumsbesuche, aber auch Parteiveranstaltungen und Demonstrationen können durchaus für einige Wochen (vielleicht sogar auch für einige Monate) aufgeschoben werden.

Ab Montag bzw. Dienstag sind Schulen und Kitas zu

Die Politik hat inzwischen reagiert: Wie am Freitag mitgeteilt wurde, wird jetzt auch Berlin den Betrieb von Schulen und Kitas wegen des Coronavirus einstellen. Am kommenden Montag, 16. März, sollen zunächst die Oberstufenzentren (OSZ) schließen. Allgemeinbildende Schulen und Kitas sollen am Dienstag folgen. Eine Notbetreuung für Kinder, deren Eltern zu nicht verzichtbaren Berufsgruppen wie medizinisches Personal, Polizei und Feuerwehr gehören, soll eingerichtet werden.

Veranstaltungen abgesagt, Zoo und Tierpark bleiben offen

Bereits seit Mittwoch sind in Berlin Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern untersagt. Aber auch weitere Veranstaltungen mit viel weniger Besuchern finden nicht statt. Wie alle Bühnen und Kultureinrichtungen der Stadt hat auch das Theater an der Parkaue bis vorerst zum 19. April, dem Ende der Osterferien, den Spielbetrieb eingestellt. Der Besucherservice wird alle Besucherinnen und Besucher, die bereits Karten für Vorstellungen erworben haben, kontaktieren. Auch alle öffentlichen Bibliotheken bleiben vorerst bis zum 19. geschlossen, darunter selbstverständlich die Einrichtungen in Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf. Wie der Verbund der Öffentlichen Bibliotheken Berlins (VÖBB) mitteilt, werden die ausgeliehenen Medien automatisch verlängert, sodass keine Mahngebühren anfallen werden. Sämtliche Veranstaltungen der VÖBB-Bibliotheken fallen ebenfalls aus.
Die „Gärten der Welt“ in Marzahn haben das Kirschblütenfest am 19. April abgesagt. Zu diesem Event kamen stets mehr als 20.000 Gäste. Die internationalen Gärten selbst bleiben geöffnet, ebenfalls Zoo- und Tierpark Berlin. Dafür werden ab Sonnabend, 1. März, auch alle Hallenbäder und Schwimmhallen der Berliner Bäder Betriebe bis zum 19. April geschlossen.

BVV und ihre Ausschüsse tagen nicht

Wie das Bezirksamt Lichtenberg mitteilt, hat der Pandemiestab des Bezirks bereits am Donnerstag, 12. März, weitere Festlegungen getroffen, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Zum Schutz der Risikogruppen sind bereits kommunale Seniorenbegegnungsstätten geschlossen worden. Seit dem 13. März sind auch kommunale kulturelle Einrichtungen wie das Kulturhaus Karlshorst, das Mies van der Rohe Haus, Galerien und das Keramikatelier Lichtenberg dicht. Ab Montag, 16. März, werden ebenfalls die Jugendfreizeiteinrichtungen und Familienzentren geschlossen. Diese Schließungen gelten vorerst bis zum 31. März. Empfohlen wird auch den Trägern der Stadtteilkoordination und von sozialen Einrichtungen die Schließung. Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Lichtenberg wird bis zum 19. April keine Sitzung durchführen, die Ausschüsse tagen ebenfalls nicht. Bis zum 30. April bleibt zudem die Lebensmittelpersonalhygiene in der Alfred-Kowalke-Straße 4 aus dienstlichen Gründen geschlossen, die Online-Terminvergabe wird für die Dauer der Schließung ausgesetzt. Weitere Infos hier…

Alle kommunalen Kultur- und Weiterbildungsstätten geschlossen

Eine solch umfangreiche Mitteilung gibt es aus dem Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf zum Coronavirus nicht. Die Pressestelle war am Freitag für entsprechende Nachfragen nicht zu erreichen. Lediglich Stadträtin Juliane Witt (Linke), unter anderem verantwortlich für Weiterbildung und Kultur, informierte per E-Mail darüber, dass sich die Kultur- und Weiterbildungs-Stadträte der zwölf Berliner Bezirke auf Empfehlung der Senatskulturverwaltung darauf verständigt haben, ab Sonnabend, 14. März alle kommunalen Einrichtungen (Volkshochschulen, Musikschulen, Jugendkunstschulen, kommunale Galerien und Museen) bis zum 19. April für den Publikumsverkehr zu schließen. Noch einen Tag zuvor hieß es an der Lichtenberger Volkshochschule Margarete Steffin: Die Kurse finden wie geplant statt (LiMa+ berichtete). Nun also doch nicht. Die Lage ist dynamisch. Teilnahmegebühren für ausgefallene Kurse und Unterrichtseinheiten werden erstattet.

Extra-Kultur im TV oder im Stream

Kultur können Interessierte dennoch genießen. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) will Kulturangebote im Fernsehen zeigen und im Internet streamen. So wird die Inszenierung der Oper „Carmen“ mit Stardirigent Daniel Barenboim am Pult am Sonnabend, 14. März, um 20.15 Uhr übertragen, am Sonntag folgen um 22 Uhr die Berliner Philharmoniker unter ihrem früheren Chefdirigenten Sir Simon Rattle. Das Konzert war am Donnerstag ohne Besucher aufgenommen worden. Unter dem Motto „Der RBB macht’s“ sollen 15 Inszenierungen aus den großen Berliner Bühnen und dem Potsdamer Hans-Otto-Theater übertragen werden.


Diesen Artikel empfehlen

Facebook Share Twitter Share

Leserkommentare

Ihr Kommentar zum Thema

Bitte melden Sie sich an.



absenden